Die zierliche 30-Jährige, ganz in Schwarz gekleidet, verbirgt ihr Gesicht hinter einem Aktenordner. Sie leide unter dem Strafverfahren, sagt ihr Verteidiger, unter der Untersuchungshaft. Eine zum Teil „gänzlich andere Sichtweise“ habe sie auf das, was ihr da vorgeworfen werde. Seit mehr als neun Jahren kennt sie den Pfarrer, erst dann habe er Anzeige gegen sie erstattet. Einen Teil der Anklage räume sie ja durchaus ein. Andere Vorwürfe aber? Aus ihrer Sicht hat es auch freiwillige, gewissermaßen karitative Überweisungen des Pfarrers gegeben, ganz ohne Druck.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. 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Sollte die Angeklagte, seit acht Monaten in Untersuchungshaft, alle Vorwürfe einräumen, könnte sich die Strafkammer eine Haftstrafe zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Jahren vorstellen, sagt der Vorsitzende Richter.So verständigt man sich, vorläufig. Die Angeklagte räumt die Vorwürfe grundsätzlich ein. Der Hauptzeuge, der pensionierte Pfarrer, muss trotzdem aussagen, zumindest kurz, keine Details.Also: Woher er die Angeklagte kenne? Der Priester, hohe Stirn, hagere Gestalt, faltet die Hände, neigt seinen Kopf in Richtung des Richters und beginnt. Vor etwa zehn Jahren hat er die Frau kennengelernt. Manchmal habe er ihr 5000 Euro wöchentlich überwiesen, nachdem ihm die aus Rumänien stammende Frau gesagt hatte, schwerst erkrankt und nicht krankenversichert zu sein.Ein gemeinsames Domizil in Rumänien, in Sibiu, Hermannstadt? Ja, das fand auch er gut. Falls er Miteigentümer würde. 85 000 Euro hat er ihr überwiesen. Insgesamt habe er drei Lebensversicherungen für sie aufgelöst. Das alles aber, sagt der Priester, seien „freiwillige Leistungen“ gewesen. Um „Zuneigung und Mitleid“ sei es da gegangen. Mitleid aber habe schon überwogen.Seit 2023 lebten sie in einer Beziehung. „Die Initiative ging von mir aus“, berichtet der Priester. Und nein, „öffentlich“ sei diese Beziehung nicht gewesen. Zumindest nicht in Würzburg.Er sei dann selbst in „finanzielle Not“ geraten, die ständigen Überweisungen. Es gab also Ärger. Sinngemäß habe sie darauf reagiert, 2024 war das: „Alle werden es erfahren.“ Das habe er als Erpressung empfunden. Sogar ein Bild eines Bischofs habe sie ihm mal geschickt. Als Beleg dafür, wen sie so alles kenne.Und irgendwann bekam er dann Fotos von sich selbst zu sehen, er, ganz nackt. Gemacht von ihr. Ob er mitbekommen habe, wie diese Bilder gemacht worden sind? Nein, habe er nicht. „Kein Einverständnis“ habe er dazu gegeben, natürlich nicht, wie denn auch? Er lernte die Bilder ja erst kennen, als sie bei ihm auf dem Mobiltelefon landeten.„Schau mal, was ich da habe“, habe sie ihn wissen – und ihm irgendwann die Telefonnummern seiner Mitarbeiter zukommen lassen. Gut, letztere kannte er selbst. Was es bedeutetet, dass sie diese offenkundig auch kennt, habe er sich ausrechnen können, angesichts der Fotos.Insgesamt 13 Aufnahmen, so führte es die Anklage auf, hat die Frau von dem Priester im Saunagarten gemacht. Als komplett entkleidet ist er zu erkennen, teilweise, schildert die Staatsanwältin, sehe man sein Gesäß. Der Anklageschrift zufolge hat die Angeklagte auch mehrmals gedroht, im Internet zu verbreiten, dass der Priester „ihre Dienste im Saunagarten in Anspruch genommen“ habe.Ebenso habe sie zu verstehen gegeben, dem Arbeitgeber des Pfarrers, dem Bistum Würzburg, zu verraten, dass es da etwas zu berichten gibt, über einen Priester und eine Prostituierte. Der Pfarrer überwies weitere 40 000 Euro. Diesmal nicht für eine vermeintliche Behandlung oder eine gemeinsame Wohnung. Diesmal um zu verhindern, dass womöglich Nacktbilder von ihm öffentlich werden.Ob er die „Beziehung“ mal abbrechen wollte? Ja, habe aber nicht geklappt. „Ich gehe zur Polizei“, habe er ihr gesagt. Sie habe geantwortet: „Du verlierst mehr als ich.“Im Übrigen habe die Angeklagte ein ziemlich schlechtes Verhältnis zu Geld, sagt der Priester. 80 000 Euro für ein Auto, das sei so ihre Vorstellung gewesen. „Gib mir 16 000 Euro für die Uhr“, habe er zu hören bekommen. Und für eine Schönheitsoperation an der Brust habe sie ebenfalls Geld gewünscht.Welche Leistungen er in Anspruch genommen hat? Keine Details. Aber auch „einen Ausflug“, sagt der Priester im Zeugenstand, habe man mal unternommen, „auf dem Käppele“, der berühmten Würzburger Wallfahrtskirche hoch über dem Main. Und im Dom sei man gemeinsam gewesen.Das alles war auf Dauer belastend. Zwischenzeitlich, referiert der Zeuge tonlos, habe er sich mal in ambulante psychiatrische Behandlung begeben. Insgesamt aber habe er dem Druck standgehalten. Seit 2025 ist er in Pension, Pfarrer im Ruhestand. Vor Gericht ist er nach etwa 30 Minuten erlöst, als Zeuge entlassen. Er steht auf, zieht seinen Anzug zurecht – den er früher, vor dem Stress, womöglich mal ausgefüllt hat – und strebt zur Tür.Es soll weitere Opfer geben. Von einem Freier soll die Frau – mit der Behauptung gänzlich anderer Krankheiten – der Anklage zufolge bei einem gemeinsamen Hotelbesuch 15 000 Euro bekommen haben, zuvor schon 10 000. Später verkaufte der Mann allerlei Goldmünzen, um ihr zu helfen. Auch mit der Geschichte, sie müsse von der Mafia in Rumänien freigekauft werden, hatte die Sexarbeiterin offenbar Erfolg. Mehr als 90 000 Euro zahlte der Mann der Anklage zufolge insgesamt.Ein anderer, ebenfalls im Glauben, einer erkrankten Sexarbeiterin zu helfen, übergab ihr 1600 Euro. Insgesamt soll der Staatsanwältin zufolge den drei Freiern ein Schaden von mehr als 340 000 Euro entstanden sein. Sie wirft der Angeklagten Betrug, das Verletzen eines höchstpersönlichen Lebensbereichs – durch verdeckte Fotoaufnahmen – und Erpressung vor. Der Prozess soll an diesem Mittwoch fortgesetzt werden.
Prozess am Landgericht Würzburg: Prostituierte soll Priester erpresst haben
Wie eine 30-Jährige mit Lügen und pikanten Fotos eines Geistlichen viel Geld erbeutet haben soll.







