«Falls sie den Schaumstoff anbrennen, brennt das Constel»: Wie Jessica Moretti bereits 2019 vor einer Katastrophe warnteNeue Ermittlungsakten zitieren belastende Whatsapp-Nachrichten der Barbetreiber von Crans-Montana. Jacques Moretti forderte offensichtlich die Blockade eines Notausgangs.Matthias Sander13.06.2026, 17.23 Uhr3 LeseminutenJacques (links) und Jessica Moretti wurden Anfang Juni von der Walliser Staatsanwaltschaft mit brisanten Whatsapp-Nachrichten konfrontiert.Jean-Christophe Bott/KeystoneIm Dezember 2019, sechs Jahre vor der Brandkatastrophe von Crans-Montana, schrieb die Barbetreiberin Jessica Moretti eine Nachricht an ihr Personal: Wenn Gäste brennende Funkenfontänen wollten – wie sie in der Bar «Le Constellation» regelmässig mit Champagner-Flaschen serviert wurden –, dann solle das Personal sehr aufpassen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Bleibt, bis die Funkenfontäne erlöscht (...)», schrieb Moretti in der Whatsapp-Gruppe weiter. «Denn falls sie fällt, auf das Sofa oder den Boden», oder falls Gäste die Funkenfontäne «hochhalten und den Schaumstoff an der Decke anbrennen, dann brennt das Constel...». Letzteres ist die umgangssprachliche Bezeichnung des «Constellation».Mit dieser Nachricht konfrontierte die Walliser Staatsanwaltschaft am 5. Juni Jessica und Jacques Moretti, wie die NZZ damals bereits meldete. Nun zeigt das Protokoll dieser Doppel-Einvernahme, über das Westschweizer Medien am Freitag zuerst berichteten, den exakten Wortlaut der brisanten Nachricht. Ausserdem dokumentiert das Protokoll neue Widersprüche in den Aussagen der beiden Barbetreiber.Jessica Moretti sei sich keiner Gefahr bewusst gewesenSo beteuert Jessica Moretti in der ganztägigen Einvernahme mehrfach, dass sie und ihr Ehemann sich keiner Gefahr bewusst gewesen seien. Das sagt sie auch noch nach der Präsentation der Whatsapp-Nachricht. An die Anweisung erinnere sie sich nicht, sagt Jessica Moretti, der Text sei in ihren Augen humorvoll und nicht wörtlich zu verstehen.Mindestens eine Person in der Whatsapp-Gruppe allerdings verstand Jessica Morettis Warnung offensichtlich wörtlich. «Wir werden aufpassen, machen Sie sich keine Sorgen», antwortete die Person. Wem die entsprechende Telefonnummer gehörte, ist unklar.In einer anderen Nachricht warnte Jacques Moretti im Jahr 2022 in einer Whatsapp-Gruppe vor elektronischen Zigaretten. «Sie dürfen nicht brennen», schrieb er, wegen des «Brandrisikos» und um «das Mobiliar zu schützen». Damit von der Staatsanwaltschaft konfrontiert, antwortet Jacques Moretti, dass es sich um eine normale Vorsichtsmassnahme gehandelt habe.Allerdings glaubt die Staatsanwaltschaft den Morettis offensichtlich nicht. Die Version der Barbetreiber erscheine angesichts der Whatsapp-Nachrichten «wenig wahrscheinlich», sagt eine Staatsanwältin in der Einvernahme. Wahrscheinlicher sei, dass das Paar über das «Risiko Bescheid wusste», das Wärmequellen wie Feuerfontänen im Zusammenhang mit der Schaumstoffdecke darstellten.Jacques Moretti fragt nach blockiertem NotausgangEine weitere Whatsapp-Nachricht belastet insbesondere Jacques Moretti. Er erkundigte sich im Jahr 2021 in einer Chatgruppe, ob ein Notausgang gegenüber den Toiletten «immer noch blockiert» sei.Dabei kann es sich nur um den Notausgang im Untergeschoss des «Constellation» handeln, der in der Silvesternacht durch einen Stuhl blockiert war. Offenbar kannten zum Zeitpunkt der Brandkatastrophe nicht einmal langjährige Mitarbeiter der Bar diesen Ausgang. Denn alle Personen im Untergeschoss versuchten über die enge Treppe ins Erdgeschoss zu flüchten.Auf die Frage von Jacques Moretti in der Whatsapp-Gruppe bestätigte eine Person (offenbar ein Mitarbeiter), dass der Notausgang weiterhin blockiert sei: «Wir lassen die Türen nicht offen!» Moretti antwortete mit einem gestreckten Daumen.In der Silvesternacht war nicht nur der Notausgang im Untergeschoss blockiert, sondern auch eine Tür im Erdgeschoss. Sie sollte laut einem Gemeinde-Dokument ebenfalls als Notausgang dienen, wird von den Morettis jedoch konstant als «Service-Tür» bezeichnet. Hinter dieser Tür wurden mehrere leblose Körper gefunden.Laut einem Sicherheitsmann, der im «Constellation» arbeitete, soll Jessica Moretti in der Silvesternacht die Blockade der Türen angeordnet haben, um unerlaubten Zutritt zu verhindern. Die Morettis bestreiten das.Passend zum Artikel
"Falls sie den Schaumstoff anbrennen, brennt das Constel": Jessica Moretti warnte bereits 2019
Neue Ermittlungsakten zitieren belastende Whatsapp-Nachrichten der Barbetreiber von Crans-Montana. Jacques Moretti forderte offensichtlich die Blockade eines Notausgangs.
Jessica Moretti warnte 2019 vor Champagner-Fontänen, die die Schaumstoff-Decke anzünden könnten; Jacques Moretti fragte 2021 nach einem blockierten Notausgang. Die Staatsanwaltschaft wirft bewusste Fahrlässigkeit bei Brand- und Flucht-Risiken vor; WhatsApp-Chats belegen bekannte Sicherheitsmängel.









