Es ist sechs Jahre her, dass Bernhard Mihm das letzte Mal in Frankfurt war. Der einstige CDU-Politiker benötigt inzwischen einen Rollator und kommt selten aus dem Haus. Mihm sieht nur noch auf einem Auge und hört lediglich noch auf einem Ohr, wie er ohne Wehklagen berichtet. „Aber ich beobachte noch“, sagt er, „ich fühle mich mental munter.“ Und er hat Frankfurt weiterhin im Blick – dank der F.A.Z.Mihm lebt seit 2001 in Paderborn. Dorthin ist er im Ruhestand mit seiner sieben Jahre älteren Ehefrau gezogen, weil eine der beiden Töchter dort wohnt. Der Ortswechsel war keine Kleinigkeit. Mihm hatte über Jahrzehnte zu den wichtigsten Politikern im Frankfurter Rathaus gezählt. Ein Jahr nachdem die CDU bei der Kommunalwahl 1977 die absolute Mehrheit gewonnen hatte, wurde Mihm, der seit 1971 Bürgermeister in Hünfeld gewesen war, Bildungsdezernent.Ein Feindbild für die LinkenEs waren aufgeregte Zeiten, in denen die politische Linke die Gesellschaft herausforderte mit sozialen Experimenten wie den antiautoritären Kitas. Der konservative Mihm war Feindbild von der ersten Stunde an, weil er den Politikwechsel, für den die Frankfurter mit der Abwahl der Sozialdemokraten gestimmt hatten, in der Bildungspolitik exekutieren wollte. An geradezu bürgerkriegsähnliche Zustände erinnert sich Mihm noch heute, dabei habe er doch lediglich „normale Verhältnisse“ wiederherstellen wollen. Einmal rief er die Polizei, nachdem sein Büro besetzt worden war, was zu wochenlangen Debatten führte.Mihm widersetzte sich auch der flächendeckenden Einführung der integrierten Gesamtschule. Ein Politiker mit festen Grundsätzen, der sich von den Moden nicht irritieren ließ, auch im Aussehen und Auftreten nicht; sein stets korrekt gezogener Seitenscheitel wurde sein Markenzeichen.Übermäßigen Respekt konnte Mihm nicht erwarten. „Pädagogische Hilflosigkeit“ unterstellte ihm die SPD, nachdem er in seiner Bedrängnis die Polizei hatte kommen lassen, und forderte seine Abberufung. Die Stadtverordnetenversammlungen, in denen über solche Themen diskutiert wurde, dauerten auch schon einmal bis vier Uhr in der Früh.Mit der Begründung der rot-grünen Koalition im Römer nach der Kommunalwahl 1989 verlor Mihm sein Amt. Von 1993 an führte er die CDU-Fraktion. Vier Jahre später wurde er für eine Wahlperiode Stadtverordnetenvorsteher. Dass er bei einer Enthaltung einstimmig gewählt wurde, zeigte, dass er trotz der vielen Kontroversen über die Parteigrenzen hinweg anerkannt war.Auch an seinem neuen Wohnort engagierte er sich, brachte es bis zum stellvertretenden Landesvorsitzenden der Senioren-Union. Ämter hat er jetzt nicht mehr, eine Meinung gleichwohl; „schön ist die Situation in Frankfurt nicht“, meint er zur neuen Koalition. Am Mittwoch wird Bernhard Mihm, hellwach und ein politischer Mensch wie eh und je, 90 Jahre alt.
Frankfurt: Ehemaliger CDU-Politiker Bernhard Mihm wird 90 Jahre alt
Bernhard Mihm zählte über Jahrzehnte zu den wichtigsten Politikern in Frankfurt. Nun wird er 90 Jahre alt.











