Ein Bezirksgericht in Seoul hat den früheren südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk-yeol am Freitag wegen Machtmissbrauch und Beihilfe zum Feind zu einer weiteren Haftstrafe von dreißig Jahren verurteilt. Eine besondere Schwere der Schuld stellten die Richter fest, da Yoon die Operation unter Inkaufnahme von südkoreanischen Opfern gebilligt habe.Yoon habe den mehrfachen Start von Drohnen nach Nordkorea im Oktober 2024 angeordnet, um das Regime in Nordkorea zu provozieren und um so einen Vorwand für die Verhängung des Kriegsrechts zu schaffen. Das sei das eigentliche Ziel des damaligen Präsidenten gewesen. „Die Operation umfasste den Einsatz südkoreanischer Militärmittel für private Zwecke, die mit der nationalen Sicherheit oder der Landesverteidigung nichts zu tun hatten“, stellten die Richter fest. Dadurch habe Südkorea Pjöngjang gegenüber militärische Mitteln offenbart, „was künftige Operationen erschwert und zu einer Stärkung der nordkoreanischen Einsatzbereitschaft geführt hat“.Neben Yoon wurden am Freitag der damalige Verteidigungsminister Kim Yong-hyun zu dreißig Jahren sowie der damalige Chef des Militärgeheimdienstes Yeo In-hyung zu 15 Jahren Haft verurteilt. Der damalige Befehlshaber des südkoreanischen Drohnenkommandos Kim Yong-dae muss drei Jahre ins Gefängnis. „Die an der Operation beteiligten Soldaten, darunter Kim Yong-dae, konnten nicht wissen, dass der wahre Zweck die Verhängung des Ausnahmezustands war“, begründeten die Richter diese geringere Strafe.„Legitime Reaktion auf Nordkoreas Provokationen“Yoons Anwälte kündigten Berufung an. Sie erklärten die Entsendung von Drohnen nach Südkorea für eine legitime Reaktion auf die Provokationen Nordkoreas, das 2024 hunderte Ballons mit Müll in den Süden geschickt hatte. Damit hatte Nordkorea auf militärische Manöver Südkoreas und der USA reagiert. Die aus Südkorea gestarteten Drohnen wiederum trugen unter anderem Flugblätter in den Norden.Als Yoon am 3. Dezember schließlich das Kriegsrecht über Südkorea verhängte und Truppen das Parlament besetzen ließ, begründete er seine Entscheidung unter anderem mit „staatsfeindlichen Kräften“ im eigenen Land und in der Nationalversammlung, die mit Nordkorea sympathisieren würden. Am Ende währte der Ausnahmezustand in Südkorea nur wenige Stunden, nachdem die Bevölkerung auf die Straße gegangen und die halbherzig agierenden Soldaten am Zutritt zur Nationalversammlung hinderten. Dies verschaffte den Abgeordneten Zeit für eine Abstimmung im Parlament, die das Kriegsrecht wieder aufhob.Für die illegale Verhängung des Kriegsrechts wurde Yoon Ende 2024 des Amtes enthoben und im Februar 2026 zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Februar urteilten die Richter, dass Yoons eigentliches Ziel die Entmachtung der Opposition gewesen sei, die ihm mit ihrer Mehrheit im Parlament das Regieren schwer gemacht hatte. Gegen Yoon wurden insgesamt acht verschiedene Strafprozesse angestrengt.