PfadnavigationHomeWirtschaftVolker GeyerBeamtenbund-Chef wirft Bas und Linnemann Populismus vorStand: 01:03 UhrLesedauer: 3 MinutenVolker Geyer ist seit 2025 Bundesvorsitzender des DBB Beamtenbund und TarifunionQuelle: Martin U. K. Lengemann/WELTBeamtenbund-Chef Volker Geyer greift Bärbel Bas und Carsten Linnemann scharf an: Ihre Reformvorschläge seien „reiner Populismus“. Wer bei Beamten von „Privilegien“ spreche, habe „den Kontakt zur Wirklichkeit verloren“.Beamtenbund-Chef Volker Geyer hat die Spitzenpolitiker der schwarz-roten Regierung scharf kritisiert. „Wer Beamte beschimpft, greift die Menschen an, die dieses Land am Laufen halten. Und wenn Spitzenpolitiker diese Stimmung noch anheizen, ist das fahrlässig“, sagte der oberste deutsche Beamtenvertreter WELT AM SONNTAG. Zugleich brachte Geyer die Kritik aus der Politik mit Übergriffen auf Staatsbedienstete in Verbindung.„Feuerwehrleute werden im Einsatz attackiert, Polizisten bespuckt und angegriffen. Beschäftigte in Bürgerämtern werden bedroht“, sagte Geyer. „Und gleichzeitig stellen Spitzenpolitiker das Berufsbeamtentum infrage. Ich frage mich manchmal, ob die sich vorstellen können, was das mit meinen Kolleginnen und Kollegen macht, die jeden Tag ihren Kopf für dieses Land hinhalten.“ Geyer ist Bundesvorsitzender von dbb Beamtenbund und Tarifunion, dem Dachverband der Beamten-Gewerkschaften. Wer bei Beamten von „Privilegien“ spreche, habe „den Kontakt zur Wirklichkeit verloren“, sagte er.Lesen Sie auchDie Politik glaube, „mit Beamtenschelte ein paar Prozentpunkte in Umfragen gutmachen zu können“. Das sei „reiner Populismus, und zwar wider besseres Wissen“, so Geyer. „Die gleichen Politiker, die morgens Beamte als Privilegierte angreifen, erwarten abends einen funktionierenden Staat.“ Konkret griff Geyer die SPD-Chefin und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas und CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann an. Er warf Bärbel Bas vor, ihr Vorschlag, Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen, sei „reiner Populismus“. Dieser sei verfassungswidrig und würde den Steuerzahler jährlich mindestens 20 Milliarden Euro mehr kosten, weil man andere Ausgaben für Beamte bei einem Systemwechsel deutlich erhöhen müsste.Den Vorschlag von Linnemann, das Beamtentum auf hoheitliche Kernaufgaben zu beschränken, bezeichnete Geyer als „griffig, aber nicht zu Ende gedacht“. Das Beamtenverhältnis sei in vielen Bereichen angesichts des Fachkräftemangels der einzige Wettbewerbsvorteil des Staates am Arbeitsmarkt. Linnemann hatte gefordert, nur noch dort zu verbeamten, wo ein besonderes Treueverhältnis zum Staat existiere, etwa bei Polizei, Feuerwehr oder Finanzbehörden.Lesen Sie auchDie von Bas und Linnemann vorgebrachten Vorschläge treffen einen sensiblen Punkt im Gerechtigkeitsempfinden vieler Bürger. Sichere Arbeitsplätze, staatliche Pensionen und Gesundheitsversorgung über die Beihilfe gelten gerade in unsicheren Zeiten als Privilegien. Das liegt auch daran, dass Pension und gesetzliche Rente grundsätzlich unterschiedlich funktionieren. Bei Arbeitnehmern hängt die spätere Rente davon ab, was sie über ihr gesamtes Berufsleben verdienen und einzahlen. Zeiten mit niedrigen Löhnen, Teilzeit oder Arbeitslosigkeit drücken die Ansprüche. Die Beamtenpension orientiert sich dagegen vor allem am letzten ausgeübten Amt und an der Dienstzeit. Beamte zahlen zudem nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Ihre Pensionen werden aus den Haushalten finanziert.Die Beamten kommen aktuell politisch unter Druck, weil im Zuge der geplanten Sozialreformen auch über grundsätzliche Änderungen der Systeme debattiert wird. Die Rentenkasse wird durch den demografischen Wandel belastet. Die Haushalte sind angespannt, zugleich wächst der Ärger über eine langsame Verwaltung. Ende Juni soll die Rentenkommission ihre Reformempfehlungen präsentieren, und noch vor der Sommerpause wollen Union und SPD ihre Reformpläne in zentralen Bereichen auf den Weg bringen. Weitreichende Entscheidungen über die geplanten Arbeits-, Sozial- und Steuerreformen sowie den Haushalt sollen bereits beim Koalitionsausschuss am 1. Juli getroffen werden.