Nimmt man die leicht vergilbte Formulierung, dann ist Fulda bis Sonntag in einer Woche die „heimliche Hauptstadt“ des Landes: Am Freitag ist in Fulda der Hessentag von Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) im sanften osthessischen Nieselregen eröffnet worden, die 63. Auflage des ältesten und größten Landesfests in Deutschland. Rhein griff auch das Wetter in der Bischofsstadt Fulda auf und deutete es in einen „Segen von oben“ um. Im Übrigen sei die Stadt so, wie es der Slogan verspreche, sagte Rhein: „Foll hessisch.“Zweiter Hessentag im zweiten Anlauf: Schon 1990 ist der Hessentag in Fulda gefeiert worden, und ursprünglich war seine zweite Runde in der Stadt schon für das Jahr 2021 festgesetzt worden. Doch die Corona-Pandemie machte den Planern einen Strich durch die Rechnung. Das Landesfest wurde abgesagt und die Stadt in Osthessen um fünf Jahre vertröstet. Wenigstens hatte die Stadt somit mehr Zeit als andere Ausrichter, sich auf den von Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU) versprochenen „Hessentag der kurzen Wege“ vorzubereiten. „Mit der Bewerbung 2017 hat der Vorlauf begonnen“, sagte er. Ähnliches gilt übrigens auch für das Hessentagspaar Vera und Max Dudyka, obwohl es bei ihnen einige Veränderungen gab. 2021 waren die beiden zwar schon liiert, doch heute sind sie verheiratet und Eltern einer kleinen Tochter.Erinnerung an Aufbruchstimmung bei der Premiere in FuldaMit Blick auf die Verschiebung hieß Wingenfeld die Zuschauer der Eröffnung, die im Hof des Stadtschlosses gefeiert worden ist, „endlich in Fulda willkommen“. Er erinnerte in seiner Rede auch an den ersten Hessentag in Fulda 1990. Die Aufbruchstimmung des ersten Landesfests nach dem Fall der innerdeutschen Grenze spüre er auch jetzt wieder. Ministerpräsident Rhein griff das mit Blick auf die immer wieder geäußerte Kritik am Hessentag auf. Wingenfelds Bemerkung zeige: „Der Hessentag dauert zehn Tage und wirkt für Jahrzehnte.“Rhein reagierte damit auf ein seit Jahren eingeübtes Ritual: Irgendwer, genannt sei der Bund der Steuerzahler, wird sich an den Kosten, der Dauer oder dem jährlichen Rhythmus abarbeiten. Auch Benedikt Kuhn (CDU), der Chef der hessischen Staatskanzlei, weiß, dass es so kommen wird, und hat schon vor dem Beginn des Fests auf die Geschichte verwiesen und darauf, dass der Hessentag nicht nur mit einem Blick auf den Kassenzettel zu bewerten sei.1961 fand das Landesfest erstmals stattGeorg-August Zinn (SPD) hatte das Landesfest ins Leben gerufen, um nach dem Zweiten Weltkrieg und der Integration von fast einer Million Heimatvertriebener unter anderem aus den Sudeten, aus Schlesien und Ostpreußen eine hessische Identität zu fördern. Das sei, hat Kuhn kürzlich gesagt, heute ein Auftrag mehr denn je. Rhein griff in seiner Ansprache daher das Zitat „Hesse ist, wer Hesse sein will“ von seinem Vorgänger Zinn auf. Der Hessentag sei eben mehr als nur ein Volksfest, er sei auch ein Symbol für das Land. Zinns Worte stünden für die Offenheit des Landes.Die Stadt Fulda verspricht sich vom zweiten Hessentag in der Stadt einen Schub für ihre weitere Entwicklung, aber bei den Erwartungen an die Besucherzahlen hält man sich im Stadtschloss, dem Sitz der Verwaltung, zurück. Wichtiger, so hat es Wingenfeld zu Protokoll gegeben, seien die Qualität des Fests und die Zufriedenheit der Gäste. Immerhin nannte er eine Größenordnung von 700.000 Teilnehmern.Offenkundig aber hoffen die Organisatoren tatsächlich auf einen deutlich höheren Zuspruch. Das begründet sich nicht nur mit der attraktiven, baulich vom Barock geprägten Innenstadt, sondern auch mit der Lage. Mit der deutschen Wiedervereinigung rückte die Stadt vom Rand ins Zentrum des Landes. Sie ist für ihr Umland in Hessen und auch Thüringen ein regionales Zentrum geworden. Das Kalkül, dass aus dem benachbarten Bundesland nicht nur die sehr guten Bratwürste, sondern etliche Besucher kommen werden, hat also eine Grundlage.Um die 1200 Veranstaltungen, von der Ausstellung bis zu Konzerten mit Altstars wie Roland Kaiser und Peter Maffay, gehören zum Programm des Fests, das in der barocken Innenstadt und den Fuldaauen gefeiert wird. Für die weitaus meisten Angebote wird kein Eintritt erhoben. Wie in den Vorjahren sind unter anderem auch die Vertreter der „Blaulichtfamilie“ vertreten, also Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste. Auch die Bundeswehr ist dabei, darauf hatte Rhein bei der Eröffnung besonders hingewiesen. „Sie steht in der Mitte der Gesellschaft“, sagte er, und das zeige sie auch bei einem Anlass wie dem Landesfest in Fulda.
Der Hessentag in Fulda ist eröffnet: Das wird geboten
Jetzt aber: Fünf Jahre nachdem der Hessentag in Fulda wegen Corona abgesagt werden musste, ist am Freitag das Landesfest eröffnet worden.
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