Die Wahrheit: Pointen aus der Praxis

Arztbesuche können die künstlerische Inspiration anregen. Außerdem bekommen Patienten die seltsamsten Komplimente serviert.

A ch, die Last der Prominenz! Noch zahlt die Krankenkasse das Hautkrebsscreening, also stellte ich mich bei der Hautärztin vor, die mich prompt als Lesebühnenleser erkannte. „Wir kommen immer gern zu Ihren Veranstaltungen“, sagte sie und forderte mich auf, mich bis auf die Unterhose auszuziehen. Dann begann sie, mit der Lupe meinen Leib nach verdächtigen Flecken abzusuchen. Ich stand vor ihr, leicht vornübergebeugt, mit gespreizten Beinen, damit sie auch im Schritt schauen konnte. „Ich finde das toll, dass Sie so lustige Texte vorlesen, wie kommen Sie bloß immer auf diese Ideen?“ – „Ich weiß auch nicht“, sagte ich, „manchmal erlebt man einfach Sachen, die einem komisch vorkommen.“

Nachdem sie mich aufgefordert hatte, die Unterhose auszuziehen, damit sie auch meine Po-Ritze inspizieren könne, sagte sie: „Das ist wirklich ein großes Talent, in alltäglichen Situationen Komik zu entdecken. Also …“, hörte ich sie von hinter meinem Hintern, „von hier aus betrachtet sieht alles sehr gut aus.“ Das war das schönste Kompliment, das ich seit langem gehört habe. So ein Arztbesuch ist das reinste Empowerment.