Russland nimmt verstärkt den Westen der Ukraine ins Visier, immer mehr Zivilisten sterben. Wer überlebt, versucht so gut es geht Normalität zu retten.

A m Nachmittag ist einiges los auf dem Domplatz im westukrainischen Lwiw. Kurz nach sechzehn Uhr läuft der Berufsverkehr: Menschen hasten an der Ampel über das Kopfsteinpflaster, Autos hupen. Hier kreuzen sich der Altstadtring und eine große Ausfallstraße. Die Tramhaltestelle ist ein wichtiger Umsteigepunkt in der Innenstadt. Ringsum gibt es Geschäfte und wer kurz ausruhen will, kann sich neben dem Brunnen in der Platzmitte auf einer Bank niederlassen, mit Blick auf die jahrhundertealten Türme des Bernhardinerklosters.

Ein paar Wochen zuvor, der 25. März, um dieselbe Uhrzeit: Die Szenerie ist ähnlich, doch dann hört man auf Videoaufnahmen das blecherne Geräusch eines billigen Mopedmotors, es schwillt immer lauter an. Am oberen Bildrand stürzt eine russische Angriffsdrohne vom Typ Schahed vom Himmel. Sie kracht in das Dach eines Altbaus am nördlichen Rand des Platzes, gleich neben dem Kloster und der Kinderbibliothek. Ein Feuerball. Dann bricht die Aufzeichnung ab.

Anders als die großen Angriffe auf die Hauptstadt Kyjiw stehen die russischen Attacken auf andere Regionen der Ukraine im Ausland weniger im Fokus. Ohnehin sind die Orte weniger bekannt und auch westliche Politiker kommen seltener zu Besuch hierher. Tatsächlich galten besonders die westlichen Regionen in den ersten Kriegsjahren als vergleichsweise sicherer. Es gab einfach weniger Angriffe. Das hat sich inzwischen geändert.