Schon seit geraumer Zeit steckt die Dortmunder Baumarktkette Hellweg in der Krise – nun hat die Geschäftsführung die Reißleine gezogen und Insolvenz angemeldet. Neben der Kernmarke Hellweg sollen auch die BayWa Bau- und Gartenmärkte ein Insolvenzverfahren durchlaufen. Betroffen sind insgesamt mehr als 4000 Mitarbeiter.Beide Unternehmen kämpften zuletzt mit einem herausfordernden Markt. Das ohnehin schwierige Umfeld habe sich zusätzlich durch Einkaufspreiserhöhungen, Konsumzurückhaltung, steigende Mieten sowie weitere inflationsbedingte Kostensteigerungen verschärft, teilten die Baumarktketten mit.Beide Unternehmen galten bislang als Schwestergesellschaften, verfügen aber über teils unterschiedliche Gesellschafter. Die jeweiligen Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung dürften nun aber eng abgestimmt werden, zumal auch die gleichen Sanierer an Bord sind. Die Restrukturierungsanwälte Gerrit Hölzle und Karl-Friedrich Curtze von der Wirtschaftskanzlei Görg sollen sich sowohl bei Hellweg als auch bei den BayWa-Baumärkten um die operative Sanierung kümmern. Der Jurist Stefan Denkhaus, Partner der Kanzlei BRL, wurde vom Amtsgericht Essen in beiden Verfahren als vorläufiger Sachwalter eingesetzt. Er soll dafür sorgen, dass bei den Rettungsmissionen die Interessen der Gläubiger gewahrt bleiben.Entscheidung im HerbstFür Kunden und Geschäftspartner soll sich im Tagesgeschäft zunächst nichts ändern. Die Warenversorgung sei sichergestellt. Alle Standorte würden uneingeschränkt geöffnet bleiben, teilten die Unternehmen mit. Das gelte ebenso für die Online-Shops. Die Mitarbeiter erhalten für einen Zeitraum von drei Monaten Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit.Damit dürfte sich im Herbst abzeichnen, wie es für die Unternehmen weitergeht. „Im Zuge der Sanierung werden wir sämtliche Kosten- und Ertragsstrukturen überprüfen“, erklärte Görg-Restrukturierer Curtze hinsichtlich der Hellweg-Märkte. „Dazu gehört auch eine Analyse des bestehenden Filialnetzes und seiner zukünftigen Ausrichtung.“ Vom Dortmunder Firmensitz aus betreibt Hellweg insgesamt 68 Märkte in Deutschland mit Schwerpunkten im Rhein-Ruhr-Gebiet und im Berliner Raum. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 2900 Mitarbeiter.Obi profitiert Die Krise bei Hagebau verschärft sich Die Baumarktkette Hagebau hat den Schritt ins Digitale verpasst. Seit Jahren verliert sie Kunden – jetzt wechseln die nächsten sieben Märkte zum Konkurrenten Obi. von Stephan KniepsDie BayWa Bau- und Gartenmärkte GmbH und Co. KG verfügt über 46 Standorte im süddeutschen Raum und beschäftigt 1300 Mitarbeiter. „Im Rahmen des Restrukturierungsprozesses werden wir sämtliche Geschäftsbereiche auf ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hin analysieren“, sagte Co-Sanierer Hölzle. Dabei würden ebenfalls die einzelnen Standorte bewertet, „um die Grundlage für langfristig tragfähige Entscheidungen zu schaffen“.Heißt offenbar auch: Schon bald dürften Verhandlungen mit den Vermietern der Baumarktimmobilien beginnen. Ohne Zugeständnisse von ihrer Seite drohen bei beiden Unternehmen empfindliche Einschnitte ins Filialnetz. Zudem dürften die Sanierer rasch mit der Investorensuche starten. Ob dabei eine Verbundlösung für beide Baumarktmarken angestrebt wird, oder aber ein Einzelverkauf, scheint derzeit noch offen zu sein.Die Baumarktkette Hellweg geht zurück auf den Unternehmer Johannes-Peter Schnitger, der in Unna in einer Holzhandelsfamilie aufwuchs. 1971 übernahm er den Holzgroßhändler seines Großvaters, die Johannes Beese GmbH, und gründete fast zeitgleich in Dortmund eine Firma namens Hellweg, mit der er den schnell wachsenden Trend nach sogenannten Do-it-yourself-Märkten bedienen wollte. Doch weil er zum Start noch kein reifes Filialkonzept hatte, eröffnete er zunächst als Franchisenehmer einen Baumarkt der bestehenden Kette „Max Bahr“. 1972 schließlich eröffnete der erste Hellweg-Markt in Gelsenkirchen.Die Do-it-yourself-Branche wuchs tatsächlich ab Ende der 1960er Jahre rasant, heute gilt Deutschland als Europas größter Markt für alles rund ums Heimwerken. Auch wenn Europas größte Baumarktketten aus Frankreich (Groupe Adeo, 27 Milliarden Euro Umsatz) und Großbritannien (Kingfisher, 13,8 Milliarden Euro Umsatz) stammen, wird der deutsche Markt dominiert von fünf deutschen Händlern: Bauhaus, Obi, Hornbach, Toom und Hagebau. Laut dem Fachverlag Dähne, einem Informationsdienstleister und Marktbeobachter der DIY-Branche, lag Hellweg mit 787 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2024 auf Rang 9.Die Branche erlebte in den vergangenen Jahren Turbulenzen: Während des ersten Coronajahres 2020, als viele Menschen viel Zeit zu Hause verbringen mussten und Geld übrig hatten, wuchs der Gesamtumsatz fast um 14 Prozent. Ein Jahr später der Kollaps: minus 9,1 Prozent. Danach stieg der Umsatz zwar wieder an und hat sich mittlerweile wieder eingependelt, doch dieses ungewohnte Auf und Ab hat offensichtlich mehrere Märkte vor Schwierigkeiten gestellt.
4300 Mitarbeiter betroffen: BayWa- und Hellweg-Baumärkte melden Insolvenz an
Baumarktbeben: Mehr als 100 BayWa- und Hellweg-Märkte kommen auf den Prüfstand. Beide Firmen haben Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestartet.










