Die Schlangen sind gigantisch. Trotz des durchwachsenen Wetters ist der Ansturm am ersten Publikumstag der Internationalen Luft- und Raumfahrt-Ausstellung ILA groß. Zehntausende haben sich hierher durchgequält, in die Nähe des Ortes Selchow am Westende des Hauptstadtflughafens BER. Sie kamen mit Schienenersatzverkehr-Bussen, weil die S-Bahn Berlin es für eine gute Idee hielt, ausgerechnet jetzt ihre Strecken im Südosten wegen Bauarbeiten zu unterbrechen. Entsprechend mit Autos verstopft sind die Straßen, die zur ILA führen. Trotz aller Widrigkeiten: Die ILA wollen sich viele Menschen nicht nehmen lassen. Daran ändert auch die kleine Demo von Friedensbewegten am Haupteingang nichts. Die Tickets für diesen Sonnabend waren schon nach kurzer Zeit ausverkauft. Auf der alle zwei Jahre stattfindenden Messe präsentieren sich seit vergangenem Mittwoch 750 Aussteller aus 37 Ländern aus den Bereichen Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung. Etliche Geschäftsabschlüsse, strategische Kooperationen und neue Partnerschaften wurden nach Angaben der Veranstalter – dem Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie und der Messe Berlin – während der drei Fachbesuchertage getätigt.

Jetzt aber kommen die Würstchen-, die Cola und die Souvenirverkäufer auf ihre immensen Kosten. Denn das Gelände ist nicht mehr nur von Herren in Anzügen und Uniformträgern bevölkert, sondern von Familien und von Flugzeug-Enthusiasten.Und auch am Publikumstag sind viele Uniformen der Bundeswehr zu sehen. Denn das Thema der Ausstellung, die der Luft- und Raumfahrt gewidmet ist, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier eine der wichtigsten Rüstungsmessen Europas stattfindet. Gleich am Eingang steht das Karrierecenter der Bundeswehr. Und auch auf der Ausstellungsfläche, wo die großen Flugexponate stehen, können sich junge Leute für ein Leben in der Armee begeistern lassen. Freundliche Soldaten in Tarnfleck-Look plaudern mit Jugendlichen und legen ihnen die Karrieremöglichkeiten dar und was ein Studium über die Bundeswehr für Vorteile hat: „2300 Euro monatlich gleich im ersten Semester, dazu mehrere Hundert Euro Zuschuss zur Wohnung, Zugfahrt umsonst, wenn man in Uniform fährt“, schwärmt einer der Uniformierten einem blonden Jüngling vor.