Manchmal dauert es ziemlich lange, bis die Anerkennung für eine Lebensleistung eintrifft. Davon kann Victoria Beckham (51) wohl ein, ähm, Lied singen. In den 90er-Jahren wurde sie als „Spice Girl“ berühmt, tingelte dann als Fußballergattin durch die Boulevardmedien, bis sie sich als Modedesignerin neu erfand. Ernst genommen wurde sie mit ihren Ambitionen zunächst nicht, eher als „Ehefrau von“ belächelt, die „ein bisschen in Mode“ macht.Inzwischen sitzt „Vogue“-Legende Anna Wintour (76) bei ihren Modenschauen in der ersten Reihe, und kürzlich widmete Netflix Victoria Beckham und ihrem unerwarteten Aufstieg in der hyperkritischen Modewelt eine eigene Dokuserie. Der ist aus zwei Gründen besonders bemerkenswert: Erstens schiffte Beckham ihr Label immer wieder durch Krisen. 2016 sorgte Ehemann und Investor David Beckham (50) mit einer Finanzspritze dafür, dass Victoria ihre defizitäre Firma überhaupt weiterführen konnte. 2017 stieg dann David Belhassen (55) von Neo Investment Partners ein und sorgte dafür, dass extravagante Kosten von der Betriebskostenrechnung gestrichen wurden (85.000 Pfund im Jahr für Büroblumen und deren Pflege!). Heute wird der Firmenwert auf etwa 700 Millionen Dollar geschätzt – vom Image der Hobbydesignerin hat sich Victoria Beckham also längst freigestrampelt.Und zweitens setzte Beckham bei ihrem Label auf ein Konzept, das so vermutlich an keiner Mode-, geschweige denn Business School gelehrt würde: Als „VB“ den Neuanfang als Designerin und Unternehmerin wagte, entwickelte sie einen neuen Look für sich – und für ihre Kundinnen. Schluss mit Krönchen-Jeans und Silikonbrüsten, her mit monochromen Businessofits aus fließenden Anzughosen, T-Shirts unterm Blazer und geschickt drapierten Shiftkleidern.Victoria Beckham prägte über die Jahre die Businessuniform, in der heute „Powerfrauen“ auf Panelbühnen und in Boardmeetings sitzen: chic, aber nicht zu fashionable, edel, aber trotzdem alltagstauglich. Zu ihren Kundinnen gehören Michelle Obama (61), Prinzessin Catherine (43) oder Gwyneth Paltrow (53) – Frauen also, die wissen, wie es sich anfühlt, wenn die Öffentlichkeit sich auf eine ganz eigene Meinung zum eigenen Tun und Wirken einschießt. Und ganz ehrlich, welche exponierte Frau kennt das nicht? Insofern verwundert es nicht, dass Victoria Beckham mit ihrer Mode mittlerweile so erfolgreich ist: Sie ist wie eine verlässliche Alltagsrüstung konzipiert.