Der Taxifahrer, der die Reisegruppe vom Abendessen in Downtown hinüber in ihr noch unbesichtigtes Domizil für zwei Nächte chauffiert, hat eine gute und eine schlechte Nachricht. Well, sagt er, nach einem prüfenden Blick auf die Karte von Google Maps. Die gebuchte Unterkunft liege in „Sunnyside“.Great! Und die schlechte Nachricht?„Das ist die schlechte Nachricht.“Der große SZ-WM-Überblick:In 48 Teams um den GlobusVon kleinen Karibikinseln über Ex-Geheimfavoriten bis zu den Gastgebern und ihren Herausforderungen: Eine interaktive Übersicht über die 48 Mannschaften, die bei der WM 2026 teilnehmen.Sunnyside, verrät eine Blitzrecherche über Houstons Problem-Stadtviertel, die einer auch vor der Buchung hätte unternehmen können, war 2015 der zweitgefährlichste Ort in den USA! Zum Opfer eines Gewaltverbrechens, die Info spuckt das Internet zackig aus, wird einer in Sunnyside (beliebtestes Tattoo der Gangmitglieder: „Sunnyside Pride“) demnach mit der Wahrscheinlichkeit, dass Nico Schlotterbeck in einem Vorrundenspiel der WM einen fatalen Fehlpass spielt: 1:11! Die häufigsten Straftaten, heißt es, sind Körperverletzung, Einschüchterung und Raub.Okay … Everybody be cool, this is a robbery!Wer der Nationalmannschaft bei dieser Mammut-WM hinterherreist, muss nicht hyperventilieren, wenn er bei einer der mannigfaltigen Unterkünfte auch mal Pech hat. Und wie sagte der Sportdirektor Rudi Völler über das eigene Teamhotel? „Ist kein Luxus, aber total angenehm …“ Das ist der Weg!„The good news is“, verrät der Taxifahrer und grinst (weil ihn das Schicksal von drei Sportjournalisten aus Germany amüsiert, deren Hauptkriterium bei der Quartierswahl die Stadionnähe war): Die Unterkunft liege in einem Safeplace in Sunnyside. Neubausiedlung. Gated Community. Nachbarn, die auf sich aufpassen. Kameras überall. Ein dickes, fettes Tor. Riesenjubel auf dem Beifahrersitz!Das Taxi biegt ein beim Schild Grand West. So heißt der Safeplace im Gangsta’s Paradise. Hinter einer Plastikmauer aus stilisierten Backsteinen versteckt sich eine Siedlung mit nagelneuen amerikanischen Plastikhäusern, die angeblich aus Holz sind. Hochgezogen von „Dr. Horton – America’s Builder“, verrät die Homepage.Dr. Horton scheint in Kommunismus promoviert zu haben. Es gibt nur drei unterschiedliche Häusertypen. „Gardenia“, „Hibiscus“ und „Jasmine“. Die Reisegruppe hat Glück und checkt in Jasmine ein (zusätzliche Plastikgaube).Die Haustür fällt ins Schloss, die Alarmanlage wird entschärft, und schnell wird klar, dass America’s Builder nicht nur Häuser aus dem Katalog anbietet, sondern die komplette Inneneinrichtung mitliefert. Kein Mensch, der eine einzigartige DNA besitzt, hängt das Haus voll mit Sprüchen aus dem Stehsatz. „Love makes a house a home“ heißt es am Esstisch. „This kitchen is seasoned with love“ steht auf dem Küchenschrank. „Worry about nothing“ an der Schlafzimmerwand. „Live – Laugh – Love“ prangt über der Terrassentür, die hinausführt auf einen umzäunten Rasen ohne Baum, Blume oder Biene. Und auf der Fußmatte steht: „Yes, you really have to take off your shoes!“Andererseits: Manch einer der Ratschläge ist gar nicht so schlecht. Würde Rudi Völler ihn im Teamhotel laut aussprechen, würde er gelobt als Mittel gegen Lagerkoller. Und das Beste an der Sunnyside: Mit dem Taxi sind es von hier nur acht Minuten ins Stadion. Das ist kein Luxus. Aber total angenehm.
Kolumne zur WM 2026: Probleme mit der Unterkunft
Kolumne aus Houston: Wer bei der Quartierwahl nur auf Stadionnähe achtet, landet mit etwas Pech in einem Problem-Stadtviertel.










