Puschkin schwebt hoch über den Menschen. Er blickt in den Himmel, träumt den Vögeln nach. Dann dreht er sich, schaut auf die Erde, auf den Platz, wo er gerade noch saß. Wer wird die Leere fühlen, fragt die Dichterin Olga Martynova in ihrem Poem über einen Denkmalsturz im estnischen Riga. Warum diese Gleichsetzung der russischen Dichter und Denker mit Putin, wo kulturelles Erbe doch allen Menschen gehört.

Und von draußen dringt der Lärm von Menschen durch die gläserne Front des Dresdner Kulturpalastes. Montag ist Demotag auf der Wilsdruffer Straße. Und würde sie nicht vorn am Pult stehen und aus ihren Werken lesen, würde sich die inzwischen deutsche Dichterin Martynova – auf Russisch schreibt sie seit dem Tod ihres geliebten Mannes 2018 „keine Zeile“ mehr – bestimmt Notizen für ein neues Essay oder Gedicht machen.

Über die Skurrilität, dass da unten Menschen Fahnen und Symbole zweier untergegangener Reiche schwenken: der russischen und des sowjetischen. Zar und Sowjets in einer Marschkolonne vereint. Dazu weiße Friedenstauben auf hellblauem Stoff. Und davor und dahinter ausreichend blau-silberne Polizeitransporter mit bestimmt ausreichend Platz, um all die auf der Straße Lärmenden einzusammeln und zum nächsten Standort zu transportieren.