Seine Münchner Teamkollegen hatten vorgelegt, da war es nur konsequent, dass er nachzog. Michael Olise waren beim 3:1-Sieg Frankreichs gegen Senegal zwei Torvorlagen gelungen, Harry Kane beim 4:2 für England gegen Kroatien zwei Treffer. Als Letzter aus der in dieser Saison so überragenden Offensivreihe des FC Bayern stieg schließlich Luis Díaz mit Kolumbien in die Weltmeisterschaft ein. Beim 3:1-Sieg gegen Usbekistan legte er das 1:0 vor und schoss das 2:1 selbst. Nach dem ersten WM-Spiel seines Lebens bekam er gleich die „Man of the match“-Trophäe.Nun ist diese WM natürlich für alle drei eine spezielle. Für Olise, 24, ist es die erste, und nicht wenige sehen ihn bereits als aussichtsreichen Anwärter auf den Ballon d'Or für den besten Spieler Europas. Für Kane, ebenfalls ein Ballon-d'Or-Kandidat, ist es mit 32 vielleicht die letzte besonders aussichtsreiche Gelegenheit, den WM-Pokal zu gewinnen. Und doch: Die emotionale Bedeutung der Teilnahme am Turnier ist bei Díaz, 29, womöglich noch etwas größer. „Als ich gerade aufs Spielfeld gehen wollte, war ich kurz davor zu weinen. Erinnerungen aus der Vergangenheit kamen in mir hoch“, sagte er nach dem Spiel im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt: „Ich habe sehr dafür gekämpft, mit meinem Land an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen.“Kolumbiens Nationalmannschaft, vor diesem Sommer sechsmal bei Weltmeisterschaften dabei, hatte sich 2022 für das Turnier in Katar nicht qualifiziert. Bei der zuvor letzten Teilnahme 2018 in Russland war Díaz noch kein Nationalspieler. Es ist also sein erster Auftritt für sein Land auf der größten Bühne des Fußballs. Deshalb ging es für ihn wohl auch noch einmal um die herausfordernde Geschichte, die ihn mit seinem Land verbindet, und die man nicht ohne seinen Vater erzählen kann.Luis Manuel Díaz, 57, war Ende 2023 vom linken Guerilla-Kommando des Ejército de Liberación Nacional (ELN) entführt und fast zwei Wochen lang festgehalten worden. Damals litt ganz Kolumbien mit Díaz. Der linke Staatspräsident Gustavo Petro (dessen Nachfolger dieser Tage in einer für das Land richtungsweisenden Stichwahl ermittelt wird) schaltete sich ein und erreichte, dass die ELN den Vater übergab.Jener Luis Manuel, kurz Mane, Díaz ist inzwischen selbst eine Berühmtheit, auf Instagram unterhält er 280 000 Follower, und die ließ er am Mittwoch an seinem Tag teilhaben. Zunächst filmte er sich beim Gebet im Hotelzimmer, zwei Trikots seines Sohnes vor sich auf dem Bett ausgebreitet, vor dem er kniete. Dann lief er zum Stadion, trommelte vor dem Spiel noch mit einer in Trikots gekleideten Band und filmte sich schließlich vor dem Anpfiff von seinem Platz auf der Tribüne aus.Dort sah er, wie sein Sohn mit der ersten Chance des Spiels zunächst den Pfosten traf und kurz vor der Halbzeit das 1:0 mit einem Traumpass vorbereitete, seine Flanke aus dem Halbfeld flog genau in den Lauf von Torschütze Daniel Muñoz (40.). Zwischenzeitlich gelang Außenseiter Usbekistan der Ausgleich (60.), Kolumbien wurde seinem Favoritenstatus nicht in jeder Situation gerecht. Aber Díaz brachte sein Team in der 65. Minute wieder in Führung. In der zweiten Minute der Nachspielzeit wurde er ausgewechselt, bevor in der neunten Minute der Nachspielzeit noch das 3:1 fiel.26 Tore und 23 Vorlagen sind Díaz in 51 Spielen seiner ersten Saison für den FC Bayern gelungen. Vorerst scheint er von seiner herausragenden Form nichts eingebüßt zu haben.
WM 2026: Luis Díaz führt Kolumbien zum ersten Sieg
Beim 3:1 mit Kolumbien gegen Usbekistan ist Luis Díaz der „Man of the match“ – und Bilder seines Vaters gehen um die Welt.











