Viele Jahre hat Dietmar Holzapfel für die Rückkehr des Königs gekämpft. Nun, am Ziel angekommen, stehen neben ihm auf der Bastion der Corneliusbrücke sogar zwei Regenten. Zumindest sieht sich Markus Söder (CSU) selbst in royaler Tradition, wenn er mit Blick auf Ludwig II. betont, dass er als Ministerpräsident ja quasi „das ist, was er früher war“. Dabei soll an diesem Vormittag eigentlich jener Machthaber im Mittelpunkt stehen, der vor exakt 140 Jahren unter mysteriösen Umständen im Starnberger See ertrunken ist: Ludwig II. von Bayern, sogenannter Märchenkönig, Erbauer von Neuschwanstein, Herrenchiemsee und Linderhof, zu dessen Ehren an diesem Samstag auf der Isarbrücke ein Denkmal enthüllt wird.Wobei Dietmar Holzapfel lieber von einer „romantischen Ruine“ spricht. Und die wiederum – das betont Söder in seiner Rede ebenso wie Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) – gäbe es nicht ohne den Wirt der „Deutschen Eiche“, ein Traditionsbetrieb im Glockenbachviertel und einer der ältesten Treffpunkte der homosexuellen Szene in München.SZ Good News:Gute Nachrichten aus München – jetzt auf Whatsapp abonnierenMehr positive Neuigkeiten im Alltag: Die Süddeutsche Zeitung verbreitet jeden Tag auf Whatsapp ausschließlich schöne und heitere Nachrichten aus München und der Region. So können Sie ihn abonnieren.Denn Dietmar Holzapfel war es, der 2014 zum 150. Geburtstag seines Hotelrestaurants auf die Idee kam, 150 000 Euro für ein Denkmal des „Kini“ auf der Corneliusbrücke zu stiften. Dort also, wo früher eine gut drei Meter hohe Bronzestatue des Regenten thronte, bis diese 1942 von den Nazis eingeschmolzen wurde, um daraus Waffen herzustellen. Als einziges Königsdenkmal in München sei das von Ludwig II. damals vom Sockel geholt worden, sagt Holzapfel. „Das sagt ja schon vieles.“Der Wirt jedenfalls – er ist selbst ein glühender Verehrer des Kini – gründete vor gut zehn Jahren den Verein „Ludwig II. Denkmal“, sammelte mit diesem mehr als 220 000 Euro an Spenden und kämpfte nimmermüde für eine Rückkehr des Königs, auch gegen Widerstand. „Die zurückliegenden Jahre waren durchaus nicht immer motivierend“, sagt Holzapfel am Tag der Enthüllung. Und er betont, dass das Denkmal ausschließlich aus privaten Mitteln finanziert worden sei, ohne staatliche Zuschüsse.Dietmar Holzapfel (von vorne nach hinten), Markus Söder und Verena Dietl vor dem neuen Denkmal. Stephan RumpfViele Interessierte kommen zur Einweihung der „romantischen Ruine“, die Neues mit Altem vereint. Stephan RumpfDessen ungeachtet ist die Politik an diesem Tag prominent vertreten. „Ludwig II. steht ganz besonders für Bayern, weil er Gefühl und Technik verbindet, Tradition und Fortschritt“, sagt Ministerpräsident Söder. Derweil erinnert Verena Dietl daran, dass der Märchenkönig gerade für die queere Community eine wichtige Figur sei. Und sie gibt sich überzeugt, dass das neue Denkmal zu einem „Foto-Hotspot“ in München werden wird.Tatsächlich ist das zuletzt reichlich verwahrloste Areal auf der Bastion der Corneliusbrücke im Zuge der Arbeiten umfassend aufgehübscht worden. Auf einem sattgrünen Rasen stehen nun als Sitzgelegenheiten mehrere Steinfragmente des alten Ludwig-Denkmals, das von Ferdinand von Miller geschaffen und 1910 errichtet wurde. Im Zentrum des neuen Denkmals thront inmitten eines Rosenbeets und auf dem historischen Sockel von einst in fast drei Metern Höhe eine Büste des Märchenkönigs, die von den Bildhauern Toni Preis und Olaf Herzog sowie dem Erzgießer Marc-Andreas Hofmeister gefertigt wurde – nach dem Vorbild der früheren Statue. „Ludwig II. hätte dieser Ort sehr gut gefallen“, sagt Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer. „Er hatte etwas übrig für Romantik. Und ich kenne kaum einen romantischeren Ort in München.“Derweil räumt Dietmar Holzapfel ein, dass seine Mitstreiter und er sich „mehr gewünscht hätten, um diesen besonderen Ort zu einer romantischen Perle Münchens zu machen“. Zwar habe ihr Verein erreicht, dass der Untersberger Marmor der Originalsteine imprägniert worden und dadurch leichter zu reinigen sei. Ihr Wunsch nach einer Beleuchtung oder Videoüberwachung als zusätzlichem Schutz vor Schmierereien sei jedoch abgelehnt worden, so Holzapfel. „Aber vielleicht hilft Bürgerprotest für eine Nachrüstung. Wir würden uns freuen, wenn die starke Annahme des Ortes durch die Bevölkerung vor Vandalismus schützt.“