Die Superintelligenz umweht eine eigene Glaubenslehre: Sie steht – je nachdem, wen man fragt – für Fortschritt oder Untergang der Menschheit. Was ist wirklich dran?

taz FUTURZWEI | Sie soll die „letzte Erfindung der Menschheit“ sein. Die Superintelligenz, auch artificial general intelligence (AGI) genannt, ist das große Versprechen der KI-Konzerne: eine künstliche Intelligenz, die alles sein und können, die wirklich „denken“, „verstehen“, ein „Bewusstsein“ entwickeln und dabei vor allem unsere kognitiven Kapazitäten übertreffen soll.

Von Tech-CEOs wie Sam Altman, Elon Musk und Co. wird sie deshalb als die ultimative Lösung für jedes nur denkbare Problem beworben – als eine übermenschliche, allwissende, fast gottähnliche Entität, die das Klima „fixen“, sämtliche Krankheiten heilen, alle Probleme der Physik lösen und uns so endlich ein Leben im All beziehungsweise im Himmel ermöglichen könnte. Wer sie erreiche, hätte den „universal problem solver“ erschaffen, könne, so glaubt Sam Altman gar, „den Lichtkegel des gesamten zukünftigen Vermögens im Universum einfangen“.

Neben den Verheißungen lauern allerdings auch allerlei Gefahren. Denn die Superintelligenz könnte, das betonen CEOs und Entwickler ebenso unaufhörlich, auch als eine Art strafender Gott auftreten. PayPal- und Palantir-Gründer Peter Thiel sieht uns so auf eine Art Armageddon zu taumeln, spricht unentwegt vom Antichristen. Ganz ähnlich formuliert es auch Musk: „Mit der künstlichen Intelligenz beschwören wir den Dämon.“ Eine freidrehende Superintelligenz, so die Befürchtung, könne einen eigenen Willen entwickeln, den Menschen für überflüssig erachten, uns schließlich auslöschen, die planetare Apokalypse selbst entfesseln, womit sie nicht nur die letzte, sondern allerletzte Erfindung der Menschheit wäre – mit negativen Vorzeichen. So umweht die Superintelligenz eine ganz eigene Eschatologie, wobei sie immer beides ist: Versprechen oder Drohung, Fortschritt oder Untergang der Menschheit.