PfadnavigationHomePolitikDeutschlandHalle„Davon kann die schwanger werden!“ – Wie Zeugen die mutmaßliche Vergewaltigung schildernStand: 05:45 UhrLesedauer: 3 MinutenEin Mädchen flüchtet offenbar halbnackt, eine andere liegt wohl bewusstlos auf dem Boden. Die Staatsanwaltschaft spricht trotzdem von Freiwilligkeit – doch Augenzeugen, die die mutmaßliche Vergewaltigung in Halle gestoppt haben, zweifeln daran.Nach Vorwürfen der Vergewaltigung gegen mehrere Jugendliche in Halle hat die Staatsanwaltschaft angekündigt, nun doch keinen Haftantrag zu stellen. „Anders als zunächst angenommen, gehen wir nach jetzigem Stand der Ermittlungen davon aus, dass es sich um ein freiwilliges Zusammentreffen der Personen handelt“, sagte Oberstaatsanwalt Dennis Cernota der Deutschen Presse-Agentur. Inzwischen sind alle vier Beschuldigten wieder auf freiem Fuß. Haftgründe wie Flucht-, Verdunkelungs- und Wiederholungsgefahr lägen nicht vor. Zudem haben die Beschuldigten einen festen Wohnsitz. Die Anwesenden hätten sich zum Teil vor dem Geschehen gekannt, in einem Fall seien sie verwandt.Der Fall war am Wochenende bekanntgeworden. Ersten Informationen der Polizei zufolge waren vier Jugendliche im Alter von 13 und 16 Jahren vorläufig festgenommen worden, der 13-Jährige wurde wenig später wieder freigelassen. Ihnen wurde die Vergewaltigung von vier Mädchen vorgeworfen. Die Tatverdächtigen stammen aus Mali und Portugal, ein Verdächtiger soll mit einem der betroffenen Mädchen verwandt sein.Lesen Sie auchDie Schilderungen von Zeugen allerdings säen Zweifel an der Erklärung der Staatsanwaltschaft, dass alles in der Wohnung in dem Plattenbau in Halle freiwillig passiert ist, wie „Focus“ und „Bild“ berichten. Ein Bewohner schilderte, dass es zunächst in der Wohnung in einem der oberen Stockwerke „geklappert, geklingelt und gescheppert“ hat. Durch das Fenster sei der Ausruf gefallen: „Davon kann die schwanger werden!“ Eine Anwohnerin schildert gegenüber „Bild“, dass ein Mädchen zudem gerufen habe: „Ich darf nicht schwanger werden!“Später sei ein Mädchen die Treppe heruntergerannt, nur noch mit einem Oberteil bekleidet. Die Polizei habe sie bereits am Telefon gehabt. Die Frau sei in die Wohnung gegangen und habe dort ein Mädchen bewusstlos am Boden gefunden. Die Jungs habe sie daraufhin rausgeschmissen, doch diese hätten noch vergebens versucht, sich im Schlafzimmer zu verbarrikadieren.Einer stürmt mit offener Hose nach draußen, der andere feixtAuch der männliche Zeuge bekam die Szene offenbar mit. Er habe vergeblich versucht, einen Jugendlichen, der halbnackt und mit offener Hose nach draußen stürmen wollte, aufzuhalten. Weil ihm auf der schmalen Treppe vier Jungs entgegengekommen seien, habe er nicht eingreifen können. „Der 16-Jährige hat dann noch gefeixt.“Lesen Sie auchDie Flüchtenden hätten noch einen E-Scooter geklaut und bei der Flucht ein Auto beschädigt. „Das waren richtige Rüpel“, schilderte der Mann.Über den Zustand der weiblichen Opfer sagt der Zeuge: „Eine war zerschlagen.“ Die blauen Flecken im Gesicht habe er trotz der dunklen Hautfarbe erkennen können, doch zumindest habe das Mädchen noch laufen können. Die anderen beiden seien bewusstlos vom Rettungsdienst mit Tragen abtransportiert worden. Mindestens drei Flaschen Wodka sollen die Heranwachsenden getrunken haben.Zwei Mädchen waren am Samstag zur medizinischen Versorgung in ein Krankenhaus gebracht worden. Die zwei anderen wurden ambulant behandelt. Bei den Untersuchungen wurde laut Polizei auch überprüft, ob den Mädchen möglicherweise bewusstseinsbeeinflussende Substanzen verabreicht wurden.Staatsanwalt: „Initiative für Treffen ging von den Geschädigten selbst aus“Der Staatsanwaltschaft nach hatten sich die Jugendlichen am Samstagabend in einem Mehrfamilienhaus im Süden von Halle getroffen. „Die Initiative für das Treffen ging von den Geschädigten selbst aus“, sagte Cernota. Sie hätten auch Alkohol besorgt, „der von nahezu sämtlichen Anwesenden in erheblichem Umfang konsumiert worden ist“, so der Oberstaatsanwalt.Im Verlauf des Abends sei es dann zu sexuellen Handlungen gekommen, „wobei die genauen Umstände Gegenstand der laufenden Ermittlungen sind“, hieß es. Die Beschuldigten hätten sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert. Die Aufklärung des Falls werde auch dadurch erschwert, dass die Mädchen Erinnerungslücken hätten, sagte Cernota.„Die Mädels waren abgefüllt und wurden zusammengeschlagen“, sagte hingegen der Zeuge dem „Focus“: „Das kann doch nicht einvernehmlich sein?!“ Nicht umsonst sei der gesamte Straßenzug am Samstagabend voller Blaulicht gewesen. dpa/saha