Maxi ist mit seiner Mama gekommen. Mit zunehmender Ungeduld wartet der Vierjährige in der Grünanlage der ehemaligen Siemenswerke, bis es endlich losgeht. Am Abend davor haben die beiden noch aus einer Stoffwindel eine Fahne gebastelt. Um kurz nach zwei sitzen Christine Auerbach und ihr Sohn dann auf den Sätteln, im Fahrtwind weht ihre Message: „Ohne Rad ist alles fad.“Mit Hunderten anderen Gleichgesinnten fahren sie aus dem Süden in Richtung Königsplatz. Dort endet die diesjährige Radsternfahrt des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) mit einer Kundgebung. 14 Routen, vier aus allen Himmelsrichtungen der Stadt und zehn aus dem Umland, laufen dort zusammen. Wo manche am Ende vergebens und durstig nach Getränken suchen.Hinter dem ansonsten fröhlichen Event für alle, die gerne radeln, stecken Forderungen an die Stadtpolitik: nach mehr vom Autoverkehr getrennten Radwegen etwa, nach einem weiteren Ausbau der Radwege, vor allem dort, wo noch Lücken zu schließen sind, wie etwa in der Lindwurmstraße. Der ADFC fordert auch ein generelles Tempo 30 in der Stadt und autofreie Zonen vor Schulen und Kitas.In diesem Jahr richtete sich der Fokus auf die Zukunft des Radverkehrs, vor allem mit einem Blick auf die junge Generation, auf Kinder wie Maxi. Wenn sie in der Stadt nicht mehr Fahrradfahren können, weil es zu gefährlich ist, dann verliere man sie fürs Rad, so eine Sprecherin des ADFC.Aber auch Menschen über 65, die zunehmend mit E-Bikes unterwegs sind, machen dem Verein Sorgen. Die Zahlen aus dem Sicherheitsreport der Polizei von 2025 sprechen für sich: Im vergangenen Jahr starben sechs Menschen in München bei Fahrradunfällen, darunter waren vier Senioren (ab 65 Jahren), 209 Personen wurden schwer verletzt, 2469 leicht.Die Radsternfahrt des ADFC startete diesmal von 14 Punkten aus. Robert HaasMichael Pschenny fährt schon länger Rad mit elektrischer Unterstützung. Robert HaasOberbürgermeister Dominik Krause nahm ebenfalls teil. Robert HaasMichael Pschenny gehört zu den Verkehrsteilnehmern, die der Verein im Auge hat. Der 75-Jährige fährt seit 14 Jahren mit elektrischer Unterstützung. Die Steigungen wie am Grünwalder Stadion oder bei der Großhesseloher Brücke schaffe er kaum ohne, sagt der Naturwissenschaftler: „Mein Rücken.“ Er kenne aber seine Grenzen und fühle sich sicher im Straßenverkehr.Stephan Eicher fährt mit einem Klapprad mit. Er wolle ein Zeichen fürs Radeln setzen – und für das Deutschlandticket. Das sei für ihn die beste Erfindung, neben dem Rad, um sich ohne Auto fortzubewegen, was es in der Stadt eigentlich gar nicht brauche.Erstmals in der Geschichte der Münchner Radsternfahrt ist dieses Jahr auch der Oberbürgermeister dabei. Dominik Krause (Grüne), 35, schließt sich am Wettersteinplatz an. Er sitzt auf dem Rad seines Verlobten Sebastian Müller. Sein eigenes ist ihm vor einigen Monaten gestohlen worden.Auf die Frage, warum er bei der Sternfahrt dabei ist, antwortete er: „Es macht Freude, gemeinsam zu radeln und die Stadt mal aus anderer Perspektive zu erleben – mit vielen Münchnerinnen und Münchnern.“ Er verstehe die Sternfahrt als „klares Signal an Politik und Verwaltung, dass sich viele Menschen eine sichere Fahrradinfrastruktur wünschen“. Dieses Anliegen wolle er durch seine Teilnahme ausdrücklich unterstützen. Deshalb sei ihm wichtig, dass auch in finanziell herausfordernden Zeiten der Ausbau der Fahrradinfrastruktur weitergehe.Das ist ganz im Sinne von Andreas Schön, Erster Vorsitzender des ADFC, der zum Schluss sagt: „Zehntausend Radfahrende haben heute gezeigt, dass sie bessere Bedingungen für den Radverkehr wollen. Unser Ziel muss eine Stadt sein, in der sich Achtjährige ebenso sicher bewegen können wie Achtzigjährige.“
München Radsternfahrt: Forderungen für bessere Radwege und Sicherheit
In München fordern Radfahrer mehr getrennte Radwege, Tempo 30 und autofreie Zonen. Die Radsternfahrt vereint Jung und Alt für eine sichere Fahrradinfrastruktur.
Zehntausend Radfahrer forderten bei Münchens Radsternfahrt sichere, vom Auto getrennte Radwege, Tempo 30 und autofreie Schulzonen; 2025 starben sechs Menschen und 209 wurden schwer verletzt im Radverkehr, darunter vier über 65-Jährige. Dauerhaft sichere Infrastruktur erfordert kontinuierliche Investitionen auch unter Finanzierungsdruck – das gilt für städtische Systeme wie technologische Governance.







