Von 500.000 Exponaten im Bestand kann das Stadtmuseum Wiesbaden nur einen Bruchteil im alten Marktkeller ausstellen. Der Platz an diesem Standort ist zu knapp, die Decken sind zu niedrig und die Wände zu feucht, wie Direktorin Sabine Philipp berichtet. Das zwinge dazu, einen Großteil der Stücke, die eigentlich die Geschichte der gesamten Region seit den Römern widerspiegelten, in Depots zu lagern. Wenn es nach Philipp und dem Förderverein des Museums ginge, wäre daher der Umzug des Museums in das seit 2024 zunächst leer stehende ehemalige Sportarena-Kaufhaus in der Fußgängerzone schon beschlossen. Die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) hat das Gebäude, ursprünglich als „Kaufhalle“ gebaut, aus der Insolvenzmasse der Sigma-Gruppe gekauft. Die Stadtpolitik ist aber noch uneins, ein Teil wünscht eine rein kommerzielle Nutzung.Dass klug geführte Museen eine revitalisierende Wirkung auf die vielerorts von Leerstand und Zwischennutzungen geprägten Innenstädte haben können, berichteten am Mittwochabend bei einer Veranstaltung in der ehemaligen Wiesbadener Sportarena Museumsleiterinnen und -leiter aus Chemnitz, Hamburg und Frankfurt. Zwei dieser Museen, das in Hamburg- Harburg und das in Chemnitz, sind in ehemalige Kaufhäuser gezogen und betreiben darin Zentren für Geschichte, Kommunikation, Lernen und Unterhaltung. Für Rainer-Maria Weiss, der das Archäologische Museum Hamburg und das Stadtmuseum Harburg „Planet Harburg“ leitet, ist das Gebäude an der Wiesbadener Langgasse ideal für einen lebendigen Ausstellungsort mit entsprechender Wirkung in die Umgebung hinein.Keine Scheu vor Lego und Playmobil als InformationsträgerWeiss hob hervor, dass es in Zeiten des medialen Überangebotes nicht genüge, archäologische Funde in Vitrinen zu legen. So habe man im vergangenen Jahr in Harburg im alten Karstadt-Gebäude „Planet Harburg“ als Museums-Dependance gegründet. Ein facettenreiches, niedrigschwelliges Angebot soll dort alle gesellschaftlichen Gruppen erreichen, wie Weiss erläuterte. Das Museum müsse als „kreativer Hotspot“ gesehen werden. So haben die Hamburger auch keine Scheu, das alte Ägypten oder das Leben der Wikinger mit Legosteinen nachzubauen und mit archäologischen Exponaten zu kombinieren. Das ist Weiss zufolge derart gut beim Publikum angekommen, dass man das Konzept mit Playmobil-Figuren wiederholt habe. Dazu finden sich im „Planet Harburg“ nicht nur Sonderausstellungen zur bis 1937 selbstständigen Stadt Harburg, sondern auch ein Programmkino.Museumsshop und Gastronomie ein MussSabine Wolfram leitet das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz, das in einem 1929/1930 nach den Plänen des Architekten Erich Mendelsohn erbauten Kaufhaus untergebracht ist. Dank der Unterstützung des Landes und des Bundes konnte die 30 Millionen Euro teure Sanierung gestemmt werden. Auch das „Smac“ belässt es nicht bei der Präsentation von altertümlichen Exponaten. Dort können sich Kinder an archäologischen Projekten beteiligen, nachts durchs Museum streifen oder Geburtstage feiern. Platz für Tagungen ist ebenso vorhanden. Eine Gastronomie gehört dort ebenso zur Grundausstattung wie ein Museumsshop, beides ist im Wiesbadener Marktkeller aus Platzgründen undenkbar. Das Museum Chemnitz in zentraler Lage zählte zuletzt rund 70.000 Gäste im Jahr.Dass beim Wiesbadener Kaufhausgebäude ein Widerspruch zwischen der kommerziellen Nutzung und einer als Museum aufgemacht wird, hält Doreen Mölders, Leiterin des Historischen Museums Frankfurt, für nicht plausibel. Ein Museum wirke immer auch positiv auf die Besucherfrequenz in der Innenstadt, was dort mehr Umsatz generiere. Die breite Fensterfront und der barrierefreie Zutritt zur einstigen Sportarena machen diese nach Mölders Ansicht zu einem idealen Standort für ein Museum. Aus baulicher Sicht spricht nichts gegen eine Nutzung als Museum, wie SEG-Chefin Ute Knippenberger am Rande der Veranstaltung erläuterte.
Wiesbaden: Welche Chancen haben Museen in Kaufhäusern?
Das Wiesbadener Stadtmuseum möchte gern raus aus seinem feuchten Keller. Ein altes Kaufhaus wie die Sportarena könnte ein idealer Standort sein. Andere Städte machen es vor.
Das Wiesbadener Museum plant aus Platzmangel den Umzug von 500.000 Exponaten ins ehemalige Kaufhaus Sportarena. In Hamburg und Chemnitz zeigen erfolgreiche Museumsumsiedlungen in Ex-Kaufhäuser, dass kulturelle Institutionen Innenstädte kommerziell revitalisieren.







