Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit ringt um ihr Leben. Zuletzt hat sich ihr Gesundheitszustand deutlich verschlechtert. Wegen einer Lungenfibrose steht sie auf der Warteliste für eine Lungentransplantation. Doch ihr Sohn Marius Borg Høiby darf deswegen nicht zu ihr. Ein Berufungsgericht lehnte am Mittwoch den Antrag des Neunundzwanzigjährigen auf Freilassung aus der Untersuchungshaft ab. Ein Bezirksgericht hatte diesem zuvor stattgegeben. Das Berufungsgericht urteilte: Die Belastung für Marius Borg Høiby sei nicht anders als für andere Untersuchungshäftlinge mit schwer kranken Eltern.Der Prozess vor dem Amtsgericht in Oslo aber ist nicht wie jeder andere. Rund 50.000 Artikel seien über ihren Mandanten seit seiner Festnahme im Februar geschrieben worden, teilte Høibys Anwältin kürzlich mit, rund zwei Fünftel davon in Norwegen. Der Mediendruck sei herzzerreißend grausam, mörderisch und schrecklich, so die Anwältin. Ihr Angeklagter hatte zu Prozessbeginn selbst gesagt, er sei von der Presse verfolgt, schikaniert und belästigt worden, seit er drei Jahre alt gewesen sei. Im März sagte er vor Gericht: Der Medienrummel habe ihn als Mensch ausgelöscht. „Ich bin nicht mehr Marius, ich bin ein Monster.“Die schwerwiegendsten der mehr als 30 Anklagepunkte streitet er abAn diesem Montag fällen die Richter voraussichtlich das Urteil gegen Høiby. Angeklagt ist er unter anderem wegen der schweren Körperverletzung und wegen sexueller Übergriffe. Mehr als 30 Anklagepunkte gibt es gegen ihn. Und es besteht die Gefahr, dass er weitere mutmaßliche Straftaten begeht. So sieht es zumindest das Berufungsgericht. Das teilte in seiner Begründung über den Antrag auf Freilassung aus Untersuchungshaft mit, das Gericht sei zu dem Schluss gekommen, dass weiterhin eine hohe Wahrscheinlichkeit bestehe, dass Høiby neue Straftaten begehe, sollte er freigelassen werden.In der Untersuchungshaft hatte Høiby wiederholt Besuch von Kronprinz Haakon und seiner Frau Mette-Marit erhalten. Im Gerichtssaal aber erschienen beide nicht. Mette-Marit hatte Høiby schon mit Anfang 20 bekommen, er ging aus einer kurzen Affäre hervor. Dass sie ihn in die Ehe mit Haakon brachte, sorgte in Norwegen ebenso für Stirnrunzeln wie ihre Vergangenheit als Teil der Osloer Partyszene. Aber irgendwann sahen die Norweger darüber hinweg, akzeptierten Mette-Marit als Teil der Königsfamilie.Zumindest bis zu diesem Frühjahr, als deutlich wurde, wie eng Mette-Marit mit dem amerikanischen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein verbunden war. Die Zustimmung zum Königshaus sank infolgedessen rapide. 2026 dürfte als ein Horrorjahr in die Annalen des Königshauses eingehen. Der Prozess gegen Høiby trug seinen Teil dazu bei.Kein Freispruch zu erwartenDetailliert wurde vor Gericht den einzelnen Vorwürfen nachgegangen. All die mutmaßlichen sexuellen Übergriffe gegen junge Frauen – viele von ihnen standen zum Tatzeitpunkt unter Alkoholeinfluss –, bei denen er die Frauen im Intimbereich berührte und das filmte; weiterhin all die Gewaltvorwürfe und mutmaßlichen Drogendelikte. Høiby gestand vor Gericht ein, eine Frau gewürgt zu haben, auch Morddrohungen gegen den Freund einer Frau gestand er, weiterhin den Transport von 3,5 Kilogramm Marihuana, Beleidigungen von Polizisten, Verstöße gegen ein Kontaktverbot.Ein Freispruch ist also keinesfalls zu erwarten. Selbst seine Verteidiger gehen von einer Verurteilung aus, forderten vor Gericht anderthalb Jahre Haft. Die schwerwiegendsten Vorwürfe, nämlich jene der vier Vergewaltigungen, stritt Høiby jedoch stets ab. Der Sex sei einvernehmlich gewesen, sagte er dazu. Seine Verteidiger gaben an, für Vergewaltigungen gäbe es keine Beweise, auch die vor Gericht gezeigten Videos lieferten solche nicht.Die Staatsanwaltschaft sieht das anders und hält am Vorwurf der Vergewaltigungen fest. Der Vorwurf wird demnach noch verschärft dadurch, dass Høiby die Frauen während der Taten heimlich gefilmt habe. Das sei zusätzlich erniedrigend, lasse die Taten geplant erscheinen. Und weder all der Mediendruck noch der Prominentenstatus Høibys, so Staatsanwalt Andreas Kruszewski, dürfe zu einer Strafmilderung führen. Am Montag wird sich zeigen, inwiefern das Gericht dem folgen wird.