Uwe Schneidewind wollte als Oberbürgermeister eine Großstadt zukunftsfähig machen – und scheiterte. Woran das gelegen hat und wie es besser geht, erklärt er im taz-FUTURZWEI-Gespräch.

taz FUTURZWEI | Mit einem Interview in taz FUTURZWEI („Die unendliche Kraft des Neins“) sorgte Uwe Schneidewind 2024 für großes Aufsehen, weil er offen über „die Hölle der ersten zwei Jahre“ als Oberbürgermeister von Wuppertal sprach. Neue Freunde vor Ort hatte er damit nicht gewonnen. Nun hat er ein Buch über seine Amtszeit veröffentlicht, in dem er Bilanz zieht und Wege aus kommunalen Blockaden sucht.

taz FUTURZWEI: Herr Schneidewind, Sie wurden 2020 auf dem Höhepunkt der gesellschaftlichen Zustimmung für postfossile Politik in das Amt des Oberbürgermeisters von Wuppertal gewählt. Sie waren ein Transformationsforscher, der sich die Welt so zurecht gedacht hat, wie sie denn eigentlich sein sollte. Das war mit der kommunalpolitischen Realität nicht kompatibel. Waren Sie naiv?

Uwe Schneidewind: Absolut. Ich habe vor ein paar Monaten nochmal Armin Nassehis Kritik der großen Geste gelesen, da fühlst du dich ja total ertappt. Ich war in meinem Buch „Die Große Transformation“ von 2018 genau mit dieser großen Geste unterwegs. So ein Stahlbad der Realität macht einen einerseits total demütig. Man denkt: Wow, wie naiv war das denn eigentlich, was man da vorher gemacht hat? Und natürlich ist man auch traumatisiert. Es löst einen emotionalen Abwehrreflex aus, wenn ich heute einem Menschen begegne mit so einer ähnlichen Euphorie und diesem „Ich erkläre jetzt mal, was eigentlich gehen müsste“-Habitus, mit dem ich selber unterwegs war.