Die neuesten EntwicklungenUSA im Konflikt mit Venezuela: Trump meldet Tötung von Chef der kriminellen Organisation Tren de AraguaDie Entführung von Nicolás Maduro durch das amerikanische Militär hat Venezuela in eine neue, unübersichtliche Phase gestürzt. In Caracas regiert nun Delcy Rodríguez, während Washington Ölpolitik, Sanktionen und Nachfolgeregelungen vermischt. Die wichtigsten Fragen und Antworten.NZZ-Redaktion13.06.2026, 07.22 Uhr5 LeseminutenAktualisiertPräsident Nicolás Maduro sitzt inzwischen in einem amerikanischen Gefängnis, doch von den Wänden in Caracas lacht noch sein Konterfei.Carlos Becerra / Getty Images South AmericaDie neuesten EntwicklungenDas US-Militär hat laut Angaben von Präsident Donald Trump den Anführer einer berüchtigten venezolanischen Gang getötet. Die Regierung in Venezuela habe den Angriff auf Niño Guerrero, den Chef der Bande Tren de Aragua, unterstützt, schrieb Trump am Freitag (13. 6.) auf seiner Plattform Truth Social. In seinem Post war auch ein Video zu sehen, das einen Luftangriff auf ein Haus zu zeigen scheint. Trumps Regierung hat Tren de Aragua als ausländische Terrororganisation eingestuft. Die venezolanische Gang ist in Drogenhandel, Schutzgelderpressung und Menschenhandel verwickelt. Mittlerweile ist sie auch in anderen lateinamerikanischen Ländern und den Vereinigten Staaten aktiv.Die USA haben Venezuelas geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez von ihrer Sanktionsliste gestrichen. Das ging am Mittwoch (1. 4.) aus einer aktualisierten Sanktionsliste des amerikanischen Finanzministeriums hervor. Gründe für die Entscheidung wurden zunächst nicht genannt. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund einer schrittweisen Lockerung der amerikanischen Sanktionen gegen Venezuela. Washington hatte zuletzt wieder umfangreiche Geschäfte mit dem staatlichen Ölkonzern PdVSA erlaubt und damit auf steigende Energiepreise und geopolitische Entwicklungen reagiert. Zudem hatten die USA kürzlich auch wieder den Handel mit venezolanischem Gold erlaubt. Beide Länder nahmen auch die diplomatischen Beziehungen wieder auf.Fast drei Monate nach seiner Gefangennahme durch amerikanische Spezialkräfte wird der abgesetzte venezolanische Präsident Nicolás Maduro am Donnerstag (26. 3.) zum zweiten Mal vor Gericht erwartet. Während seiner ersten Anhörung im Januar hatte sich der 63-Jährige vor dem Bundesgericht in New York zu den von den USA erhobenen Vorwürfen für «nicht schuldig» erklärt und im Gegenzug den Vereinigten Staaten vorgeworfen, ihn entführt zu haben. Der Termin am Donnerstag ist ebenfalls Teil des Vorverfahrens vor einem eigentlichen möglichen Prozess. Die USA haben Maduro unter anderem wegen des Vorwurfs des «Drogenterrorismus» angeklagt. Laut der Anklage soll er sein Amt dazu genutzt haben, um den Schmuggel von Tausenden von Tonnen Kokain in die USA zu ermöglichen. Dafür soll Maduro sich mit Drogenhändlern verbündet und selbst persönliche Vorteile daraus gezogen haben. Mitangeklagt ist seine Frau Cilia Flores. Auch sie sagte beim ersten Gerichtstermin, sie sei unschuldig.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.InhaltsverzeichnisWas ist am 3. Januar 2026 passiert?Wer regiert nun in Venezuela?Was macht die Opposition in Venezuela?Was war zuvor passiert?Wie sieht es mit völkerrechtlichen Aspekten aus?Was ist am 3. Januar 2026 passiert?In der Nacht auf den 3. Januar 2026 erschütterten Explosionen die venezolanische Hauptstadt Caracas. Amerikanische Spezialeinheiten nahmen den venezolanischen Staatspräsidenten Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores in ihrem Haus in Caracas fest. Während die USA von Strafverfolgung reden, sprechen das Regime in Caracas und viele Kritiker der Operation von Entführung und einem Souveränitätsbruch.Die amerikanische Militäraktion mit dem Namen «Operation Absolute Resolve» wurde spektakulär inszeniert. Der amerikanische Präsident Trump verfolgte die Aktion von seiner Villa in Florida aus und postete später ein Foto von Maduro im Jogginganzug in Handschellen an Bord eines Kriegsschiffes.Der amerikanische Präsident Trump verfolgte die Aktion von seiner Villa in Florida aus und postete später dieses Foto von Maduro.@realdonaldtrump/HandoutDas Paar wurde in die USA gebracht und dort vor Gericht gestellt. Wegen mutmasslicher Drogendelikte soll Maduro der Prozess gemacht werden. Er bestreitet die Vorwürfe und plädiert auf nicht schuldig. Er bezeichnet sich sinngemäss als weiterhin legitimen Präsidenten und als Gefangenen.Wer regiert nun in Venezuela?Die USA haben mit der Gefangennahme von Maduro im Grunde nur das bisherige Gesicht der dortigen Diktatur entfernt. Das alte Herrschaftssystem mit seinem Repressionsapparat ist weiterhin intakt.Derzeit ist Delcy Rodríguez, die unter Maduro Vizepräsidentin war, geschäftsführende Präsidentin. Sie wurde am 5. Januar vereidigt. Das Oberste Gericht ordnete an, dass sie die Funktionen des Präsidenten wegen Maduros erzwungener Abwesenheit ausübt, das Militär signalisierte Anerkennung.Rodríguez ist es bisher gelungen, das Regierungslager zusammenzuhalten und ihre eigene Position zu festigen. Gleichzeitig erfüllt sie zentrale Forderungen der USA: Die Regierung in Washington verhandelt direkt mit Rodríguez, insbesondere um die Erdölvorkommen des Landes. Ende Januar erklärte sich Rodríguez bereit, mit der Opposition zusammenzuarbeiten.Was macht die Opposition in Venezuela?Die Opposition wirkt gespalten. Es gibt jene, die rasche Wahlen und internationale Garantien verlangen, und jene, die primär die Freilassung politischer Gefangener und den Abbau von repressiven Strukturen in den Vordergrund stellen.Für die Trump-Regierung scheint ein wirklicher Regimewechsel in Venezuela keine Priorität zu haben. Es geht ihr vielmehr um die Erdölvorkommen. Trump diskreditierte die venezolanische Oppositionsführerin Machado mit den Worten, sie habe nicht die Unterstützung und den Respekt innerhalb Venezuelas. Bei einem Besuch Machados im Weissen Haus Mitte Januar, bei dem ihm Machado ihre Friedensnobelpreis-Medaille übergab, zeigte der US-Präsident ihr die kalte Schulter.Dabei hatte sich Machado jahrelang für eine militärische Intervention der USA in Venezuela eingesetzt.Dennoch bleibt Machado eine zentrale Figur in der Innenpolitik Venezuelas, deren Handlungsspielräume von Sicherheitsapparat, Medienkontrolle und möglichen Übergangsarrangements abhängen.Was war zuvor passiert?Die USA hatten bereits 2020 Maduro vorgeworfen, mit Drogenkartellen zu kollaborieren. Sie setzten damals ein Kopfgeld auf Maduro in Höhe von 15 Millionen Dollar aus, das im Januar 2025 auf 25 Millionen Dollar erhöht wurde.Seit September letzten Jahres intensivierten die USA eine maritime Operation, die offiziell als Anti-Drogen-Kampagne verkauft wurde. Immer wieder kam es zu Schlägen gegen mutmassliche Schmugglerboote. Die Opfer bezeichnet Trump pauschal als «Terroristen». Als Feindbild dient ihm auch die venezolanische Bande Tren de Aragua, die von der US-Regierung als Terrororganisation eingestuft wurde. Unklar bleibt jedoch in vielen Fällen, wer auf den getroffenen Booten tatsächlich war.Im Verlauf des Herbstes wurde immer klarer, dass das Vorgehen der USA wie eine Zwangsmassnahme gegen Caracas wirkte, also eine Mischung aus militärischem und wirtschaftlichem Druck, denn die Regierung in Washington nahm nun auch die venezolanische Staatsführung und deren Finanzierungsquellen ins Visier. Es ging nicht mehr allein um Strafverfolgung und Abschreckung. Es ging den USA um die Kontrolle über Zahlungsströme, Handelswege und die Bedingungen, unter denen Venezuela Erdöl exportieren und Devisen verdienen kann.Diese Vorgehensweise hat für Washington weitgehend funktioniert, wie sich in den Wochen nach Maduros Festsetzung zeigt: Caracas hat Ende Januar eine Reform verabschiedet, die den Erdölsektor für ausländische Investitionen öffnen soll.Wie sieht es mit völkerrechtlichen Aspekten aus?Völkerrechtlich stehen im Zentrum das Gewaltverbot der Uno-Charta und der Schutz staatlicher Souveränität. Aus Sicht vieler Regierungen und Uno-naher Stimmen war der Einsatz der USA am 3. Januar nicht bloss «Strafverfolgung», sondern eine militärische Gewaltanwendung auf fremdem Territorium inklusive Bombardierungen. Das sei grundsätzlich durch die Uno-Charta untersagt, sofern nicht eine eng begrenzte Ausnahme durch ein Uno-Mandat oder Selbstverteidigung greife. Uno-Experten des Hochkommissariats für Menschenrechte verurteilten die Operation als gefährlichen Präzedenzfall der «gewaltsamen Entführung» (forcible abduction) eines amtierenden Staatsoberhaupts. Nach verbreitetem Verständnis geniesst ein Staatsoberhaupt zumindest während der Amtszeit weitgehende persönliche Immunität gegenüber ausländischer Strafgerichtsbarkeit.Passend zum Artikel
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