WM-Auftakt verpatzt: Die Schweizer dominieren, lassen zu viele Chancen aus und kassieren spät das 1:1Die Schweiz dominiert Katar bis zur Schlussviertelstunde. Dann schleichen sich Schludrigkeiten ein. Nach dem Penalty-Treffer von Breel Embolo werden die Schweizer genügsam und werden prompt bestraft.13.06.2026, 23.30 Uhr4 LeseminutenEnttäuscht: Die Schweizer nach dem späten Gegentor gegen Katar.ETER KLAUNZER / KEYSTONEWie spielt man gegen einen Bus? Es war die erwartete Geduldsprobe, welche die Schweizer gegen die deutlich unterlegene Auswahl von Katar zu bestehen hatten im ersten Auftritt an der WM. Am Ende bekamen die Schweizer in der Mittagshitze von San Francisco die Quittung für ihr Nachlassen in der zweiten Halbzeit und zahlten mit einem späten Gegentreffer des krassen Aussenseiters.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Vielleicht haben wir die Geduld verloren», sagte der Captain Granit Xhaka nach dem Match. «Wir sind erfahren genug, um das 1:0 zu halten und dieses Spiel gewinnen.» Xhaka sprach von der Disziplin, die am Ende gefehlt habe, «Wir müssen wieder auf den Boden kommen, wir sind weit davon entfernt, die beste WM aller Zeiten zu spielen.»Vor dem Match hatte es ein kleines Rätselraten gegeben, ob Yakin mit einer Dreier- oder Vierer-Abwehr das Spiel beginnen würde. In der am Ende souveränen Qualifikation spielten die Schweizer fast immer mit einer Viererabwehr. In den Testspielen im Frühling liess er gegen Norwegen, in der zweiten Halbzeit gegen Deutschland und nochmals gegen Jordanien die Dreier-Abwehr mit Denis Zakaria neben Manuel Akanji und Nico Elvedi ausprobieren.Gegen Katar kehrte Yakin zur Vierer-Formation zurück – allerdings mit Zakaria statt Silvan Widmer auf der rechten Position. Das Mittelfeld-Herz mit Granit Xhaka und Remo Freuler ergänzte Michel Aebischer, Ruben Vargas, Breel Embolo und Dan Ndoye bildeten die Angriffs-Reihe. Für Johan Manzambi, der zuletzt zwei Mal in der Startformation stand, gab es zunächst keinen Platz.Früher Schreckmoment für die SchweizWie sah das auf dem Platz aus? Hundert Sekunden, nachdem der Ball freigegeben war, leistete sich der sonst so stilsicher Akanji einen Fehler, der die Pläne von Murat Yakin und seinen Schweizern fast über den Haufen geworfen hätte – plötzlich tauchte Katars Angreifer Edmilson Junior alleine vor Gregor Kobel auf, doch der Schweizer Goalie parierte mit einigem Glück. Nach dem Schreckmoment bekamen die Schweizer das Spiel in den Griff.Sie nutzten das Feld in der ganzen Breite, Zakaria und Vargas bearbeiteten die Aussenbahnen und brachten so den massierten Abwehrblock Katars immer wieder in Bedrängnis. Dan Ndoye vergab zwei gute Gelegenheiten, bis Katars Goalie Mahmoud Abanada nach einer Viertelstunde Remo Freuler fällte – Breel Embolo traf sicher vom Penalty-Punkt. Es war Embolos 25. Goal für die Nationalmannschaft, schon im ersten WM-Spiel in Katar hatte der 29-Jährige das 1:0 erzielt.Die Schweizer bearbeiteten in der Folge den gegnerischen Strafraum, doch ein zweites Tor wollte nicht gelingen. Katars Goalie zeichnete sich mehrfach als bester Spieler seiner Mannschaft aus. Kurz vor der Pause musste auch Kobel ein zweites Mal eingreifen, als Edmilson zur zweiten Chance für Katar kam.Fussballspiele zur Mittagszeit sind gewöhnungsbedürftig, nicht nur für die Zuschauer, auch für die Spieler. Hatte es an der WM in Katar noch endlose Diskussionen über die Hitze-Belastung gegeben, fand nun der erste WM-Auftritt der Schweizer bei 35 Grad im offenen, schattenlosen Stadion statt. Es ist die Heimstätte der der American-Football-Franchise San Francisco 49ers, im Februar wurde zum zweiten Mal nach 2016 der Super Bowl ausgetragen. Die Arena mit über 70 000 Plätzen war nicht bis auf den letzten Platz gefüllt.In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel der Schweizer zäh, die Konsequenz vor dem Tor fehlte. Je länger das Spiel dauerte, desto fahriger wurde das Spiel. Die Schweizer schossen 25 Mal aufs Tor, gemäss xG-Wert hätten sie mehr als drei Tore erzielen müssen. In der Nachspielzeit mussten sie schliesslich den Ausgleich hinnehmen.Ein grosser Erfolg für den AussenseiterKatar ging als krasser Aussenseiter in den Match. «Mit zwölf Spielern antreten», sagte der Trainer Julien Lopetegui am Vorabend auf die Frage, wie sein Matchplan gegen die Schweiz aussehe. Die Schweiz sei «eine der besten Mannschaften dieser WM», lobte der Baske und unterstrich so die Rolle des Underdogs für sich und seine Mannschaft.Der 59-jährige Lopetegui, einst Trainer bei Real Madrid, Sevilla, West Ham United, Porto oder bis vor der WM 2018 Spaniens Nationalmannschaft, hatte im Oktober die Auswahl des fussballverrückten Mini-Staates über den Umweg gegen Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate unter die 48 WM-Teilnehmer geschmuggelt. Doch die Freude über die erste sportliche WM-Qualifikation war rasch verflogen. Der Iran-Krieg störte die Vorbereitung erheblich.Regelmässiges Training war unmöglich. Die Testspiele im März gegen Serbien und Argentinien konnten nicht stattfinden. In den letzten zehn Partien gelang Katar nur vier Tore, die Erneuerung der überalterten Mannschaft stockte. Insgesamt waren das schlechte Vorzeichen, um bei der zweiten WM-Teilnahme mehr zu erreichen als vor dreieinhalb Jahren. Damals war Katar als WM-Gastgeber chancenlos: Null Punkte, 1:7 Tore. Gegen die Schweiz holten sie nun den ersten Punkt an einer WM.Bereits am Freitag teilten sich Kanada und Bosnien-Herzegowina beim 1:1 die Punkte. Die Schweizer haben immer die Möglichkeit, den Gruppensieg zu erreichen. In Toronto hatte die Auswahl des Ko-Gastgebers ohne ihren Star Alphonso Davies lange Mühe, ins Spiel zu finden. Bosnien-Herzegowina, das seinerseits ohne den rekonvaleszenten Captain Edin Dzeko antreten musste, erwies sich als defensiv kompakte Mannschaft, die weiss, wie man das Herz auf dem Platz lässt.Bosnien ist der nächste Gegner der Schweizer. Am Donnerstag dürfte Yakin und seine Mannschaft in Los Angeles auf mehr Widerstand treffen als gegen die schwache Auswahl aus der Wüste. Die Schweizer müssen sich steigern, wenn sie weiter von der «besten WM aller Zeiten» sprechen wollen.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel