Es geht Schlag auf Schlag: Kaum ist eine Etappe der Generalsanierung vorbei, steht schon die nächste an. Gerade hat die Deutsche Bahn die größte und teuerste Korridorsanierung in der geplanten Reihe bis 2036 beendet, seit Sonntag können die Züge wieder zwischen Hamburg und Berlin fahren. Schon geht es weiter, jetzt in Bayern.Längst macht sich Ernüchterung breit, denn den Kunden wird bei den Mammutprojekten viel abverlangt. Bisher wurde das nirgendwo so deutlich wie bei der Strecke zwischen den Metropolen in Norddeutschland, deren ohnehin schon üppige Vollsperrung von neun Monaten um weitere sechs Wochen verlängert werden musste.Der kalte Winter war nur ein Grund für das ChaosAls Grund nennt die Bahn den überdurchschnittlich kalten Winter, der Anfang des Jahres zu Bahnchaos führte. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Letztlich war er nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Seitdem ist klar: Das Baustellenmanagement des Netzbetreibers DB InfraGo ist heillos überfordert. Das Resultat waren wochenlange Verzögerungen, die seit Mitte Mai für Dauerchaos sorgten, weil andere lange geplante Baustellen nicht mehr abgesagt werden konnten.Die unhaltbaren Zustände sind der Bahn bestens bekannt. Wie Hohn klingt deshalb die positive Bilanz, die der Staatskonzern am Sonntag zog: Fernverkehrszüge und einzelne Regionalzüge seien zuverlässig auf Umleitungsstrecken verkehrt, der Ersatzverkehr mit 170 modernen Bussen habe funktioniert.Wohlweislich sparte er die Dramen aus, die sich im Güterverkehr abspielten und deshalb zum überwiegenden Teil die Konkurrenz trafen. Die privaten Güterbahnen schlagen schon seit Wochen Alarm, dass die Verlängerung der Großbaustelle zu einer völligen Überlastung der Umleitungsstrecken führe. Der Netzbetreiber sei nicht mehr in der Lage, einen halbwegs geordneten Betrieb zu gewährleisten, warnt der Verband.Dass die Generalsanierung der Bahn viel abverlangt, ist offenkundig. Mit Baustellen dieser Dimension hat der Konzern bisher nur punktuell Erfahrungen gesammelt, jetzt muss er in Serienproduktion gehen. Das ist für alle Beteiligten eine Herausforderung und wird viele Milliarden kosten. Umso wichtiger ist es, dass jetzt eine ehrliche Zwischenbilanz gezogen wird.