Es war ein wunderbar sonniger Tag, als der Name Trump wieder vom Kennedy Center in Washington verschwand. Man hätte es im grellen Sonnenlicht sehen können, doch der Schriftzug wurde zunächst weitgehend von Planen verdeckt. So sah man fürs Erste nur das „John F.“ auf der einen und auf der anderen Seite das Ende des gesamtem Titels „John F. Kennedy Center for the Performing Arts“. Trotzdem ahnte jeder, dass der US-Präsident hier vor seinem 80. Geburtstag eine sehr symbolische Niederlage einstecken musste.Vor Kurzem hatte ein Bundesrichter entschieden, dass Trump das Kennedy Center in Ruhe lassen soll. Er gab dem Vorstand dieser Institution bis kurz vor Mitternacht am Freitag und dann nach einem Antrag des Vorstands bis Samstagmittag Zeit, um die Großbuchstaben „Donald J. Trump and“ über der Zeile „John F. Kennedy Center for the Performing Arts“ abbauen zu lassen. Handwerker machten sich an die Arbeit und befreiten das Kulturzentrum zumindest von Trumps offensichtlichstem Angriff auf das Zentrum.Kurz nach seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr hatte Trump das Kennedy Center im Handstreich übernommen und sich zum Vorsitzenden gemacht. Die vormalige Führung wurde gefeuert, und auf diesen Bühnen für Musik, Tanz und Theater sollte möglichst nichts mehr stattfinden, was der Maga-Riege irgendwie zu liberal vorkam. Das Ergebnis: Etliche Veranstaltungen wurden gecancelt, oder die Künstler zogen ihre Termine selbst zurück, zum Beispiel die Leiter des Musicals Hamilton. Der Kartenverkauf im Kennedy Center brach dramatisch ein.Das Zentrum sei zu Ehren John F. Kennedys eröffnet worden, entschied das Gericht. Trumps Name musste also wegUnd am 19. Dezember 2025 stand plötzlich „Donald J. Trump and John F. Kennedy Center for the Performing Arts“ auf der Fassade, als hätten diese beiden Männer auch nur das geringste miteinander zu tun. Entsetzt waren außer früheren Stammgästen unter anderem weite Teile der Kennedy-Familie. Die Umbenennung ereignete sich zwei Wochen nach der Auslosung für die Fußball-WM in diesem Gebäude, bei der Fifa-Präsident Gianni Infantino dem US-Staatschef einen für ihn erfundenen Fifa-Friedenspreise überreicht hatte, wenige Wochen vor den Angriffen auf Venezuela und später Iran.Im Dezember stand plötzlich Trumps Name an der Fassade. Cliff Owen/AP/dpaIm Februar 2026 gab Trump außerdem bekannt, dass das Gebäude im Juli dieses Jahres geschlossen und zwei Jahre lang renoviert werde. Da fürchteten viele Betroffene und Beobachter, dass er diese Jahrzehnte lang sehr beliebte Einrichtung bald endgültig auseinandernehmen würde. Christopher Cooper vom Bundesgericht in der Hauptstadt ging dazwischen. Er blockiert die Schließung und ordnete an, Trumps Namen wieder von der Mauer sowie aus E-Mails, Programmheften und so weiter verschwinden zu lassen. Denn den Namen und die Form des Kennedy Center könne nur der Kongress ändern, wie der Jurist feststellte.Die Mandatsträger hatten einst beschlossen, dass dieses Bauwerk aus Carrara-Marmor, Stahl und Beton 1964 zu Ehren des im Jahr zuvor ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy eingeweiht wurde. Es gab auch nach Ansicht des Richters Cooper keinen Grund, dem toten Demokraten diesen Maga-Republikaner vor die Nase zu setzen. Noch dazu ist von Trumps Liebe zur Kunst vornehmlich bekannt, dass ihm ein paar Musicals und die Kitschhymne „God bless the USA“ von Lee Greenwood gefällt und gerne zum Lied YMCA von Village People herum wackelt.Die demokratische Abgeordnete Joyce Beatty aus Ohio postete zur Feier des Tages ein Video mit ihrer Version des Trump-Tanzes im hohen Foyer des Kennedy Center mit dem roten Teppich und den Flaggen. „Der heutige Sieg ist der Beginn der Rückgabe des Kennedy Centers an das amerikanische Volk“, teilte sie mit. „Die Rechtsstaatlichkeit hat gesiegt, und das ist ein Grund zum Feiern.“Der heutige Sieg ist der Beginn der Rückgabe des Kennedy Centers an das amerikanische Volk. Die Rechtsstaatlichkeit hat gesiegt, und das ist ein Grund zum Feiern.Joyce Beatty, demokratische Abgeordnete aus OhioZuschauer und Kamerateams fanden sich am Wochenende entsprechend zahlreich am Kennedy Center ein. „Gulf of Mexico“, stand auf dem Shirt eines Mannes – Trump nennt den Golf von Mexiko „Gulf of America“. Auf einem anderen Kleidungsstück war eine Huldigung an den abgesetzten Talkmaster Stephen Colbert zu lesen. Eine Frau erinnerte daran, dass dies „die nationale Gedenkstätte für John F. Kennedy“ sei.Unklar ist, wie es weitergeht mit dieser ehemaligen Bastion der KünsteEine Frau kam mit dem Rennrad vorbei und redete sich auf Anfrage schnell in Rage. Trump sei für sie „eine verdammte Schande für die Nation. Er beschmutzt unsere Demokratie, unsere Tradition der Bürgerrechte und die Rechtsstaatlichkeit, untergräbt das Gesetz und betrügt, wo immer er nur kann. Alles dreht sich um Geld und Betrug. Einfach alles an diesem Mann ist widerwärtig.“ Es machte sie noch wütender, dass der Rückbau in diesen Momenten noch nicht eindeutig zu erkennen war. „Das ist das Symbol. Alles wird vertuscht, damit wir es nicht sehen. Ein weiterer Skandal. Ich musste herkommen, um mich selbst davon zu überzeugen.“Am Samstag kamen einige Menschen vorbei, um zuzuschauen, wie das Kulturzentrum wieder umbenannt wird. ALEX WROBLEWSKI/AFPWie es weitergeht mit dieser ehemaligen Bastion der Künste, ist unklar. „Diejenigen, die der Illusion nachhängen, das Kennedy Center werde wieder zum Leben erwachen, sobald diese Buchstaben abgenommen würde, unterschätzen das Ausmaß und die Tiefe des Schadens, der in den letzten 16 Monaten angerichtet wurde“, zitiert die New York Times Cathleen O’Malley, die bis zu Trumps Übernahme am Programm mitgewirkt hatte.Trump hat den Ostflügel des Weißen Hauses abreißen lassen, um dort einen vergoldeten Ballsaal hinzustellen. Er will einen Triumphbogen in die Sichtachse vom Nationalfriedhof Arlington zum Lincoln Memorial hineinpflanzen. Am Kennedy Center wurde sein Umbau von Washington zumindest gebremst, aber das änderte natürlich nichts an seiner eigenwilligen Partylaune: Acht Lebensjahrzehnte Trump sollten an diesem Sonntag wie geplant mit Freistil-Kämpfen auf dem South Lawn begangen werden.