Die Menschen im Münchner Südwesten sowie Pendlerinnen und Pendler müssen sich im Hochsommer auf erhebliche Verkehrsbeeinträchtigungen einstellen. Wegen einer Generalsanierung muss die östliche Röhre des Luise-Kiesselbach-Tunnels in nördlicher Fahrtrichtung von Mittwoch, 1. Juli, bis Sonntag, 2. August, komplett gesperrt werden. Damit droht auf dem und rund um den Mittleren Ring ein vierwöchiges Verkehrschaos, dem die Behörden mit Umleitungen und Verkehrshinweisen im gesamten Stadtgebiet vorbeugen möchten. Ursächlich für die Sperrung sind ein Brand in der Röhre im Jahr 2024 und dessen Nachwirkungen auf den Zustand des Tunnels.Welche Brisanz diese Komplettsperrung der Nordröhre für München und das Umland beinhaltet, lässt sich daran ermessen, dass das Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt an diesem Donnerstag eigens eine Informationsveranstaltung für Pressevertreter einberufen hat. Mobilitätsreferent Georg Dunkel sagt gleich zu Beginn des Briefings: „Das ist eine Maßnahme, die wir nicht aufschieben können.“ Und auch die Frage, warum die nördliche Tunnelröhre für vier Wochen am Stück gesperrt werden muss, beantwortet der Referent gleich zu Beginn: Für die Dauer der Sanierung müssten alle sicherheitsrelevanten Überwachungssysteme – Brandschutz, Verkehrsüberwachung, Löschwasserleitungen – im Tunnel abgeschaltet werden. „Wir können gar nicht anders, als den Tunnel für den Verkehr zu sperren“, so Dunkel.Vier Wochen lang geht im Luise-Kiesselbach-Tunnel nichts mehr. Florian PeljakAuslöser des Ganzen war ein Brand in der Röhre im April 2024. Damals fing ein Kleintransporter Feuer und brannte komplett aus; als Ursache wurde ein technischer Defekt vermutet. Die Münchner Feuerwehr konnte den Brand damals relativ schnell löschen – die Insassen des Fahrzeugs blieben auch unverletzt. Dennoch entstanden durch das Feuer und die Rauchentwicklung erhebliche Schäden an Kabeln, der Beleuchtung und auch dem Brandschutz. Zudem wurde die Tunneldecke durch den Brand stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Röhre blieb dank kurzfristiger Notinstandsetzungen in Betrieb, eine Generalsanierung ist zwei Jahre nach dem Brand aber unausweichlich.Warum der Tunnel nicht schon im vergangenen Jahr repariert wurde, sondern erst in diesem Sommer angegangen wird, war nach Bekanntgabe des Sanierungstermins Gegenstand von Debatten in der Stadt – und hängt mit anderen Baustellen zusammen. „Es wurde schon überlegt, 2025 zu sanieren, aber dazu benötigen wir Ersatzrouten“, so Dunkel – und die hätten vergangenes Jahr nicht zur Verfügung gestanden. Insbesondere nicht die Fürstenrieder Straße, auf der noch am ersten Abschnitt der Tram-Westtangente gebaut wurde.Dieser ist nun in Betrieb – und die Fürstenrieder Straße wird für die Dauer der Sanierung des Luise-Kiesselbach-Tunnels zur zweispurigen Ausweichroute Richtung Norden zwischen der A95/Ausfahrt Kreuzhof und der A96. Den Verkehr, der von Osten über den Mittleren Ring rollt, sollen über eine sogenannte große Südkurve die Plinganser- und die Boschetsrieder Straße aufnehmen. Anschließend wird der Verkehr auf die Fürstenrieder Straße geführt.Auf der Wolfratshauser Straße, die einen wichtigen Zubringer aus dem Süden der Landeshauptstadt darstellt, werden temporär Baustellen zurückgebaut, um den Verkehrsfluss zu erhöhen. Zudem sollen auf allen Umfahrungsstrecken Ampelschaltungen optimiert werden. Dies aber werde Staus nicht verhindern können, sagt Mobilitätsreferat Dunkel: „Es wird Einschränkungen geben.“Auch, weil dem Luise-Kiesselbach-Tunnel eine infrastrukturell hohe Bedeutung im Münchner Westen zukommt. Zusammen mit dem Tunnel der Heckenstallerstraße sind die Röhren Teil des Mittleren Rings Südwest – und gehören zu den meistbefahrenen innerstädtischen Straßen Europas. Den im Jahr 2015 eröffneten Luise-Kiesselbach-Tunnel befahren am Tag weit mehr als 100 000 Fahrzeuge.Viele Menschen in der Stadt beschäftigt auch die Frage nach der Gleichzeitigkeit großer Infrastrukturprojekte. Aktuell laufen allein auf dem Mittleren Ring zwei große Sanierungsprojekte: die Instandsetzung der Donnersbergerbrücke sowie die Brückensanierung an der Dachauer Straße. Hinzu kommt noch in der Innenstadt die Teilsperrung auf den Linien U3 und U6 wegen der Sanierung der U-Bahnhöfe Poccistraße und Goetheplatz samt Schienenersatzverkehr.Innerhalb der zuständigen Behörden und Stellen sei dies intensiv diskutiert worden, bestätigt Dunkel. Eine weitere Verschiebung der Arbeiten am Luise-Kiesselbach-Tunnel sei aber nicht mehr möglich. In der nun verdichteten Bautätigkeit, so der Referent, stecke aber auch die Möglichkeit, in einem kürzeren Zeitraum gebündelt mehr umzusetzen.An die Pendlerinnen und Pendler richtet das Mobilitätsreferat einen Appell: Auf nicht zwingend notwendige Fahrten – auch aus Solidaritätsgründen – zu verzichten. Denn Rettungs- und Pflegekräfte, der Wirtschaftsverkehr sowie viele andere seien darauf angewiesen, durchzukommen. Und das wird im Münchner Südwesten vier Wochen lang schwer genug.