Die Bildungsministerkonferenz (BMK) hat sich in München auf Ziele und Maßnahmen verständigt, um Schüler, Lehrer und Erziehungsberechtigte in ihrer Medienkompetenz zu stärken. „Unser Ziel ist es, Kinder und Jugendliche zu einem reflektierten, kritischen und sicheren Umgang mit Social Media zu befähigen, ihre Medienkompetenz zu stärken und sie besser vor negativen Auswirkungen zu schützen“, sagte die Präsidentin der BMK, Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler).Im Mittelpunkt stehe der Dreiklang „Sensibilisieren – Stärken – Schützen“, sagte Bundesbildungs- und -familienministerin Karin Prien (CDU). Sie verwies darauf, dass die Medienkompetenz auch bei der Neustrukturierung des Programms „Demokratie leben“ eine zentrale Rolle spiele.Problematische Mediennutzung, so stellen die Bildungsminister fest, finde überwiegend außerhalb der Schule statt, deshalb müssten die Eltern als Erste für einen verantwortungsvollen Umgang mit Social Media sorgen. Die Aufgabe der Schule sehen sie darin, im Unterricht auf eine reflektierte, kritische, im besten Fall auch selbstregulierte Mediennutzung hinzuwirken.Schüler müssten auf die Nutzung digitaler Angebote so vorbereitet werden, dass sich problematische Nutzungsroutinen gar nicht erst entwickeln könnten, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Bildungsminister, die von der Bestandsaufnahme der interdisziplinären Kommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ im Familienministerium geprägt ist. Die Kommission will am 24. Juni fünfzig Empfehlungen vorlegen.Erwachsene müssen ihrer Vorbildfunktion gerecht werdenDie BMK verfolgt einen dreifachen Ansatz: Sie will zum einen den Trend stoppen, digitale Medien immer früher und zum Teil unbegleitet zu nutzen. Dabei spielt aus ihrer Sicht die Vorbildfunktion der Erwachsenen eine besondere Rolle. Zweitens wollen die Minister die Fähigkeit der Kinder und Jugendlichen stärken, ihre persönlichen Daten zu schützen und Risiken im digitalen Raum zu erkennen. Eltern müssten aktiv in der Medienerziehung unterstützt werden. Kinder und Jugendliche sollten an Entscheidungen über den Umgang mit digitalen Medien in der Schule, etwa über ein Handyverbot, beteiligt werden.Drittens sehen die Bildungsminister den Schutz vor negativen Auswirkungen der Social-Media-Nutzung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Möglichen Gefahren wie der Entwicklung von psychischen Krankheiten, Cybermobbing und Desinformation und Radikalisierung muss mit geeigneten Präventionsstrategien begegnet werden“, heißt es in der Erklärung. Schulen müssten einen entschlossenen Beitrag dazu leisten, aber auch der Kinder- und Jugendmedienschutz solle gestärkt werden.Konkret wollen die Länder sicherstellen, dass das Thema in den Lehrplänen angemessen berücksichtigt wird. „Der Umgang mit Cybermobbing und sexualisierter Gewalt im Netz“, das Erkennen manipulativer Informationen und der Einfluss KI-generierter Inhalte und Deepfakes gehörten dazu. Lehrer spielten im Zusammenwirken mit außerschulischen Partnern eine zentrale Rolle, deshalb müsse es mehr niederschwellige Fortbildungs- und Informationsangebote geben. Die Bildungsminister plädieren auch dafür, die Erziehungspartnerschaft zwischen Elternhaus und Schule bei der Medienerziehung weiter zu intensivieren und Eltern gezielter zu unterstützen.Abstimmung mit EU und den FamilienministernSie regen außerdem an, Kooperationen mit Beratungsstellen, Initiativen gegen sexualisierte Gewalt, Radikalisierung und Hass im Netz zu suchen sowie die Polizei und Beratungsstellen des Gesundheitswesens in die schulische Prävention einzubinden.„Vertrauensvolle Beziehungen schaffen die Grundlage dafür, dass Kinder und Jugendliche über ihre Erfahrungen im digitalen Raum sprechen, problematische Situationen frühzeitig thematisieren und Unterstützung annehmen können“, schreiben die Bildungsminister und heben die Bedeutung der Schulpsychologen, Beratungslehrer und Präventionsbeauftragten hervor. In enger Abstimmung mit der Jugend- und Familienministerkonferenz wollen die Bildungsminister konkrete Maßnahmen und Rechtsetzungsvorhaben mit der Europäischen Union abstimmen.Wie sehr die Kehrseiten der sozialen Mediennutzung den Schulalltag prägen, geht aus einer aktuellen Umfrage des Deutschen Philologenverbandes (DPhV) und des Bildungsportals Lehrer online unter mehr als 1000 Lehrern hervor. Jeder zweite Lehrer fühlt sich demnach bei Social-Media-Konflikten an der Schule unsicher, davon acht Prozent sogar überfordert und hilflos. 68 Prozent halten das Thema für relevant oder sehr relevant für ihre tägliche Arbeit, 15 Prozent geben an, akut Unterstützung zu benötigen.Für 79 Prozent der Befragten ist suchtähnliches Nutzungsverhalten ihrer Schüler die größte Herausforderung. 70 Prozent der Befragten kämpfen regelmäßig gegen Ablenkung durch Handys im Unterricht, 63 Prozent sind mit Cybermobbing, Sexting oder Cybergrooming konfrontiert. Für ebenfalls 63 Prozent sind Themen wie Hatespeech und Desinformation längst schulischer Alltag. „Gerade in Krisen – wenn ein Kind gemobbt wird, wenn jugendgefährdende Inhalte kursieren oder die Kommunikation mit den Eltern eskaliert – brauchen Schulen und Lehrkräfte klare Handlungsgrundlagen und Rechtssicherheit“, fordert der DPhV. Deshalb müsse es schuleinheitliche Regeln geben.
Social Media bei Jugendlichen: Bildungsminister wollen stärkeren Schutz
Die Bildungsminister der Länder wollen mehr Medienkompetenz in den Lehrplänen. Dafür verfolgen sie einen dreifachen Ansatz.









