Der Künstler David Hockney ist am 11. Juni 2026 mit 88 Jahren verstorben. So prägte seine Ästhetik Generationen von Mode- und Designschaffenden.David Hockneys Einfluss ging weit über die Kunstwelt hinaus. Seine Bildsprache – die sonnendurchfluteten kalifornischen Landschaften, die kräftigen Farben, die kühle Pool-Ästhetik – beeinflusste auch Modeschaffende, Interior-Designer, Architektinnen. Er war «instagrammable», bevor es das Wort gab; bevor überhaupt das erste Bild auf Instagram gepostet wurde. Seine Gemälde bildeten die Wirklichkeit ab, überhöhten und stilisierten sie aber so, dass man sich wünschte, ein Teil davon zu sein. Inspiration für Designer und Filmschaffende: David Hockney, «A Bigger Splash», 1967. © David Hockney /Tate, UK Aber auch sein persönlicher Look diente als Vorlage. Gerne trat er mit einer grossen Brille und einem bunten Schal auf. Manchmal waren Hockneys Einflüsse auf Modekollektionen oder den Pool eines Hotels eher subtil und nur jenen klar, die mit seinen Werken sehr vertraut waren. Immer wieder aber wurde er auch offen zitiert. Sein Gemälde «A Bigger Splash», 1967, war etwa Inspiration für den gleichnamigen Film von Luca Guadagnino aus dem Jahr 2015. Dakota Johnson im Pool für den Film «A Bigger Splash», 2015. War ihre markante Sonnenbrille wohl auch von Hockney inspiriert? Imago Von Burberry zu Paul SmithDer Modewelt war er verbunden. 1985 gestaltete er ein Cover für die französische «Vogue». Burberry widmete ihm im Frühjahr 2013 unter Christopher Bailey eine ganze Kollektion namens «Writers and Painters», die vom exzentrischen Stil Hockneys und des Schriftstellers Alan Bennett inspiriert war. Unter der kreativen Leitung von John Ray schickte das britische Traditionslabel Dunhill für Herbst/Winter 2015 Models über den Laufsteg, die wie Klone des Künstlers wirkten – mit messerscharf geschnittenen Cordanzügen, pastellfarbenem Strick und der markanten, runden Hornbrille. Getty Images David Hockneys Look (links ein Porträt in seinem Studio 1971) inspirierte den Kreativdirektor John Ray zur Dunhill-Herbst-Herrenkollektion 2015 (rechts). Der Modeschöpfer Paul Smith betonte immer wieder, dass der furchtlose Umgang seines Freundes Hockney mit Mustern, Streifen und scheinbar unpassenden Farben eine seiner beständigsten Inspirationsquellen sei: «Ich hatte ganz vergessen, wie grossartig Davids Stil ist. Die Tatsache, dass er eine Krawatte zu einem Rugby-Shirt kombinierte – es war eigentlich so falsch, aber an ihm sah es einfach absolut richtig aus», erzählte er dem «New York Magazine» 2008. Im gleichen Jahr widmete er Hockney eine Kollektion. Im Soundtrack war auch Hockneys Stimme zu hören. Getty Images Einfach guter Style: David Hockney 1965 und 2025. Das berühmte Pool-GemäldeAuch im Hoteldesign hinterliess Hockney bleibende Spuren: Je nach Quelle 1987 oder 1988 bemalte er persönlich in nur vier Stunden den Boden des leeren Tropicana-Pools des legendären Hollywood-Roosevelt-Hotels mit seinen charakteristischen geschwungenen Linien in Blau, die im gefüllten Zustand unter der Sonne Kaliforniens zu tanzen scheinen. 2019 wurde das Gemälde aufwendig restauriert. Das Gemälde am Pool-Boden des Hotels «The Hollywood Roosevelt» malte Hockney in nur vier Stunden. Hier fand 2022 ein Filmfestival statt. Getty Images Auch dieses Werk findet sich in der Mode wieder: Bill Gaytten, zu dem Zeitpunkt Kreativdirektor ad interim bei John Galliano, nannte seine erste Prêt-à-porter-Menswear-Kollektion für Spring/Summer 2012 schlicht «Big Splash» – als direkte Verbeugung vor Hockneys legendärem Swimmingpool-Gemälde von 1967. Getty Images Auch bei Bill Gaytten für John Galliano, Spring/Summer 2012, wird die Inspirationsquelle sehr deutlich. Selbst in private Wohnzimmer zog sein Stil ein: Interior-Designer nutzen Hockneys Farbpaletten gezielt, um das unbeschwerte Lebensgefühl Kaliforniens in kältere Regionen zu transportieren – etwa durch das Zusammenspiel von leuchtenden Wandfarben mit knalligen Möbeln und einer Fülle von Zimmerpflanzen, die die Grenze zwischen drinnen und draussen auflösen. Am 11. Juni 2026 ist David Hockney mit 88 Jahren verstorben. Sein ästhetisches Vermächtnis bleibt. Und wird noch weitere Designschaffende inspirieren. Instagrammable, bevor es Instagram gab: David Hockney mit seinem Dackel auf dem Dach seines Hauses in Malibu. Getty Images Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.