Wenn Fußballer in der dritten Person von sich reden, kündigt sich meist Großes an. Wer wüsste das besser, als „ein Lothar Matthäus“ oder ein selbsterklärter Supertyp wie Zlatan Ibrahimovic. Der schwedische Charakterkopf ist zwar mittlerweile Stürmerpensionär, aber bei der Weltmeisterschaft natürlich trotzdem dabei, als TV-Experte des US-Senders Fox. Einen Ibrahimovic setzt man nicht einfach daheim aufs Sofa. Und so widmete er sich nach dem 4:1 der Norweger gegen Irak seinem artverwandten Kollegen Erling Haaland, der soeben die ersten zwei WM-Tore seines Lebens erzielt hatte.„Ich muss ihn wohl auf meiner Liste der ‚Könige des Dschungels‘ weiter nach oben setzen“, plauderte Ibrahimovic los, denn: „Er kommt Zlatan immer näher.“ Ein Skandinavier huldigt dem anderen, das hat es lange nicht gegeben bei solchen Turnieren, schon gar nicht unter Erwähnung von Norwegern. Ihre letztmalige Teilnahme datiert tatsächlich bis in die Herbsttage der aktiven Nationalspielerkarriere eines Lothar Matthäus zurück, 1998 war das. Damals stürmte vorn Tore André Flo und man besiegte sogar Brasilien in der Vorrunde. Wie gut die aktuelle Generation der Norweger ist, lässt sich passabel an der Figur Haaland illustrieren, der sein Land mit 16 Treffern in acht Qualifikationsspielen wie ein alleiniger Wikingerheld zur WM geführt hatte.Gegen die Iraker, in Nordamerika gewiss einer der größten Außenseiter, setzte sich diese Saga dann fort. Wobei man sagen muss: Selten hatte es Haaland, 25, so federleicht beim Toreschießen. Beim 1:0 reichte sein Angreifernäschen, als er den Fuß in eine Hereingabe von Wolverhamptons David Wolfe hielt (29. Minute). Und nach dem 1:1 per Kopfballtreffer von Ayman Hussein (39.) rückte er die Dinge mit dem 2:1 wieder zurecht, indem er nach einem Rückpass der Iraker zu Keeper Jalal Hassan dazwischen spritzte und sich schlicht anschießen ließ (43.). Die weiteren Treffer entstanden durch den eingewechselten Leo Östigaard (76.) und ein Eigentor von Ausgleichsschütze Hussein (90.+6). Aber für Tore muss man sich nicht genieren und Haaland gilt ohnehin nicht als Grübler, weshalb er seinen Lauf im Nationalteam mit Nonchalance zur Kenntnis nahm: Jeder wisse doch, „dass das großartig ist, jeder weiß, dass es ein großer Moment für mich ist und eine große Bühne. Es macht Spaß, aber es ist viel Druck.“Die Erwartung an ihn und die weitere norwegische Prominenz aus der Premier League (etwa Kapitän Martin Ödegaard vom FC Arsenal) oder der Bundesliga (neben Leipzigs Antonio Nusa etwa Dortmunds Julian Ryerson) ist tatsächlich gewaltig. Das Achtel- oder Viertelfinale scheint keine Illusion zu sein mit der Qualität im Kader, was Norwegens Trainer Stale Solbakken seinem Besten offenbar als spezielle Motivation mitgegeben hatte. „Ich habe vor dem Spiel etwas Druck auf Haaland gemacht. Er hat das gut aufgenommen. Er ist ein Spieler für große Spiele“, erzählte Solbakken, der ohnehin Komplizierteres erlebt hat als eine WM: Er trainierte einst für ein knappes Jahr den 1. FC Köln.Vielleicht tut den Norwegern etwas Demut gut, denn bei genauerem Hinsehen offenbarte die Partie gegen Irak auch einige Schwächen. Die Innenverteidigung, ein ewiges Thema des Teams, wirkt nicht immer überzeugend, insbesondere bei Flanken. Ein Lothar Matthäus würde vermutlich sagen: Diddelkandidadd ist Norwegen so noch nicht.