Für den Vorstandsvorsitzenden von Siemens Energy, Christian Bruch, gibt es keine Tabus, wenn es um die Weiterentwicklung des Energietechnikkonzerns geht. Nun wurde bekannt, dass der Vorstand prüft, ob die Sparte für Industrielösungen (Transformation of Industry) weiterhin zur Ausrichtung des Gesamtkonzerns passt. Das „Manager Magazin“ hatte zuerst darüber berichtet. Ein Sprecher von Siemens Energy sagte auf Anfrage der F.A.Z., dass eine Entscheidung noch nicht gefallen sei.Indirekt bestätigte er die Prüfung: „Siemens Energy überprüft regelmäßig sein Portfolio, um sicherzustellen, dass jeder Geschäftsbereich über die besten strategischen und finanziellen Voraussetzungen verfügt, um im Wettbewerb zu bestehen, zu investieren und langfristig zu wachsen.“ Im Rahmen dieses laufenden Prozesses wird nach seinen Worten die optimale langfristige Aufstellung geprüft, um den Wachstumskurs des Geschäftsbereichs Transformation of Industry zu beschleunigen.Vom Umsatz her die kleinste Sparte„Unsere Überlegungen orientieren sich dabei immer an dem Ziel, den bestmöglichen Nutzen für Kunden, Mitarbeitende und Aktionäre zu schaffen“, fügte der Siemens-Energy-Sprecher hinzu. Die Industriesparte wird im Vorstand von Anne-Laure de Chammard verantwortet. Ihre Sparte hat im ersten Halbjahr die Profitabilität gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 11,4 auf 11,9 Prozent verbessert. Im laufenden Geschäftsjahr 2025/26 (per 30. September) soll die Sparte eine Marge von elf bis 13 Prozent erzielen – bei einem Umsatzwachstum zwischen fünf und sieben Prozent.In den ersten sechs Monaten stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um drei Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Der Auftragseingang ging in diesem Zeitraum um drei Prozent auf 2,8 Milliarden Euro zurück. Vom Umsatz her ist Transformation of Industry die kleinste Sparte von Siemens Energy. Der größte Bereich ist das Gasgeschäft mit 6,6 Milliarden Euro. Dahinter folgt die Netztechnik mit 6,1 Milliarden Euro und die Windkrafteinheit Gamesa mit 4,9 Milliarden Euro.Auch das einstige Sorgenkind setzt Bruch unter Profitabilitätsdruck. Die Milliardenverluste sind vorbei. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet der Vorstand von Gamesa ein ausgeglichenes Ergebnis. In den kommenden Jahren will Bruch auf die Entwicklung der Profitabilität achten, wie er in der vergangenen Woche auf einer Presseveranstaltung in Hamburg ausführte. „Sollte die Sparte eine deutlich schwächere Rendite erreichen als unsere anderen Einheiten und wir keine Perspektiven für eine Besserung sehen, dann müssen wir uns natürlich Gedanken machen, ob und wie der Bereich dauerhaft ein Teil von Siemens Energy sein kann.“ Bruch will vor dem Jahr 2030 ein klares Bild haben.Börse begrüßt die AufspaltungspläneIn Hamburg warb de Chammard für ihre Sparte, die Industrieunternehmen mit effizienten und nachhaltigen Energielösungen versorgt. Für sie steht die Industrie im Zentrum der Energiewende. Auf sie entfielen ungefähr 40 Prozent der Energienachfrage in der Welt und 30 Prozent der CO₂-Emissionen. In der Energieversorgung der Zukunft sieht die Französin für Wasserstoff in Zukunft eine wichtige Rolle. Die Technologie sei auf gutem Weg, dass grüner Wasserstoff bald so günstig sein werde wie grauer Wasserstoff. „Wie lange das dauert, werden wir sehen, bis 2030 wäre natürlich schön“, sagte de Chammard.An der Börse kamen am Donnerstag die Aufspaltungspläne gut an. Der Aktienkurs sprang um mehr als fünf Prozent nach oben. Der Anteilsschein von Siemens Energy führte die Gewinnerliste im Dax an. Seit dem Ende April erreichten Rekordhoch von mehr als 190 Euro ging es wieder deutlich runter, zeitweise auf unter 140 Euro. Am Donnerstag lag der Kurs bei 170 Euro.