PfadnavigationHomeReiseFernreisenCity-Hopping in ChileWarum Santiago und Valparaíso als Doppel-Städtetrip eine ziemlich gute Idee sindVon Frank RumpfStand: 07:45 UhrLesedauer: 7 MinutenEine etwas andere Stadtrundfahrt: Santiago de Chile lässt sich gut auch per Seilbahn erkundenQuelle: Tomas Hubatka/picture alliance/VisuallyBeide Städte, gerade mal gut 100 Kilometer voneinander entfernt, sind nicht gerade Touristenmagneten. Warum nur? Gründe für einen Besuch gibt es für beide zuhauf – sehr unterschiedliche. Und das hat nicht nur mit der Lage zu tun – Santiago an den Anden, Valparaíso am Pazifik.Es wäre ein Fehler, Chiles Hauptstadt nur als Durchreisestation für Fahrten in die Weite Patagoniens oder in die Atacama-Wüste zu betrachten. Auch wenn Santiago nicht den legendären Ruf von Rio de Janeiro oder Buenos Aires besitzt, ist es eine der abwechslungsreichsten und sichersten Metropolen Südamerikas. Ein paar Tage Aufenthalt bieten zudem die Möglichkeit, gleich noch die zweite große Stadt Chiles zu besichtigen: Valparaíso liegt kaum zwei Stunden über die gut ausgebaute Autobahn 68 entfernt.Beide Städte könnten kaum unterschiedlicher sein und vermitteln als Doppelpack einen guten Eindruck von Geschichte und Kultur des langgestreckten Landes am Pazifik. In Santiagos Metropolregion leben fast sieben Millionen Menschen. Es ist eine moderne Großstadt mit breiten Straßen, Schluchten aus gläsernen Bürohäusern, glitzernden Einkaufsmalls und dem höchsten Wolkenkratzer Südamerikas.An der palmenbestandenen Plaza de Armas und im Regierungsviertel mit dem Präsidentenpalast La Moneda schlägt das historische Herz der Stadt. Hier stehen die große Kathedrale und das lohnende Museo Chileno de Arte Precolombino mit Kunst der Ureinwohner. Es gibt elegante Ladenpassagen und Fußgängerzonen, in denen die Chinchineros aufspielen: Trommler, die sich wie im Rausch im Kreis drehen und dazu die Pauke und das Becken auf dem Rücken schlagen.Nur wenige Metrostationen weiter beginnt das vertikale Santiago. Alles überragt im Stadtteil Providencia der 300 Meter hohe Gran Torre Santiago, in dem sich die schneebedeckten Anden spiegeln. Wenn man von der Besucheretage im 62. Stock über die Stadt blickt, sieht man Hunderte Hochhäuser – eine vom Menschen geschaffene Wüste aus Glas und Stein.Wirtschaftswachstum nach der MilitärdiktaturNach dem Ende der von den USA unterstützten Militärdiktatur unter Augusto Pinochet erlebte Chile über Jahrzehnte hinweg ein starkes Wirtschaftswachstum. Das basiert zu großen Teilen auf den reichen Bodenschätzen, vor allem Kupfer und Lithium. Auch der Finanz- und Bankensektor ist stark vertreten. Das hat Geschäftsleute aus aller Welt ins Land gebracht, darunter Chinesen, US-Amerikaner, Japaner, Südkoreaner, Brasilianer und auch Deutsche.Lesen Sie auchDie Modernisierung hat dazu geführt, dass nicht nur Bürogebäude entstanden sind, sondern auch Luxusmalls, Fünf-Sterne-Hotels und eine Restaurantszene, die sich sehen lassen kann. Zu empfehlen sind etwa „Demencia“, das moderne chilenische Küche und originelle Cocktails in einem Zirkuszelt serviert, oder als Ausflug in die vorspanische Zeit das kleine Restaurant „Peumayén Ancestral Food“ im Stadtteil Bellavista mit einem schattigen Innenhof.Trotz der vielseitigen gehobenen Gastronomie ist die große Leidenschaft der Stadt allerdings ein einfacher Imbiss: Hotdogs. Wer einen „Completo“ bestellt, bekommt das Würstchen auf chilenische Art mit Avocado, Tomaten, Sauerkraut und Soße. Angeblich brachte ihn in den 1920er-Jahren ein junger Einwanderer aus den USA mit.Pisco Sour zur VölkerverständigungMit seinen Bars und Restaurants hinter alten Fassaden ist Bellavista das Ausgehviertel der Stadt. Nach Einbruch der Dämmerung bevölkern es einheimische Studenten ebenso wie Touristen. Auch tagsüber lohnt sich der Besuch. Eine historische Standseilbahn, der Funicular, führt auf den Hausberg Cerro San Cristóbal, dessen Gipfel eine große Marienstatue ziert. Am Fuß der Bahn steht La Chascona, das verschachtelte, in den Hang gebaute Wohnhaus des bekanntesten Dichters des Landes, Pablo Neruda. Er war Nobelpreisträger, Senator und Botschafter seines Landes, aber auch ein echter Lebemann.Noch immer ist der Esstisch im Erdgeschoss gedeckt, als erwarte der 1973 verstorbene Schriftsteller jeden Moment Gäste. Mehrere Bars sind im Haus verteilt, dazu Sofas, Kamine, Kunst; von vielen Fenstern aus eröffnen sich raffinierte Ausblicke auf seine Heimatstadt.Nicht weit von der Plaza de Armas liegt mit Lastarria eines der lebendigsten und grünsten Viertel Santiagos. Mit seinen vielen Kunstgalerien, Boutiquen und Programmkinos wirkt es fast europäisch. Der Rundgang kann im Kulturzentrum GAM beginnen, das nach Chiles erster Nobelpreisträgerin, der Dichterin und Pädagogin Gabriela Mistral, benannt ist und zeitweise Sitz der Militärjunta war.Man kann dafür die Mittagszeit einplanen und anschließend Weinbars wie „Bocanáriz“ und die kleinen Restaurants der Umgebung erkunden, oder man kommt am Abend und probiert in den Kneipen die verschiedenen Varianten des Pisco Sour, eines Cocktails auf Traubenschnapsbasis, den sowohl Chilenen als auch Peruaner für sich beanspruchen. Die peruanische Version wird mit Eiweiß und Limette zubereitet, die chilenische ohne Ei und mit Zitrone. Völkerverständigend werden in Lastarria beide Varianten angeboten.Deutsche Spuren in ValparaísoDer Besuch von Valparaíso wirkt nach Santiago wie eine Reise in eine völlig andere Epoche. Ihren Höhepunkt erlebte die Hafenstadt im 19. Jahrhundert, als es den Panamakanal noch nicht gab und die Schiffe der großen Reedereien nach der Umrundung von Kap Horn hier Zwischenstation machten.So erklärt sich, dass zwei europäische Handelsnationen in der Stadt mit heute knapp 300.000 Einwohnern immer noch mit vielen Spuren präsent sind: Briten und Deutsche. Viktorianische Villen stehen neben wilhelminisch anmutenden Anwesen. Es gibt einen Bismarckplatz und eine Calle Bremen. Im Spritzenhaus der Feuerwehr parkt noch heute unter einem Kronleuchter ein Einsatzwagen aus Hamburg – eine Spende, die an die alten Verbindungen hanseatischer Kaufleute erinnert.Pablo Neruda begegnet man in Valparaíso ebenfalls. Hier besaß er sein schönstes Haus, La Sebastiana. Wie in Santiago ist es eine verschachtelte Angelegenheit über mehrere Etagen mit weiten Ausblicken auf die Hügel der Stadt.Alles steht noch so, wie Neruda es verlassen hat. Der „Wolkenstuhl“ im Wohnzimmer, von dem aus er Himmel und Hafen betrachtete, und das opulente Messingbett im obersten Stock mit vier Ananas als Pfostenbekrönung, das ihm dank eines großen Fensters als Ausguck auf den Sternenhimmel diente, dazu eine Flasche guten chilenischen Weins, den er sammelte. Von Hotdogs im Hause Neruda ist nichts überliefert.Fast wie in San FranciscoDie 42 Hügel, die Valparaíso in kleine Nachbarschaften zerschneiden, werden noch immer von historischen Seilbahnen erschlossen, die umgerechnet für ein paar Cent pro Fahrt knarrend und ruckelnd die steilen Hänge erklimmen. Wenn vormittags noch der Nebel vom Pazifik über den Dächern hängt, stellt sich fast ein San-Francisco-Gefühl ein.Hat er sich verzogen, sieht man, wie grün und bunt die Stadt ist. Fassaden in Gelb, Grün, Violett und Rot: Ein Nachbar treibt es mit seiner Farbenlust wilder als der nächste. Unzählige Graffiti übersäen Wände und Mauern. Das Barrio Puerto im alten Hafen, das frühere Rotlichtviertel, erlebt gerade eine vorsichtige Gentrifizierung. „Porto di Vino“ ist eines der Restaurants, die für diese neuen Zeiten stehen, mit einheimischen Gerichten und hervorragenden Weinen.Auf dem Rückweg nach Santiago kann das Thema Wein weiter vertieft werden. Unweit der Autobahn 68 sind einige der besten Winzer des Landes aktiv. Allen voran Casas del Bosque, eine der schönsten neuen Bodegas im Casablanca-Tal. Das Anwesen lässt sich gut per Fahrrad erkunden. Danach kehrt man in eines der Restaurants ein und probiert die hauseigenen Tropfen: Riesling oder Chardonnay, Malbec oder Cabernet Sauvignon. Lesen Sie auchDas Weingut ist die Leidenschaft einer Familie, die mit Kaufhäusern reich geworden ist und ihr Geld nun in die Produktion edler Tropfen steckt. Die Kosten für Anlagen und Architektur waren so hoch, dass frühestens im nächsten Jahrzehnt mit schwarzen Zahlen gerechnet wird. Die Aussicht vom Pavillon Casa Mirador über das Tal ist allerdings so schön, dass manchmal selbst Verluste wie eine geniale Investition wirken.Tipps und Informationen:Wie kommt man hin? Es gibt keine Nonstop-Flüge von Deutschland nach Santiago de Chile. Lufthansa bietet beispielsweise Verbindungen ab Frankfurt/Main in die chilenische Hauptstadt mit Umsteigen in Buenos Aires und Weiterflug mit Latam Airlines an, Iberia fliegt von diversen deutschen Flughäfen via Madrid.Wo wohnt man gut? „Hotel Boutique Castillo Rojo“ in Santiago, historisches Stadthotel im Stadtviertel Bellavista, direkt am Neruda-Haus, Doppelzimmer ab 80 Euro (castillorojohotel.com). „Hotel Palacio Astoreca“ in Valparaíso, zentral gelegen in einem charmanten Haus von 1923, Doppelzimmer ab 170 Euro (hotelpalacioastoreca.com).Aktivitäten: Kompetent geführte Tagestouren durch Valparaíso bietet Ecomapu, zum Beispiel eine halbtägige Stadterkundung mit diversen Seilbahnen von Cerro Artillería bis Cerro Barón ab umgerechnet 48 Euro (ecomapu.com). Das Weingut Casas del Bosque im Casablanca-Tal bietet verschiedene Touren und Weinverkostungen an sowie den Workshop „Winzer für einen Tag“ (casasdelbosque.cl).Weitere Infos: chile.travel/deDie Teilnahme an der Reise wurde unterstützt vom Fremdenverkehrsamt Chile. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter: go2.as/unabhaengigkeit
City-Hopping in Chile: Warum Sie Santiago und Valparaíso auf einer Reise unbedingt miteinander verbinden sollten - WELT
Beide Städte, gerade mal gut 100 Kilometer voneinander entfernt, sind nicht gerade Touristenmagneten. Warum nur? Gründe für einen Besuch gibt es für beide zuhauf – sehr unterschiedliche. Und das hat nicht nur mit der Lage zu tun – Santiago an den Anden, Valparaíso am Pazifik.














