Die Kommandozentrale in einem Kleinlastwagen mit dem berühmten Stern auf der Haube gibt den Abschussbefehl für Drohnen, die von einem Mercedes-Geländewagen aus starten, feindliche Fluggeräte ansteuern, rammen und zerstören. Genau dieses Konzept und die dazugehörigen Prototypen stellt der baden-württembergische Autohersteller von Montag an gemeinsam mit dem auf Drohnenabwehrsysteme spezialisierten Münchner Start-up Tytan auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris vor.Mit der Kooperation „bündeln wir unsere jeweiligen Stärken: Mercedes steht für robuste und verlässliche Basisfahrzeuge, Tytan für hochspezialisierte Kompetenz in den Bereichen Drohnen-, Sensor- und Missionstechnologie“, sagte Mercedes-Produktionsvorstand Michael Schiebe am Mittwoch auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA in Berlin.Die Entwicklung eines Drohnenabwehrsystems fällt in eine Zeit, in der auch Mercedes sein Verteidigungsgeschäft ausbaut. „Die Welt ist unberechenbarer geworden, und ich denke, es ist absolut klar, dass Europa sein Verteidigungsprofil stärken muss“, sagte Mercedes-Chef Ola Källenius vor wenigen Tagen in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“. „Sollten wir dabei in der Lage sein, eine positive Rolle zu spielen, wären wir bereit, dies zu tun.“ Noch ist es ein Nischengeschäft für den Autohersteller, der Umsatzanteil liegt bei etwa einem Prozent, aber es könnte sich um „eine wachsende Nische handeln, die auch zu unseren Ergebnissen beitragen könnte“, sagte Källenius weiter.„Wir wollen unseren Beitrag leisten“Deutlicher äußerte sich Produktionsvorstand Schiebe auf der ILA in Berlin. „Sicherheit und Freiheit sind die Grundlagen unserer Gesellschaft. Sie zu schützen, ist eine gemeinsame Aufgabe. Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten“, sagt er mit Blick auf neue Einsatzfelder für Fahrzeuge von Mercedes, die „vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen und der geopolitischen Lage entstehen“. Ein Beispiel sei die Partnerschaft mit Tytan.Bei dem Abwehrsystem „Drone Defender“ von Tytan und Mercedes spielt die bekannte G-Klasse des Autoherstellers eine Schlüsselrolle. Der mit einem Radarmast und Startboxen ausgestattete Geländewagen bietet die Plattform, von der aus die Soldaten in der Kommandozentrale des Kleintransporters Sprinter die Drohnen abschießen. Auf der Eurosatory sind nun Prototypen von Sprinter und G-Klasse mit ihren Waffensystemen erstmals als Verband zu sehen.In erster Linie soll das von Tytan und Mercedes entwickelte System, zu dem der thüringische Zulieferer Binz die Aufbauten beisteuert, Flughäfen, Sportstadien, Volksfeste, aber auch Bundeswehr-Kasernen, Kraftwerke und Umschaltwerke schützen. „Die Bedrohungslage ist real, jeden Tag erleben wir Überflüge über deutsche und europäische kritische Infrastruktur. Agilität und Interoperabilität sind keine Wünsche mehr, sie sind Notwendigkeiten“, sagt Tytan-Chef Balázs Nagy. Perspektivisch sind aber auch Kriegseinsätze denkbar.Auch der Wolf 2 ist auf der Pariser Rüstungsmesse zu sehenMercedes präsentiert in Paris allerdings nicht nur die Pläne zur Drohnenabwehr, auch der militärische Geländewagen Wolf 2 ist auf der Messe zu sehen. Auch wenn das Fahrzeug auf der G-Klasse basiert, hat es fast gar nichts mit den oft silbern glänzenden Luxuskarossen zu tun, die auf den Straßen in aller Welt unterwegs sind. In den Produktionshallen von Mercedes schluckt die olivbraune Lackierung das Deckenlicht fast ganz. Die Scheinwerfer sind vergittert, an der Haube Halterungen für große Antennen, ein unförmiger Rüssel stellt sicher, dass der Motor ausreichend Luft bekommt, auch wenn der Geländewagen durchs Wasser fährt. Auf dem Dach Sandbretter für den Wüsteneinsatz, im Inneren ein geschützter Notfallknopf, der sicherstellen soll, dass das Fahrzeug die Soldaten auch bei Motorproblemen aus dem feindlichen Geschützfeuer fährt.Im Juli 2024 hat die Bundeswehr in einer Rahmenvereinbarung bis zu 5800 Modelle des Wolf 2 bestellt. Die Auslieferung der ersten 1500 Fahrzeuge läuft. Das gesamte Auftragsvolumen beläuft sich auf 1,3 Milliarden Euro. Neben dem Sprinter und der G-Klasse baut Mercedes im Verteidigungsgeschäft militärische Versionen des Transporters Vito und G-Klasse-Fahrgestelle, die Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall mit Waffensystemen ausstatten.G-Klasse schon seit der Einführung auch militärisch genutztNeu ist Mercedes im Rüstungsgeschäft nicht. Bereits bei ihrer Markteinführung 1979 war die G-Klasse nicht nur für die zivile Nutzung, sondern auch für militärische Anwendungen konzipiert. Bei der Bundeswehr ist sie als Wolf 1 seit 1993 im Einsatz. Zudem hat der Daimler-Konzern schon vor der Aufspaltung in Mercedes und den Nutzfahrzeugbauer Daimler Truck auch militärische Lastwagen produziert. Mercedes ist weiterhin der größte Anteilseigner des Herstellers Daimler Truck, der unter anderem die militärischen Lastwagen Arocs und Zetros sowie den Unimog im Angebot hat.Gerade hat Litauen militärische Fahrzeuge bei Mercedes und Daimler Truck bestellt. Die Streitkräfte des baltischen Landes werden Geländewagen und Lastwagen im Wert von rund einer Milliarde Euro kaufen. Dem Vernehmen nach fallen rund 90 Prozent des Auftragsvolumens auf Daimler Truck.Die Fahrzeuge der G-Klasse und des Unimog sowie der Lastwagen Zetros und Arocs sollen zwischen 2026 und 2032 ausgeliefert und zum Teil durch Rüstungskredite aus dem sogenannten Safe-Programm der EU finanziert werden. Nach Angaben des litauischen Verteidigungsministeriums von Dienstag gibt es eine unterschriebene Vereinbarung mit lokalen Vertretern der beiden Unternehmen. Weder Daimler Truck noch Mercedes wollten den Auftrag auf Anfrage der F.A.Z. kommentieren.Nicht kommentieren wollte Mercedes auch die Möglichkeit, dass das Unternehmen an seinem Standort in Ludwigsfelde künftig gemeinsam mit dem Panzerhersteller KNDS den Radpanzer Boxer herstellt. Zurzeit produziert das Unternehmen in dem Werk südlich von Berlin den Sprinter, Mercedes will diese Produktion aber von 2030 an ins polnische Jawor verlagern. „Mercedes bemüht sich, Alternativen zu finden. Eine davon könnte sein, dass sich ein Unternehmen aus der Rüstungsindustrie ansiedelt“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke am Donnerstag in einem Interview mit der „Sächsischen Zeitung“. „Aber es ist noch nichts in Sack und Tüten.“
Mercedes baut G-Klasse zur Drohnen-Abschussrampe um
Der Hersteller von Luxusautos will sein Verteidigungsgeschäft ausbauen. Die mit Tytan geplante Drohnenabwehr soll der Anfang sein. Auf der Eurosatory in Paris ist das System erstmals komplett zu sehen.
Mercedes und Tytan präsentieren Anti-Drohnen-System auf G-Klasse-Basis; Bundeswehr bestellt 5800 Wolf-2 für 1,3 Milliarden Euro. Militär-Geschäft (aktuell 1% Umsatz) wird zur wachsenden Nische; Signal: OEM integrieren Defence-Technologie in kritische Infrastruktur.










