Brigadegeneral a. D. Erich Vad zählt zu den prominentesten Kritikern der deutschen Ukraine-Politik. Im Interview mit dieser Zeitung spricht der ehemalige militärische Berater von Angela Merkel über die Gefahr einer Eskalation des Ukraine-Kriegs, die Rolle der Nato-Osterweiterung, fehlende Diplomatie und die Frage, warum Europa aus seiner Sicht außenpolitisch die strategische Initiative verloren hat. Anlass des Gesprächs ist sein gemeinsam mit Klaus von Dohnanyi veröffentlichtes Buch „Frieden – Wie geht das?“.

Herr Vad, die Welt erlebt seit Jahren eine Zunahme geopolitischer Konflikte und Kriege. Haben wir als internationale Gemeinschaft den Frieden verlernt?Ja, das ist eine gute Frage. Wir befassen uns sehr viel mit Krieg, mit Waffenlieferungen, und wir setzen auch auf den Erfolg militärischer Macht. Das gilt für den Ukraine-Krieg genauso wie für den Krieg im Iran. Aber es ist doch erkennbar, dass es ohne begleitende, ergänzende Diplomatie, ohne Verhandlungen nicht geht – und dass es sowohl im Iran als auch in der Ukraine keine rein militärische Lösung geben kann.

Anne Schönharting/Ostkreuz

Zur Person

Erich Vad ist promovierter Historiker und Brigadegeneral a. D. der Bundeswehr. Von 2006 bis 2013 war er Gruppenleiter im Bundeskanzleramt, Sekretär des Bundessicherheitsrates sowie militärpolitischer Berater der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Heute arbeitet er als Publizist, Autor und sicherheitspolitischer Experte. Zu seinen bekanntesten Büchern zählen die Bestseller „Ernstfall für Deutschland – Ein Handbuch gegen den Krieg“ sowie „Krieg oder Frieden – Deutschland vor der Entscheidung“. Gemeinsam mit Klaus von Dohnanyi veröffentlichte er zuletzt das Buch „Frieden – Wie geht das?“.