Heidi Reichinnek ist gerade erst in Magdeburg angekommen, als sie in einem Hotel in der Innenstadt in den Fahrstuhl steigt. Kurz bevor die Türen schließen, tritt ein großer, hagerer Mann ein. Er läuft etwas gebückt, auf den grauen Haaren trägt er einen blau-weißen Fischerhut des 1. FC Magdeburg. Er schaut kurz hoch und starrt Heidi Reichinnek an.

»Sie sind aber nicht diese Linken-Chefin?«, fragt er.

»Nein«, antwortet Reichinnek und beginnt zu erklären, dass die Parteivorsitzende jemand anderes sei, dass sie aber die Fraktion der Linken im Bundestag leite. Aber der Mann hört schon nicht mehr zu. »Na Gott sei Dank!«, ruft er, schon ein bisschen lauter. Der Fahrstuhl stoppt, die Türen gehen auf. Der Mann tritt hinaus, dreht sich noch einmal um und baut sich vor Reichinnek auf. Dann schreit er los: »Ich wähle nämlich: AfD, AfD, AfD!« Dabei schleudert er beide Fäuste durch die Luft wie ein Fußballfan im Stadion.

Als die Türen wieder schließen, geschieht etwas Außergewöhnliches: Heidi Reichinnek ist sprachlos, zumindest für einen Moment. Später wird sie erklären, dass sie eigentlich gerne noch mit dem Mann geredet hätte. Dass sie ihn gerne gefragt hätte, was ihn dazu bringt, AfD zu wählen. Schließlich ist sie deswegen hier. Am Abend findet die erste große Veranstaltung vor der Landtagswahl statt. Im September wird in Sachsen-Anhalt gewählt, die jüngsten Umfragen sehen die AfD bei mehr als 40 Prozent. Zum ersten Mal könnte die Partei hier ein Bundesland regieren. Reichinnek kommt aus Sachsen-Anhalt, sie ist hier aufgewachsen. »Ich werde meine Heimat nicht den Faschisten überlassen«, sagt sie noch im Hotel.