Das „Hochhaus am Turm“ an der Bleichstraße ist einer von Frankfurts älteren Bürotürmen. Rund 70 Meter hoch ist das 1974 eröffnete Gebäude in der Nähe des Eschenheimer Turms am nördlichen Rand der Innenstadt. Bis zur Hauptwache und zur Zeil sind es nur wenige Schritte. „Einzigartige Büroflächen“ werden dort auf mehreren Etagen zur Miete angeboten.Doch das Hochhaus soll kein reiner Büroturm bleiben. Das Immobilienunternehmen Aroundtown, das das Gebäude vor einigen Jahren erworben hat, setzt auf einen Umbau und eine Nutzungsmischung. Außer Büros soll es in dem Hochhaus künftig 86 sogenannte Serviced Apartments geben. Dabei handelt es sich um eine Zwischenform aus Hotelzimmer und normaler Wohnung, für die es in jüngster Zeit eine verstärkte Nachfrage gibt. Die Apartments sind voll möbliert, außerdem können bestimmte Serviceleistungen gebucht werden. Für die Umnutzung des Hochhauses an der Bleichstraße hat Aroundtown nach eigenen Angaben den Bauantrag eingereicht. 2028 soll das Projekt abgeschlossen sein.Es ist Teil einer Strategie von Aroundtown, mit der das Unternehmen die „wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit von Immobilien“ erhöhen will. Eine Mischung soll zur Belebung urbaner Quartiere auch außerhalb klassischer Bürozeiten beitragen und langfristig attraktive Ertragsperspektiven bieten, weit über die regulären Mietlaufzeiten von Büromieten hinaus. Ziel ist es, aus Gründen der Nachhaltigkeit die Bausubstanz möglichst zu erhalten. „Büros bleiben ein zentraler Bestandteil urbaner Räume“, sagt Aroundtown-Chef Barak Bar-Hen. „Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen an Gebäude.“ Serviced Apartments seien ein wichtiger Baustein für die Weiterentwicklung von Immobilien, vor allem in innerstädtischen Lagen. Aber auch Gastronomie und Fitness-Angebote spielen für Aroundtown eine Rolle.Frühere Lehrkräfteakademie wird umgebautIm vergangenen Jahr hat das Unternehmen in Rüsselsheim die Umwandlung eines Bürogebäudes zu einem Hotel abgeschlossen. Weitere Projekte sind in mehreren europäischen Städten geplant, unter anderem in Berlin, Dortmund und Athen. Ein Schwerpunkt liegt in Frankfurt. Dort soll auch ein Bürogebäude am Hauptbahnhof umgewandelt werden. Es handelt sich um das Erwin-Stein-Haus an der Stuttgarter Straße. Das Anfang des 20. Jahrhunderts als Druckerei errichtete und mehrfach umgebaute Gebäude wurde zuletzt von der Hessischen Lehrkräfteakademie genutzt. Jetzt wird das Haus, das nach einem früheren hessischen Kultusminister benannt ist, komplett entkernt. 2027 sollen 188 Apartments bezugsfertig sein.Planung für einen Komplex mit 577 Apartments: Auf dem Grundstück an den Bahngleisen im Frankfurter Gallusviertel sollten ursprünglich Büros entstehen.Visualisierung MercuriusDie Umwandlung von Büros in kleine Apartments biete sich wegen der klassischen Bürogrundrisse oft an, sagt der Frankfurter Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD). Ein Beispiel präsentierte er in dieser Woche bei der Jahresbilanz der Bauaufsicht. In der früheren Bürostadt Niederrad baut die Mainzer Aufbaugesellschaft (MAG) ein Bürohochhaus mit 18 Geschossen um. Unter dem Projektnamen „We Live Tower“ entstehen 364 Apartments, Gastronomie- und Gewerbefläche sowie eine Kindertagesstätte. „Wir wollen zeigen, wie bestehende Gebäude verantwortungsvoll weitergedacht und mit neuer Qualität für den Stadtteil aufgeladen werden können“, sagt Ralf Sadowski, Geschäftsführer der MAG. Vermietet werden die Apartments von der i-Live-Gruppe, die in Frankfurt an der Adickesallee bereits ein großes Haus mit kleinen Wohnungen und einem Hotel betreibt.Nicht nur bei der Umwandlung von Bürogebäuden, sondern auch bei Neubauten sind Serviced Apartments für Investoren interessant. Im Stadtteil Gallus ist an der Camberger Brücke auf dem 11.000 Quadratmeter großen Gelände eines früheren Autohauses das multifunktionale Gebäude „Green Cam“ geplant. Der Frankfurter Entwickler Mercurius Real Estate erwartet bis spätestens Ende Juni einen positiven Bauvorbescheid. Außer 577 Apartments sind Flächen für Gewerbe, ein Fitnessstudio und eine Kita vorgesehen. Im obersten der sieben Geschosse soll es Gastronomie geben. Auf einer begrünten Dachterrasse ist Platz für Sportanlagen, etwa für Padel-Tennis.Parkplätze werden im Erdgeschoss geschaffen, was nach Angaben des Entwicklers eine Tiefgarage überflüssig macht. Das Gebäude selbst soll in modularer Bauweise errichtet werden, um Zeit und Kosten zu sparen. Ursprünglich sollte auf dem Grundstück ein Bürogebäude entstehen. Doch angesichts der anhaltenden Schwäche des Frankfurter Büromarkts habe man sich für eine Umplanung entschieden, teilte Mercurius mit.
Büroflaute in Frankfurt: Investoren setzen auf Apartments
Bürogebäude lassen sich in Frankfurt oft nur noch schwer vermieten. Einige von ihnen werden umgebaut – häufig in kleine Wohnungen.






