KommentarTeuer, träge, überholt: Der Führerausweis ist schon heute veraltet. Und bald sogar überflüssig?In Deutschland und der Schweiz ist es immer schwieriger, die Fahrprüfung zu bestehen. Die bürokratischen und monetären Hürden sind hoch. Gleichzeitig arbeitet die Autoindustrie an der Abschaffung des menschlichen Fahrers. Es wird Zeit, sich an neue Gegebenheiten anzupassen.16.06.2026, 11.30 Uhr3 LeseminutenFahren lernen braucht viel Geld, Zeit und Nerven.Paul-Philipp Braun / ImagoWer heute einen Führerausweis erwerben will, durchläuft einen Marathon an Prüfungen und komplizierten Regelungen. Wer nicht bereits an der Bürokratie scheitert, stellt sich einer Fülle an Theorieprüfungsfragen, noch bevor er die ersten Meter im Auto selbst fährt. Um alle Regeln im Strassenverkehrsgesetz und die unterschiedlichen Vorschriften im Umgang mit anderen Verkehrsteilnehmern zu verstehen und im Gedächtnis zu behalten, ist eine Vielzahl an Fahrstunden erforderlich. Das kostet in Deutschland und der Schweiz viel Geld.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Kosten für den Autoführerausweis der Klasse B sind sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz in den letzten Jahren stark gestiegen. Während man in Deutschland im Schnitt mit 3000 bis 4000 Euro rechnen muss, liegen die Kosten in der Schweiz oft im Bereich von 2500 bis 3500 Franken. Je nach Intensität der Ausbildung und dem Talent des Fahrschülers kann es aber noch viel teurer werden.Der Erwerb der Autofahrerlaubnis ist sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden, doch das Verfahren unterscheidet sich in beiden Ländern. Während in Deutschland die Fahrschule einen Grossteil der Verwaltung übernimmt, ist in der Schweiz der Fahrschüler stärker in der Verantwortung.Die Schweiz verfolgt zudem einen weniger strengen Ansatz in der theoretischen Ausbildung. In Deutschland ist die Anzahl an Theoriestunden vorgegeben, in der Schweiz nicht. Gleiches gilt auch für die Anzahl der Fahrstunden vor der praktischen Prüfung.Die Überregulierung des Führerscheinerwerbs ist in Deutschland besonders augenfällig. Der enorme bürokratische Aufwand passt kaum zum eigentlichen Ziel – dem Autofahren. Schon heute ist etwa das Anfahren am Berg keine Mutprobe mehr, sondern dank Automatikgetrieben und E-Antrieb ein Kinderspiel. Und dank immer ausgereifteren Assistenzsystemen ist auch der Überblick im Strassenverkehr deutlich besser als früher. Das Autofahren wird immer einfacher, dies muss sich bei Kosten und Bürokratie widerspiegeln.Das Problem ist teilweise erkannt: In Deutschland ist eine grosse Führerscheinreform angekündigt worden, dank der der Erwerb der Fahrerlaubnis deutlich einfacher und günstiger werden soll. Es darf aber bezweifelt werden, dass etwa die Verkürzung der praktischen Fahrprüfung um fünf Minuten und die Reduktion der Prüfungshürden den grossen Schritt nach vorne bringen können, ohne die Verkehrssicherheit zu gefährden. Gefragt wäre etwa die feste Einführung von begleitetem Fahren, wie es in der Schweiz mit dem Lernfahrausweis seit langer Zeit möglich ist, um teure Fahrstunden einzusparen.Doch gleichzeitig stellt sich die Frage, wie lange der Erwerb einer Autofahrerlaubnis überhaupt noch sinnvoll sein wird. Denn in beiden Ländern verbreitet sich die Technologie des autonomen Fahrens. In Hamburg läuft seit 2025 ein Versuch mit Minibussen, die ohne Chauffeur ein Teilgebiet der Stadt abdecken. Seit wenigen Monaten gibt es in der Schweiz im Raum Zürich/Aargau und im Bereich Sankt Gallen und Appenzell zwei grossangelegte Feldversuche für selbstfahrende Taxis.In all diesen Versuchen fährt der Verkehrsteilnehmer nicht mehr selbst, sondern lässt sich durch ein mit Hightech ausgerüstetes Fahrzeug chauffieren. Der so Chauffierte braucht keinen Führerschein mehr. Ausserdem kann er die Zeit im Auto zum Arbeiten oder Entspannen nutzen. Zugleich sind selbstfahrende Autos statistisch gesehen deutlich sicherer als der Mensch als Fahrer.Sicher, Robotaxis sind hierzulande noch Zukunftsmusik. Aber in den USA und in Asien erobern sie gerade die Städte. Und auch wir werden uns irgendwann die Frage stellen: Warum überhaupt noch ein eigenes Auto besitzen, und warum nicht generell auf Robotaxis umsteigen? Allein mit den 3000 bis 5000 Euro für einen Führerschein liesse sich so manche Fahrt im Robotaxi bezahlen.Der Gesetzgeber und damit auch die Fahrschulen sollten möglichst schnell die Anforderungen für den Erwerb des Führerscheins an die sinkenden Erfordernisse bei den Fahrkünsten anpassen. Und die Fahrlehrer müssen sich auf eine Zeit vorbereiten, in der der Fahrausweis nur noch ein Relikt ist.Passend zum Artikel
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In Deutschland und der Schweiz ist es immer schwieriger, die Fahrprüfung zu bestehen. Die bürokratischen und monetären Hürden sind hoch. Gleichzeitig arbeitet die Autoindustrie an der Abschaffung des menschlichen Fahrers. Es wird Zeit, sich an neue Gegebenheiten anzupassen.






