Diese Woche trafen die Milliardenmanager in Berlin ihre Investoren bei der weltgrössten Konferenz der Beteiligungsbranche. Trotz der Exit-Flaute setzen sie auf Wachstumstrends, die auch für Aktienanleger relevant sind.13.06.2026, 05.30 Uhr8 LeseminutenVictor Khosla, Co-Gründer des Private-Equity-Anbieters Strategic Value Partners, am 10. Juni an der Konferenz Superreturn International in Berlin.Mark Böschen / The Market NZZDies ist ein Artikel aus dem digitalen Finanzmagazin «The Market NZZ».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der 68-jährige Victor Khosla richtete beim grössten Branchentreffen der Private-Equity-Manager in Berlin diese Woche eine Warnung an seine Zuhörer: «In den nächsten zwei Jahren kommt die Ebbe.» Der Gründer von Strategic Value Partners sieht eine ganze Reihe von Alarmsignalen für die Wirtschaft.Schon seit 2024 lägen die Ausfallraten für Private-Credit-Fonds bei 6 Prozent. Zum Vergleich: Während der Corona-Pandemie waren es sogar 9 Prozent, aber nur kurz. Dazu komme der Öl- und Gaspreisschock, der langsam die Wirtschaft erreiche. Die steigende Inflation und drohende Zinserhöhungen würden die Ausfallraten noch höher treiben. Der Tech-Sektor trägt das Wachstum in den USA derzeit weitgehend allein. «Die Realwirtschaft, also Wohnungsbau, Konsumgüterhersteller oder andere mit greifbaren Produkten, steckt bereits seit 2025 in der Rezession», sagt der Fondsmanager, dessen Fonds in der Hedge-Funds-Hochburg Greenwich an der amerikanischen Ostküste residiert.Khoslas Basisszenario ist, dass die USA insgesamt einen Abschwung vermeiden können, eben wegen der starken Investitionen in Tech. Aber es gebe ungewöhnlich hohe Risiken, dass Extremszenarien einträten. «Seien Sie sehr vorsichtig, falls wir doch in die Rezession geraten: Die Lage ist sehr fragil.»Die Beteiligungsbranche hat es diesmal auch erwischt. Sie leidet darunter, dass Private-Equity-Fonds die Unternehmen und die Immobilien in ihren Portfolios nicht wie gewünscht verkaufen können. Überhöhte Kaufpreise und erdrückende Schulden aus den Deals bis zur Zinswende 2022 sind die Gründe. «Die gesamte Alternative-Investment-Welt hat Verstopfung», spottet Khosla, der seit je stark auf notleidende Kredite und angeschlagene Firmen setzt.Dennoch verfügen die Private-Equity-Manager immer noch über reichlich Kapital, um Firmen zu kaufen oder Kredite zu vergeben. Die Trends und die Branchen, die sie identifiziert haben, sind meist auch für Aktienanleger relevant und attraktiv.«Geopolitischer Wandel, wie er nur alle hundert Jahre geschieht»Wo Investoren heute Geld verdienen können, wird stark durch das weltpolitische Umfeld bestimmt. «Wir erleben einen geopolitischen Wandel, wie er nur alle hundert Jahre geschieht», sagt Thomas Mucha, Geostratege bei Wellington Management in Boston. Die Zahl der Konflikte und die Zerbrechlichkeit der Institutionen seien beängstigend. Viele Regierungen würden gelähmt durch erstarrte Institutionen und hohe Staatsschulden. Daher könnten private Anleger laut Mucha einen besonders wichtigen Beitrag leisten und gute Renditen dabei erzielen. Der Bedarf an Sicherheit und Resilienz bei Technologie, Produktion, Energie und Rohstoffen erzeuge einen grossen Kapitalbedarf und einen langjährigen Investitionszyklus, wie auch «The Market NZZ» annimmt.Die grössten Opportunitäten für Investoren nach Wellington ManagementKünstliche Intelligenz, Rechenzentren und HalbleiterEnergiesicherheit, Rohstoffe und Sachwerte (Real Assets)Verteidigung: Ausbau der RüstungsindustrieDiese drei übergreifenden Themen wurden an der Konferenz auch von anderen Managern am häufigsten genannt. Sie zeigen sich bereits in den Portfolios der Private-Equity- und Private-Credit-Fonds. Dabei wählen die Grossanleger nicht immer den offensichtlichen Zugang, wie die folgende Übersicht über Investitionsstrategien zu den drei Grosstrends zeigt.InhaltsverzeichnisFinanzierer von KI und RechenzentrenKünstliche Intelligenz, aber auch SoftwareAlternative Stromversorger als risikoarme KI-WetteRüstung: Flugabwehr ist lukrativer als Schiffe und HelikopterFinanzierer von KI und RechenzentrenKünstliche Intelligenz sei «die Investmentstory unseres Lebens», sagt Blair Jacobson, Co-Präsident von Ares Management. Derzeit übersteige die Nachfrage nach Rechenzentren das Angebot deutlich.Beim Ausbau der KI-Infrastruktur werde es aber unterschiedliche Phasen geben und auch Verlierer, schränkt Jacobson ein. «Wir entwickeln viel Rechenkraft nahe den Metropolen, nicht in der Wüste, das ist wichtig.» Der Manager eines anderen US-Fonds, der nicht namentlich zitiert werden möchte, hält kleinere Rechenzentren nahe den urbanen Zentren gerade auch in Europa für aussichtsreicher, weil es bei vielen Anwendungen auf die Übertragungsgeschwindigkeit ankomme und Nähe daher wertvoll sei. Der Plan der deutschen Regierung für eine Gigafabrik sei dagegen weniger sinnvoll. «Bei grossen Rechenzentren kann Deutschland nicht mit den US-Tech-Konzernen mithalten», urteilt er.Christian Lucas von Silver Lake am 10. Juni in BerlinThe Market NZZDie grossen Fonds sind an vielen Deals beteiligt, um Rechenzentren und Chips zu finanzieren. Dazu gehören auch Zirkelgeschäfte, mit denen Chiphersteller über Zweckgesellschaften die Käufe ihrer grossen Kunden ermöglichen und einen Teil des Ausfallrisikos übernehmen. Erst diese Woche verkündeten Apollo und Blackstone eine Kreditfinanzierung von 35 Milliarden Dollar für Rechenzentren und Chips mit dem Halbleiterhersteller Broadcom und dem KI-Modellentwickler Anthropic.Der auf Technologie fokussierte Private-Equity-Anbieter Silver Lake aus dem kalifornischen Menlo Park setzt ebenfalls auf Rechenkraft. Er hat schon ab 2010 den Rechenzentrenentwickler Vantage aufgebaut. Am KI-Serverlieferanten und PC-Verkäufer Dell, den die Beteiligungsgesellschaft bereits 2013 für 25 Milliarden Dollar übernahm, hält sie immer noch mehr als 5 Prozent und profitiert so vom steilen Kursanstieg 2026. Dell und den Wettbewerber Hewlett Packard Enterprise hatte «The Market NZZ» bereits vor zwei Jahren vorgestellt.In KI-Modellentwickler investiert Silver Lake dagegen nicht in grossem Stil. Partner Christian Lucas erinnert an den Dotcom-Boom, in dem Netscape später von Google abgelöst wurde: «Es ist schwer, die Gewinner vorherzusagen.» Das gilt auch bei den Entwicklern der KI-Basismodelle.Künstliche Intelligenz, aber auch SoftwareAllerdings hat Silver Lake ein Viertel des Kapitals in Softwarefirmen angelegt. Dazu gehören der ehemalige MDAX-Titel Software AG, den Silver Lake 2023 von der Börse genommen hat, und die Beteiligung an Celonis aus München, die 2026 erstmals die Umsatzmilliarde anpeilt und mehrere Rechtsstreitigkeiten mit dem grossen Wettbewerber SAP ausficht.Am Aktienmarkt sind Softwareaktien wegen der Furcht vor übermächtiger Konkurrenz durch die KI-Modelle in den vergangenen zwölf Monaten teilweise mehr als 50 Prozent eingebrochen. «Nicht alle Softwareunternehmen sind gleich stark von KI betroffen», sagt Lucas von Silver Lake. «Wir werden eine Spaltung sehen, für einige wird es schmerzhaft.»Die KI werde einen Teil der Software ersetzen, aber nicht alles, sagt auch Arthur Brothag. Der Deutsche leitet die Abteilung Investor Relations and Strategy beim Private-Equity-Investor Apax. Besser geschützt sei Software für grundlegende Unternehmensprozesse (Systems of Record), mit tiefer Verankerung in den Firmenprozessen, vielen exklusiven Daten und starker Kundenbindung. Diese Auswahlkriterien passen für den DAX-Konzern SAP, aber auch für amerikanische Rivalen wie Salesforce. SAP hat nach Ansicht von «The Market NZZ» gute Chancen in der KI-Welt und ist derzeit günstig.Erweitern Sie Ihr NZZ-Abonnement um «The Market NZZ»Als NZZ-Kunde erhalten Sie «The Market NZZ» für 29.60 Euro statt 37 Euro im Monat. Testen Sie jetzt das flexible Angebot. Monatlich kündbar.Zum rabattierten Angebot für NZZ-AbonnentenViele Softwareunternehmen würden sich weiter bestens entwickeln, prophezeit auch Victor Khosla von Strategic Value Partners, fügt jedoch hinzu: «KI frisst Teile des Softwaregeschäfts.» Falls 25 Prozent der Softwaregesellschaften in Schwierigkeiten gerieten, könne ein Investor in notleidende Firmen wie er damit jedoch kein Geld verdienen. «Wenn Softwareunternehmen Probleme bekommen, wird mitunter das gesamte Geschäftsmodell zerstört. Die fallen über die Klippe», mahnt er. Das Fehlen von Substanz für den schlimmsten Fall macht antizyklische Investitionen in Softwaretitel riskanter als bei vielen anderen Branchen.Alternative Stromversorger als risikoarme KI-WetteApax-Manager Brothag sieht aber auch die Euphorie für KI kritisch. «In solche Megatrends fliesst viel Kapital, und viel davon verschwindet auch», mahnt er: «Es gibt zu viel Hype.» Bislang böten viele KI-Modellbetreiber ihre Dienste mit Verlust an.Steffen Meister, Verwaltungsratspräsident der Partners Group, am 10.6. an der Superreturn International in Berlin.The Market NZZDie kotierte Partners Group aus der Schweiz investiert vor allem in die Stromlieferung für Rechenzentren. «Energieversorger der nächsten Generation sind wahrscheinlich der sicherste Weg, um auf KI-Rechenzentren zu setzen», sagt Verwaltungsratspräsident Steffen Meister. Portfoliounternehmen der Partners Group entwickeln integrierte Energieplattformen für Erzeugung und Speicherung. Ende 2024 verkaufte sie den deutschen Erneuerbare-Energie-Versorger VSB für 2 Milliarden Euro an den Energiekonzern Total Energies.Für Aktieninvestoren bietet sich RWE an, die mit mehreren Tech-Konzernen langfristige Lieferverträge geschlossen hat. Erst am Donnerstagabend verkündete der DAX-Konzern den Abschluss eines neuen Stromabnahmevertrags mit der Facebook-Konzernmutter Meta, Laufzeit: zwanzig Jahre. Den Investment Case für RWE hat «The Market NZZ» kürzlich präsentiert.Zwischen den KI-Visionen und der Realität klaffen derzeit aber häufig noch grosse Lücken, zum Beispiel in der Medikamentenentwicklung. In seiner Präsentation sagte Meister eine Transformation der Pharmaforschung voraus: In acht Jahren werde KI nicht mehr nur beim Design von Proteinen helfen, sondern auch bei Medikamententests.Derzeit sei davon noch nichts erkennbar, sagt Nilesh Kumar, der die Biotech-Investitionen für die Private-Equity-Sparte von Wellington Management leitet: «Wir haben noch keine grosse Transformation durch KI bei der Medikamentenentwicklung gesehen.» Klinische Studien an Patienten liessen sich nicht durch KI ersetzen, sagt der ehemalige Venture-Investor bei der Novo-Stiftung und dem DAX-Konzern Merck.Rüstung: Flugabwehr ist lukrativer als Schiffe und HelikopterFabien Roualdes ist auf der grossen Branchenkonferenz in Berlin ein gefragter Gesprächspartner. «Jeder hier will mehr über Rüstung erfahren», sagt der Franzose, der für die kotierte Private-Equity-Gesellschaft Tikehau Capital in den Sektor investiert. «Es gibt bereits einige aufgeblähte Bewertungen, wir müssen Nischen finden.»Der Ingenieur und ehemalige Angestellte des Luftfahrtkonzerns Safran investiert vor allem in Zulieferer für Kampfjets, Drohnen und Flugabwehr. «Ein Flugzeug hat zwei Millionen Teile, es ist das grösste Puzzle der Welt», sagt Roualdes, der am Airbus-Standort Toulouse lebt. Die Zulieferer seien sehr fragmentiert mit 4000 Unternehmen in Europa, von Hardware über Elektronik bis zu Servicedienstleistern. Doch da es nur wenige Hersteller wie Airbus gebe, seien die Stückzahlen der Flugzeugmodelle gross, bis hin zu den mehr als 3000 Exemplaren des A320. Dieser Umstand mache das Zuliefergeschäft lukrativ.Das gilt insbesondere für die wegen der komplexen Produkte kaum ersetzbaren Turbinenhersteller und -zulieferer, die nach Kursrücksetzern teilweise günstiger zu kaufen sind, insbesondere die deutsche MTU Aero Engines. «The Market NZZ» hält auch Airbus für attraktiv.Marineausrüster sieht Roualdes dagegen deutlich im Nachteil. Es gebe ein Dutzend Marinewerften in Europa mit unterschiedlichen Schiffsmodellen, die sich zudem gegenseitig Konkurrenz machten bei Ausschreibungen ausländischer Seestreitkräfte.Helikopter meidet er ebenfalls. «Es gibt kaum etwas bei einem Hubschrauber, was eine Drohne nicht kann», konstatiert er. «Militärische Helikopter werden rasch disruptiert.»Kampfjets dagegen bleiben seiner Ansicht nach wichtig für die Verteidigung. Das Ende des deutsch-französischen Projekts FCAS sieht er «nicht als Scheitern, sondern als neues Kapitel». Die technischen Anforderungen der Staaten seien sehr unterschiedlich. «Es ist Platz für mehrere Kampfjetprogramme in Europa.» Die USA hätten auch mehrere Modelle, vom F-18 bis zum F-35.Grossen Bedarf erkennt er bei der Raketenabwehr. «Wir sind absurd unterversorgt mit Flugabwehrsystemen in Europa.» Tel Aviv sei stark geschützt, aber Paris und Berlin nicht. «Das ist sehr furchteinflössend.» Die Bestellung eines Systems der europäischen Hersteller Thales und Leonardo durch Dänemark sei erfreulich und hoffentlich der Beginn eines Trends.Hoffnung schöpft der Franzose auch für den Ausbau des europäischen Weltraumraketenprogramms, nach schweren Jahren: «Die Weltraumwirtschaft war ein Desaster.» Besserung verspreche das Gemeinschaftsunternehmen von Airbus, Thales und Leonardo. Der Aufbau eigener Kapazitäten für den Transport schwerer Lasten ins All oder der Aufbau und der Betrieb eines Konkurrenten zu Elon Musks Starlink-Satellitennetz würden teuer und hart, seien aber nötig. «Wir brauchen Zugang zum Weltraum», sagt Roualdes. Beim EU-Kommissar für Verteidigung und in grossen Luftfahrtunternehmen Europas wird seine Sicht geteilt.Eine Airbus-Führungskraft hält Elon Musks Plan, mit SpaceX Rechenzentren im Weltall zu betreiben, für ein durchaus ernstzunehmendes Projekt. Dieses bisher nur als Vision existierende Geschäft soll den Grossteil der Bewertung von 1770 Milliarden Dollar zum Ausgabepreis der Aktien in den kommenden Jahren rechtfertigen, das zeigen die Studien der von SpaceX beauftragten Analysten. Roualdes dagegen sieht grosse Herausforderungen für die Realisierung, nicht zuletzt bei der Kühlung der Rechenzentren.Die Einstellung der Private-Equity-Gesellschaften zum Börsengang von SpaceX fasste Christian Lucas von Silver Lake zusammen: «Wir hoffen, dass er gut läuft.» Verständlich, denn ein erfolgreiches Debüt könnte helfen, die Verstopfung des Exit-Kanals Börse zu beseitigen, so dass bald auch die Fonds wieder Portfoliounternehmen dort verkaufen können.
Wie Milliardenmanager auf Energie, Rüstung und Tech setzen
Energie, Rüstung, Chips: wo die Private-Equity-Fonds investieren
Apollo und Blackstone finanzieren 35 Mrd. Dollar für KI-Rechenzentren und Chips mit Broadcom und Anthropic. Dezentrale Edge-Rechenzentren nahe Städten schlagen grosse Fabrik-Projekte; Tech-Manager müssen ihre Stack-Entscheidungen neu kalibrieren.









