Es gibt schwarz-rote Koalitionen in Deutschland, die so erfolgreich sind, dass die Parteien die Zusammenarbeit ohne lange zu fackeln fortsetzen. Die Stadtverordnetenversammlung in Bad Homburg ist ein Beispiel dafür. In der Kreisstadt des Hochtaunuskreises haben die Fraktionen von CDU und SPD am Wochenende besiegelt, was sich schon vor der Kommunalwahl in Hessen angedeutet und nach dem Ergebnis von 46 Prozent für die CDU und 13 Prozent für die SPD rasch abgezeichnet hatte: Die Koalition geht in die dritte Runde.In den vergangenen zehn Jahren haben die beiden Kräfte nicht immer ohne Reibung, aber doch meist geräuschlos zusammengearbeitet. In Zeiten, die reich an Getöse sind, dürften Wähler diese Eigenschaft schätzen: wenn Politiker einfach ihre Arbeit machen und sie, die Bürger, damit möglichst wenig behelligen. Eine Koalition soll nicht streiten, sondern funktionieren.In Bad Homburg ist das der Fall. Die ohnehin starke CDU hatte in der Wahl von diesem Eindruck stärker profitiert und sogar noch drei Punkte zugelegt. Bei der SPD war der Verlust von 0,4 Punkten verschmerzbar. Zwar hatten auch die Grünen, die FDP und sogar die Bürgerliste Bad Homburg vor der Wahl signalisiert, einer Zusammenarbeit mit der CDU zumindest nicht abgeneigt zu sein. Aber die Union setzt auf den bewährten Partner.Bemühen um das „Stadtbild“Das erscheint angesichts der Bandbreite und der Dimension der Aufgaben sinnvoll. Zentral sind im Koalitionsvertrag einige Punkte, mit denen die Partner schon eine Weile befasst sind. Das Kurhaus soll abgerissen und neu errichtet werden, was CDU und SPD mit einem Umzug des Casinos als Pächterin in den Neubau finanzieren wollen. Die Finanzen stabil zu halten, auch um in der Kurstadt weiter viele Feste feiern zu können, ist besonders der Union wichtig. Die SPD dringt auf günstige Wohnungen, damit auch Gering- und Normalverdiener im Taunus gut leben können. Auf dem Gelände des ehemaligen Kreiskrankenhauses soll das geschehen. Und die Kindergartenplätze bleiben beitragsfrei; auch das lag den Sozialdemokraten am Herzen.Weit vorne im Vertrag versprechen die Koalitionäre, die Stadteingänge schöner zu gestalten – und sich um das „Stadtbild“ zu bemühen: Das Wort, das sich nach einem Satz von Bundeskanzler Friedrich Merz zum Debattenbegriff gewandelt hat, steht in Bad Homburg im Zusammenhang mit Parkpflege, Nahversorgung in den Stadtteilen, Pflanzen am Bahnhof und dem Versprechen, stärker gegen „Vermüllung“ vorzugehen. Weiter hinten, unter „Sicherheit“, findet sich der Plan, auf der Louisenstraße aggressive Bettler konsequenter zu verfolgen – und zu verhindern, dass E-Scooter- und Radfahrer Fußgänger gefährden. Auch damit dürften die neuen alten Partner bei vielen Bad Homburgern punkten.