PfadnavigationHomeGeschichteSED-PrestigeprojektDieser Hightech-Zug der DDR rollt jetzt wieder durch DeutschlandVon Johann AlthausStand: 11:43 UhrLesedauer: 4 MinutenDer VT 18.16 steht nach seiner ersten offiziellen Fahrt nach der Restaurierung im Bahnhof Thale in Sachsen-AnhaltQuelle: Matthias Bein/dpaMit dem Schnelltriebwagen VT 18.16 versuchte Ost-Berlin ab 1965, die vermeintliche Modernität des Realsozialismus zu demonstrieren. Nach der privat organisierten Restaurierung ist nun zurück auf den Gleisen.Hunderte Schaulustige waren dabei, als der neueste alte Zug auf Deutschlands Schienennetz zurückkehrte. Am 13. Juni 2026 wurde der Schnelltriebwagen 18.16.07 in Thale offiziell an die SVT Görlitz übergeben, anschließend führte am 15. Juni die erste längere Fahrt über Halle und Leipzig nach Radebeul in Sachsen, wo er mit einem Fest willkommen geheißen wurde. Künftig soll der Zug regelmäßig Sonderfahrten absolvieren, teilte die SVT Görlitz mit – unter anderem nach Prag und Karlsbad, ins Rheintal oder nach Hamburg und Sylt.Nach 61 Jahren kehrte damit ein Prestigeprojekt der DDR-Reichsbahn zurück in den Betrieb. 1965 hatte die Serienproduktion von insgesamt acht Schnelltriebwagen der Baureihe VT 18.16 begonnen. Dieser dieselhydraulische Zug mit zwei Triebköpfen und bis zu vier Mittelwagen sollte die vermeintliche Modernität des Realsozialismus auf der Schiene demonstrieren und dem knapp zehn Jahre zuvor eingeführten Trans-Europ-Express VT 11 der (west-)Deutschen Bundesbahn Konkurrenz machen. Der VT 18.16 war so etwas wie der ICE der DDR. Die Züge kamen meist im internationalen Verkehr zum Einsatz – unter klangvollen Zugnamen: als „Berlinaren“ von Berlin nach Malmö, als „Karlex“ von Berlin nach Karlsbad, als „Karola“ von Leipzig nach Karlsbad, als „Neptun“ von Berlin nach Kopenhagen oder als „Vindobona“ von Berlin über Prag nach Wien. Für DDR-Bürger unter den Passagieren war allerdings in aller Regel vor der Grenze Schluss, mal an der zur Tschechoslowakei, spätestens an der nach Österreich oder vor der Einschiffung Richtung Dänemark und Schweden. Die Schnelltriebwagen waren für 160 km/h zugelassen, jedoch galt auf den Strecken der Reichsbahn meist ein Tempolimit von 120 km/h. Die letzten Einsatzgebiete der Züge waren die Verbindung vom West-Berliner Bahnhof Zoologischer Garten zum Leipziger Hauptbahnhof anlässlich der Leipziger Messen sowie die Schnellzüge von Ost-Berlin nach Bautzen Mitte der 1980er Jahre. Danach wurden die Züge schrittweise abgestellt.So war 1990 nur noch einer der acht gebauten Züge fahrbereit; er lief nach der Deutschen Einheit noch bis 2003 als Sonderzug im Nostalgieprogramm der Bahn. In den folgenden 18 Jahren rottete dieser VT 18.16 vor sich hin. Erst 2021 begann die Restaurierung. Viel mehr als eine rostige Hülle war allerdings kaum übrig, zeigte sich nach der Zerlegung. Trotzdem wurde er restauriert und wieder fahrbereit gemacht. Lesen Sie auchHinter dem Projekt stehen Bahn-Enthusiasten, die sich in der 2019 gegründeten gemeinnützigen GmbH SVT Görlitz zusammengetan haben. „Unser Ziel ist die Aufarbeitung des Zuges und dessen langfristiger wirtschaftlicher Betrieb“, sagte der ehrenamtliche Geschäftsführer Mario Lieb. Um mindestens 16 Jahre gehe es. Sieben Millionen Euro kostete das Projekt insgesamt, von denen der Bund mehr als die Hälfte beisteuert, der Freistaat Sachsen weitere Hunderttausende Euro; den Rest brachte die GmbH auf – auf verschiedenen Wegen: durch Spenden ebenso wie durch Arbeitsleistung am Zug und seinen Teilen.Imposant sieht der VT immer noch aus mit seiner windschnittigen Nase. Der VT 18.16 erinnerte damit nicht nur an die Form der westdeutschen Konkurrenz, sondern auch an den legendären „Fliegenden Hamburger“, der 1933 bis 1939 die Hanse- und die Reichshauptstadt miteinander verband, mit Tempo 160.Lesen Sie auchNicht alles aber konnte detailgetreu wieder aufgebaut werden. Das WC-System blieb nur teilweise im historischen Zustand, also mit Fallrohr auf die Schienen. Das ist heute aber nicht mehr zulässig, weshalb andere, moderne Toiletten mit Abwassertank eingebaut wurden. Auch die Türblockierung musste geändert werden, um dem aktuellen Sicherheitsstandard zu entsprechen. Eine Klimaanlage wurde hingegen nicht nachgerüstet. Viele Besonderheiten des VT 18.16 blieben – drehbare Sitze in den Großraumwagen oder warmes und kaltes Wasser in den Waschräumen.Damit der Betrieb wirtschaftlich tragfähig wird, müsse der Zug künftig 40- bis 50-mal pro Jahr unterwegs sein, national und international, teilte die SVT Görlitz mit. Es gehe nicht „um einen weiteren Museumszug, der im Lokschuppen steht“. Möglich seien ein- wie auch mehrtägige Fahrten.mit dpa / sfk
VT 18.16: Mit einem High-Tech-Zug wollte die DDR dem Westen Konkurrenz machen - WELT
Mit dem Schnelltriebwagen VT 18.16 versuchte Ost-Berlin ab 1965, die vermeintliche Modernität des Realsozialismus zu demonstrieren. Nach der privat organisierten Restaurierung ist nun zurück auf den Gleisen.











