Bis um die Ecke reicht die Schlange. Schwangere Frauen stehen dort, ein Mann sitzt auf seinem Rollator. In einer Stunde beginnt in einem Gewerbegebiet in Hamburg-Eidelstedt die offene Sprechstunde der »Praxis ohne Grenzen«. Mehr als 40 Menschen warten vor der Tür. »Ich bin seit acht Uhr hier«, sagt jemand, der relativ weit vorn steht.
Die »Praxis ohne Grenzen« behandelt jeden Mittwoch Menschen ohne Krankenversicherung. Sie sind aus dem Ausland, ohne geklärte Aufenthaltsgenehmigung, oder Deutsche, die aus verschiedenen Gründen, etwa Privatinsolvenz, aus ihrer Versicherung gefallen sind.Doch bald könnte diese Versorgung nicht mehr gesichert sein.
Für Cosima Vieth, 77, Gynäkologin im Ruhestand, ehrenamtliche Mitarbeiterin in der »Praxis ohne Grenzen « und Vorstandsmitglied, sind sie vor allem: Menschen.
Vor Beginn der Sprechstunde zeigt sie in den Praxisräumen einen Ausdruck der Deklaration von Genf, dem ärztlichen Gelöbnis. »Darauf habe ich mich verpflichtet«, sagt Vieth. Der vierte Punkt:
Ich werde nicht zulassen, dass Erwägungen von Alter, Krankheit oder Behinderung, Glaube, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politischer Zugehörigkeit, Rasse, sexueller Orientierung, sozialer Stellung oder jeglicher anderer Faktoren zwischen meine Pflichten und meine Patientin oder meinen Patienten treten.







