In Zeiten, in denen längst in Billionen gerechnet wird an der Börse, sind die 75 Milliarden Dollar, die SpaceX mit seinem Börsengang an diesem Freitag einnehmen will, fast schon Peanuts. Doch Elon Musks Raumfahrtkonzern ist nicht allein. Alphabet hat schon angekündigt, per Kapitalerhöhung 80 Milliarden Dollar von den Börsianern haben zu wollen. Anthropic, Inhaber des Claude-KI-Sprachmodells, will ebenfalls bald an die Börse. OpenAI, Begründer von ChatGPT, gleichfalls.Neben den dreistelligen Milliardenbeträgen, die Amazon, Meta und viele andere in Rechenzentren investieren wollen, kommen nun also noch viele weitere Milliarden, die KI-Unternehmen von Investoren gerne hätten – und die sie in den Bereich von Billionenbewertungen katapultieren. Der Börsengang ist dabei immer nur der erste Schritt. SpaceX wird nur knapp fünf Prozent seines Börsenkapitals im freien Handel haben. Der große Rest wird Stück für Stück an der Börse verkauft – das große Geschenk des Börsengangs an alle Altaktionäre.Ob die Anleger all das viele Geld bereitstellen werden? In einem Umfeld steigender Zinsen auch noch. Das Schlagwort KI zieht bisher immer. Von der größten Revolution mindestens seit der Dampfmaschine ist dann die Rede. Wir alle werden anders arbeiten, leben, denken – ob nun besser oder nicht –, das Potential, das in der Künstlichen Intelligenz steckt, bewegt Billionensummen wie nie zuvor an der Börse. Auch inflationsbereinigt sind das Rekorde, die Nvidia, Samsung, SK Hynix, Alphabet und viele andere gerade aufstellen.Wer will die weiten Chancen des Weltalls richtig einschätzen?Elon Musk wäre natürlich nicht Elon Musk, wenn er es bei einer einfachen KI-Phantasie beließe. Er ergänzt das Paket für die Anleger um Weltraumvisionen, um wiederverwertbare Raketen, globalgalaktische Satellitensysteme. Kurzum – nur Engstirnige fangen an, Gewinne, Cashflow-Ströme und Kurs-Gewinn-Verhältnisse zu analysieren, und verlieren dabei den Blick für die weiten Chancen des Weltalls aus dem Auge.Insofern ist der Börsengang von SpaceX eine Herausforderung. Alle relevanten Wall-Street-Banken müssen ihn zum Erfolg machen, schließlich werden sie sehr reich belohnt, und die Folgeaufträge von Anthropic und OpenAI warten schon. Sie mobilisieren also in erheblichem Maße Kapital.Sie wissen aber auch: Entscheidend ist auf dem Platz. Wenn der erste Kurs enttäuscht, vielleicht sogar ins Rutschen kommen sollte, gilt es, eine Negativspirale möglichst im Keim zu ersticken. Umgekehrt kann auch ein sich selbst verstärkender Aufwärtstrend in Gang kommen. Wenn alle den Erfolg wollen, wer sollte sich den Kursgewinnen entgegenstellen? Die Altaktionäre müssen mit ihren Verkäufen jedenfalls noch Lock-up-Perioden abwarten. Ein Perpetuum mobile also? Wenn nicht Elon Musk, wer sollte es erfinden? Selten war Börse so spannend, und wie immer bildet sich der Kurs aus – in diesem Fall – Millionen Einzelentscheidungen, die niemand wirklich vorhersehen und kontrollieren kann. Es muss nur noch endlich die Glocke geläutet werden.