Rund acht Monate nach der lebensbedrohlichen Messerattacke auf die SPD-Politikerin Iris Stalzer aus Herdecke ist ihre Tochter wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt worden. Das sagten der ermittelnde Oberstaatsanwalt aus Hagen, Bernd Haldorn, und der Anwalt der 17-jährigen Tochter, Andreas Trode, der Deutschen Presse-Agentur. Mehrere Medien wie die Westfalenpost und Bild hatten zuvor berichtet.Am 7. Oktober 2025 war es zu einer Gewalttat gegen Stalzer im Haus der Familie gekommen. Die Staatsanwaltschaft wirft der Jugendlichen vor, ihrer Mutter mehrere Messerstiche mit zwei unterschiedlichen Messern zugefügt zu haben. Zudem soll sie mit einem Gegenstand gegen den Kopf von Stalzer geschlagen haben. Die Kommunalpolitikerin erlitt einen Nasenbeinbruch.Das Amtsgericht Hagen prüfe nun die Zulassung der Anklage, so Ermittler Haldorn. Wegen des jugendlichen Alters der Beschuldigten werde ein Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.Die 58-jährige Politikerin hatte sich gesundheitlich schnell erholt und war Anfang November 2025 als Bürgermeisterin von Herdecke vereidigt worden. Damals hatten viele noch die Bilder vom Rettungshubschrauber am Tattag vor Augen. Zudem gab es Berichte über ein wohl stundenlanges Martyrium und furchtbare Verletzungen an Kopf und Körper.Nach Messerattacke:Herdecke: SPD-Bürgermeisterin Iris Stalzer legt ihren Amtseid abVor vier Wochen schwebte die SPD-Politikerin nach einem Messerangriff zu Hause in Lebensgefahr. Jetzt startet sie als Stadtoberhaupt von Herdecke im Ruhrgebiet.Stalzers Adoptivtochter stand von Beginn an unter dringendem Tatverdacht. Gegen die 17-Jährige war Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung erlassen worden. Eine Tötungsabsicht sei dabei nicht zu erkennen gewesen, sagte Haldorn. Es stehe fest, dass die 17-Jährige selbst den Notruf abgesetzt habe.Zu den Vorwürfen habe die Beschuldigte bisher keine Angaben gemacht. Zu einem möglichen Motiv wollte sich der Ermittler mit Verweis auf das jugendliche Alter der Beschuldigten nicht äußern.Gegen den Bruder der 17-Jährigen war zunächst ebenfalls ermittelt worden. Die Ermittlungen gegen ihn seien aber eingestellt worden, weil er nicht am Geschehen beteiligt gewesen sei, so Oberstaatsanwalt Haldorn.In der Familie hatte es laut Polizei schon länger Konflikte gegeben. Mutter und Kinder hätten sich bei der Polizei auch gegenseitig der häuslichen Gewalt beschuldigt, hieß es damals. Rechtsanwalt Trode sagte nun der dpa, seine Mandantin sei nach der Tat kurzzeitig in einer Psychiatrie untergebracht gewesen und später von einem Gutachter als schuldfähig eingestuft worden. Wo sich die 17-Jährige seitdem aufhalte, sei zu ihrem Schutz geheim. Dass die Anklage von gefährlicher Körperverletzung ausgehe, zeige deutlich, dass es bei ihr keinen Tötungsvorsatz gegeben habe.Kritik am frühen Amtsantritt der JuristinAm 4. November hatte Stalzer sich in ihrer Antrittsrede selbstbewusst, aber auch selbstkritisch geäußert. Die Kommunalpolitikerin bezeichnete den 7. Oktober als „Tag des Scheiterns“ und sprach von einem „Tag der Verletzbarkeit“. Die Juristin betonte aber zugleich ihre „Stärke“ und ihre „Verlässlichkeit“.Kritiker hatten ihren Amtsantritt nur vier Wochen nach den schockierenden Ereignissen skeptisch beobachtet. So hatte etwa der örtliche FDP-Chef Jürgen A. Weber gemahnt, Stalzer solle ihr Amt bis zur juristischen Klärung der Vorfälle ruhen lassen. Die Juristin hatte die Bürgermeister-Stichwahl Ende September in der 23 000-Einwohner-Stadt im Südosten des Ruhrgebiets mit 52,2 Prozent der Stimmen gewonnen.
Anklage gegen Tochter nach Messerattacke auf SPD-Politikerin
Die 17-Jährige muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.








