Martin Schindler reckt seinen Daumen nach oben in Richtung Publikum, als Dankeschön für die lautstarke Unterstützung der Zuschauer in der Frankfurter Eissporthalle. Trotz der deutlichen 4:8-Niederlage im Viertelfinale gegen die niederländischen Topspieler Michael van Gerwen und Gian van Veen schallten immer wieder „Deutschland“-Rufe durch die Halle, wurde jeder Wurf der Deutschen frenetisch bejubelt. Das Turnier gewinnen am Ende die beiden Favoriten Luke Littler und Luke Humphries aus England.Vom 11. bis zum 14. Juni fand in der nicht ganz ausverkauften Eissporthalle der „World Cup of Darts“ statt, der einzige Wettkampf im Darts-Jahr, bei dem die Spieler nicht wie sonst einzeln gegeneinander antreten, sondern in Zweier-Teams ihr jeweiliges Heimatland vertreten. Seit 2023 nehmen insgesamt 40 Nationen teil, immer mit den zwei höchstplatzierten Spielern ihres Landes in der Weltrangliste. Für Deutschland waren das Martin Schindler, Spitzname „The Wall“, und Ricardo Pietreczko, Spitzname „Pikachu“. Doch besonders Pietreczkos Teilnahme hatte im Vorfeld für Diskussionen gesorgt.Pietreczko kämpft mit „Dartitis“Der 31-Jährige litt nach eigener Aussage an Symptomen von „Dartitis“, einem gefürchteten, mentalen Problem im Dartssport, ähnlich den „Yips“ beim Golfen. Durch diese psychisch bedingte Blockade kommt es zu plötzlichen, unwillkürlichen Muskelzuckungen beim Werfen des Pfeils. Anfänglich habe Pietreczko Probleme damit gehabt, den dritten Dart loszulassen. Aus diesem dritten Dart seien dann alle drei Darts geworden.Von Februar bis Mitte Mai konnte Pietreczko nur drei von 19 Spielen gewinnen, Anfang Mai musste er sogar eine Partie abbrechen. Vor diesem Hintergrund war Pietreczkos Nominierung für die Team-WM umstritten. Als zweitplatzierter Deutscher in der Weltrangliste hinter Schindler hatte er sich die Teilnahme allerdings verdient.Kampf gegen die „Dartitis“: Deutschlands Ricardo PietreczkodpaNach dem Auftaktsieg gegen die Philippinen stärkte Schindler seinem Partner den Rücken. „Es ist nicht so, dass Ricardo das mit Absicht macht – ganz im Gegenteil. Ricardo kämpft dagegen, und ich finde das sehr, sehr toll und habe dafür auch Respekt, dass er dagegen kämpft“, sagte Schindler. Pietreczko gab an, mit einem Mentalcoach zu arbeiten, der großen Anteil daran habe, „dass ich das vom Kopf her wieder hinkriege, dass ich wieder meinen normalen Wurf habe“.Nach souveränen Siegen in den Gruppenspielen gegen die Philippinen und Neuseeland sowie dem Achtelfinale gegen Tschechien kam es am Sonntagnachmittag zum Viertelfinale. Dort trafen sie auf den dreifachen Weltmeister und ehemaligen Weltranglistenersten Michael van Gerwen und den aktuellen WM-Zweiten Gian van Veen. Die Deutschen gingen 2:0 in Führung, wobei sich Schindler als der stärkere Spieler präsentierte.Die Fans in der Eissporthalle, die hauptsächlich in Deutschlandtrikots, aber auch in Minion- und Wikingerkostümen erschienen waren, unterstützten Pietreczko bei fast jedem Wurf mit „Pikachu“- Sprechchören. Pietreczko hatte sichtlich Probleme damit, die punktekräftigen „Triple“-Felder zu treffen, der Zuspruch für ihn riss aber nicht ab. Auch nicht, nachdem die Niederländer ausglichen und in der Folge davonzogen. Im Dartssport unüblich und nicht gerne gesehen waren allerdings die Buhrufe, die bei van Gerwens Matchdarts aufkamen. Der Niederländer verwandelte dennoch gleich den ersten zum 8:4-Endstand.England sichert sich WeltmeistertitelIm Vorjahr hatten Schindler und Pietreczko noch für die Überraschung des Turniers gesorgt, als sie im Achtelfinale das Team aus England besiegten und erst im Halbfinale an den Nordiren scheiterten, die sich später zum Weltmeister krönten.In diesem Jahr schafften es die vier besten Nationen aus England, den Niederlanden, Nordirland und Schottland ins Halbfinale. Im Finale standen sich mit den englischen und dem niederländischem Team schließen die beiden besten Nationen in der Weltrangliste gegenüber. Für das englische Duo traten mit dem 19 Jahre alten, aktuellen Weltmeister Luke Littler und dem früheren Weltmeister Luke Humphries die beiden bestgesetzten Spieler an. Mit 10:5 setzten sie sich gegen die Niederlande durch und bescherten England den insgesamt sechsten Titel bei diesem Turnier. Für Littler und Humphries war es der erste gemeinsame WM-Sieg.Pietreczko mag noch nicht wieder der Alte sein. Mit dem Einzug ins Viertelfinale kamen er und Schindler allerdings schon weiter, als sie es sich vor dem Turnier vorgenommen hatten. Es ist noch ein weiter Weg, bis Pietreczko wieder unbeschwert werfen kann, aber der erste Schritt ist – auch dank der Unterstützung der Fans – seit dem Wochenende gemacht.
Darts-Team-WM in Frankfurt: Viel Zuspruch für Ricardo Pietreczko
Bei der Darts-Team-WM in Frankfurt scheiden Martin Schindler und Ricardo Pietreczko im Viertelfinale aus. Zufrieden sind sie dennoch – weil Pietreczko sich aus einer schweren Karrierephase zurückkämpft.












