Düsseldorf. Zu wenige Wohnungen, marode Straßen, hohe Aktenstapel: Der Staat muss sanieren, bauen, digitalisieren. Steuern muss all diese Prozesse geeignetes Führungspersonal – das dem Staat schon heute fehlt.Und die Lage wird sich verschärfen. Tausende Beschäftigte im öffentlichen Dienst und in staatlichen Beteiligungsgesellschaften werden in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand gehen. Manager aus der Wirtschaft haben deshalb gute Karrierechancen – ob in Stadtwerken oder Landes-Rechenzentren.67.334 offene Stellen meldete die Bundesagentur für Arbeit allein im Bereich Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung für März 2026 – darunter rund 700 Leitungs- und Aufsichtspositionen. Tendenz steigend.Bernhard Walter, Director Executive Search bei der Personalberatung Kienbaum, sagt: „Wer Erfahrung in Transformation, Digitalisierung und Kulturwandel mitbringt, hat gute Karten – vor allem in öffentlichen Beteiligungsgesellschaften.“Rund 5,4 Millionen Beschäftigte zählt der öffentliche Dienst laut Statistischem Bundesamt. Auf einen Beamten kommen dabei zwei Angestellte.Neben dem klassischen Staatsdienst in Ministerien und Behörden gibt es eine zweite Ebene: die 1,56 Millionen Beschäftigten in öffentlich-rechtlichen oder öffentlich bestimmten Einrichtungen. Dazu zählen die staatlich kontrollierten Krankenkassen, Rundfunkanstalten und die Bundesagentur für Arbeit sowie Wohnungsbaugesellschaften, Verkehrsbetriebe oder Messegesellschaften, an denen der Staat die Mehrheit hält.Was bringt Manager dazu, in den Staatsdienst zu wechseln? Und was erwartet sie dort?Von der CIO zur Amtsleiterin im öffentlichen DienstEntsprechende Einblicke kann Silke Lehnhardt geben. Sie fühlte sich von der Zeitungsannonce der Stadt Wiesbaden im Jahr 2021 „persönlich angesprochen“. Die hessische Landeshauptstadt suchte damals eine Leitung für das neue Amt für Innovation, Organisation und Digitalisierung.Silke Lehnhardt: Die frühere Konzernmanagerin arbeitet heute bei der Stadt Wiesbaden. Foto: privatJahrzehntelang hatte Lehnhardt in Top-Führungspositionen verschiedener Konzerne gearbeitet, unter anderem als Chief Information Officer (CIO) bei Lufthansa Cargo. Später half sie als selbstständige Interimsmanagerin Unternehmen dabei, ihre IT zu modernisieren.Lehnhardts Motivation für den Schritt in den Staatsdienst: „Zu digitalisieren, wo noch Papier die Regel ist, und der Stadtverwaltung Strukturen zu geben, um bürgerfreundliche Onlineservices zu ermöglichen – das hat mich gereizt.“Mit Ende 50 ergriff sie die Chance, „gesellschaftlich Sinnvolles zu tun und meine Komfortzone zu erweitern“. Damit entsprach Lehnhardt genau dem Profil, nach dem Personalberater für den Staat suchen: gestandene Führungskraft mit Transformationserfahrung, die sich in den letzten sieben bis zehn Berufsjahren fürs Gemeinwohl engagieren will.Traumjob Beamter? Wie Staatsdiener wirklich arbeiten – und welche Tücken es gibt Dabei müssen sich die Manager auf einen Gehaltsrückgang einstellen – oft im „deutlich zweistelligen Prozentbereich“, sagt Florian Koenen. Er ist Geschäftsführer für öffentliche Wirtschaft der Topos Personalberatung und spricht oft gezielt Führungskräfte 55 plus an. Meist seien diese finanziell abgesichert, sodass es ihnen nicht darauf ankomme, ihr Einkommen weiter zu maximieren.Für Silke Lehnhardt war das kein Problem. In den öffentlichen Dienst wechselte sie in einer Phase, „in der Gehalt zweitrangig ist“, sagt die heute 61-Jährige.Eigenverantwortung in Führungskultur verankernAuch für Peter Leweke waren die deutlichen Vergütungseinbußen kein Ausschlusskriterium, als ihm 2019 angeboten wurde, IT-Abteilungsleiter bei der Polizei NRW zu werden. Zwar fragte der Manager, der zuvor in der Privatwirtschaft Gehälter von bis zu 180.000 Euro jährlich erzielt hatte, zunächst irritiert: „Handelt es sich um einen Halbtagsjob?“ Denn die Vollzeitstelle bei der Behörde in Düsseldorf war mit rund 85.000 Euro dotiert. Selbst mit höchster Eingruppierung sowie Orts- und Familienzulagen kam Leweke nur auf 92.000 Euro.