PfadnavigationHomeWissenschaftFund aus der Steinzeit„Schädel weist Verletzung auf“ – Forscher finden 4500 Jahre altes Grab unter StromtrasseStand: 12:22 UhrLesedauer: 2 MinutenDie Überreste des etwa 25-jährigen Mannes werden von Archäologen freigelegtQuelle: Heiko Rebsch/dpaIn Sachsen-Anhalt begeistert ein Jahrtausende altes Grab aus der Schnurkeramischen Kultur die Archäologen. Die Forscher stießen bei Ausgrabungen unter einer Stromtrasse auf die Ofengrube, die ein gut erhaltenes Skelett enthielt.Archäologen haben bei Ausgrabungen entlang der Stromtrasse des sogenannten Südostlinks bei Gerstewitz (Burgenlandkreis) eine etwa 4000 bis 4500 Jahre alte Bestattung der Schnurkeramischen Kultur freigelegt. Der zum Zeitpunkt des Todes rund 25 Jahre alte Mann lag in einer Ofengrube.„Solche Feuerstellen sind für Mitteldeutschland typisch und als zweikammerige Systeme ausgeformt“, erläuterte die Projektleiterin und Archäologin Johanna Kleinecke. „In ihrer Bauweise gleichen diese Befunde den bis heute immer wieder schnell im Gelände angelegten Hitzegruben.“Zwei unterirdisch verbundene Gruben ermöglichen eine besonders effiziente und heiße Verbrennung. „Hier bei Gerstewitz lagen die Überreste eines Mannes in der für die Schnurkeramische Zeit typischen Hockerstellung auf der rechten Seite mit Blick nach Süden. Die Arme waren vor dem Kopfbereich angewinkelt. Zudem weist der Schädel eine Verletzung auf“, sagte die Anthropologin Xandra Dalidowski.Die sogenannte Schnurkeramische Kultur war ein weitverbreiteter Kulturkreis der späten Kupfersteinzeit und markiert den Übergang von der Jungsteinzeit zur Bronzezeit. Ihren Namen verdankt sie einer charakteristischen Verzierung von Tongefäßen: In den noch feuchten Ton wurden mit einer Schnur umlaufende Muster eingedrückt, die als typische Erkennungsmerkmale dieser Kultur gelten. Neben dieser Keramik zeichnete sich die Schnurkeramik durch besondere Bestattungssitten sowie den Gebrauch von Streitäxten aus. In Mitteleuropa wird sie auf die Zeit zwischen etwa 3000 und 2200 v. Chr. datiert und prägte weite Teile des Kontinents.Lesen Sie auchAuch von weiteren im Zuge der Stromtrasse freigelegten Fundstellen sind vergleichbare Ofengruben belegt, doch diese sind in aller Regel fundleer, merkt Grabungsleiter Christian Pabst an. Selten liegen darin fast vollständige Rinder, in Ausnahmefällen teilzerstückelte Hundeskelette oder Mahlsteine. Immer wieder wurden solche Feuerstellen im Nachgang ihrer eigentlichen Funktion also rituell genutzt.Anhöhe seit 6000 Jahren relevantDer Bau der Stromtrasse erfordert seit einigen Monaten immer wieder Ausgrabungen bei Gerstewitz. Die Anhöhe wurde seit 6000 Jahren, beginnend in der Baalberger Kultur, als besonderer Platz empfunden. Zunächst entstand hier ein bis zu 15 Meter hoher Grabhügel, der eine aus Holz gefertigte Totenhütte überdeckte. Schon 500 bis 1000 Jahre später, während der Salzmünder Kultur, entstand ein von einem dreifachen Wall-Graben-System umhegter Platz.Nach Einschätzung der Forscher entwickelte sich die Umgebung von Gerstewitz zu einer Kulturlandschaft, die über Jahrtausende hinweg immer wieder aufgesucht wurde. „Solche Monumente waren über Jahrtausende hinweg Kristallisationspunkte“, sagte Abteilungsleiterin Susanne Friederich vom Landesamt. Selbst 2000 Jahre nach seiner Errichtung sei der Grabhügel noch sichtbar gewesen. Sicherlich habe er die Landschaft sogar bis in die Neuzeit geprägt.rc mit dpa