Als die thailändische Prinzessin Bajrakitiyabha Narendira Debyavati am 14. Dezember 2022 beim Training mit ihren Hunden kollabierte und ins Koma fiel, war die Anteilnahme im Land groß – und offenbar von höchster Stelle organisiert. Das Kulturministerium, Unterabteilung „Religiöse Angelegenheiten“, forderte Vertreter aller Religionen im Land dazu auf, tägliche Gebetszeremonien abzuhalten. Außerdem wurde es den Menschen im Land ermöglicht, für 14 Tage in den Stand der buddhistischen Mönche einzutreten, um für die damals 44 Jahre Bajrakitiyabha um Beistand zu bitten.Doch als all das nichts an ihrem Zustand änderte, wurde es schnell still um sie. Abgesehen von einigen wenigen dürftigen Bulletins herrscht seither eisernes Schweigen. Erst kürzlich gab es endlich wieder Neuigkeiten, aber keine guten: Die Prinzessin leide an einer Infektion in der Bauchhöhle, es würden fortlaufend Lungen- und Nierenersatzverfahren eingesetzt. Nun, dreieinhalb Jahre nach dem Zusammenbruch, gab der Palast ihren Tod bekannt. Der König ordnete an, ihren Leichnam in die Thronhalle im Grand Palace in Bangkok zu bringen, wo die Öffentlichkeit Abschied von ihr nehmen kann. Später soll die Prinzessin mit höchsten Ehren beigesetzt werden.Bajrakitiyabha, Rufname „Prinzessin Bha“, war das älteste von sieben Kindern des Königs, die aus drei Ehen stammen; mittlerweile ist Rama X. – Geburtsname Maha Vajiralongkorn – zum vierten Mal verheiratet. Bajrakitiyabhas Mutter war Soamsavali Kitiyakara, Cousine und erste Ehefrau des heutigen Königs, mit der er, damals noch Kronprinz, von 1977 bis 1993 verheiratet war.Der König mit der Villa am Starnberger SeeIn Thailand ist die absolute Monarchie seit 1932 abgeschafft. Auf dem Papier hat der König keine politische Macht mehr, in der Realität ist sein Einfluss aber groß: Die Regierungen sind von seiner Gunst abhängig. Seit einem Putsch im Jahr 2014 regiert das Militär. Der 73 Jahre alte Rama X. ist seit dem Tod seines Vaters Bhumibol im Jahr 2016 im Amt. Im Ausland gilt er als Exzentriker mit ausschweifendem Lebensstil, er residiert zeitweise in einer Villa am Starnberger See. Im eigenen Land ist er weit unbeliebter, als sein Vater es war. In den Kinos zum Beispiel, wo vor jeder Vorstellung die Königshymne gespielt und ein Film über den Monarchen gezeigt wird, erhebt sich anscheinend kaum jemand mehr aus seinem Sitz. Zu Lebzeiten Bhumibols war das eine Selbstverständlichkeit.Das thailändische Königshaus – das reichste der Welt – bräuchte in der nächsten Generation dringend einen Sympathieträger oder eine Sympathieträgerin. Prinzessin Bha hätte eine solche sein können. Sie galt als mögliche Nachfolgerin, hätte der erste weibliche Souverän auf dem thailändischen Thron werden können. Rama X. hat formal noch keinen Thronfolger bestimmt. Die thailändische Erbfolge bevorzugt eigentlich männliche Nachkommen, doch einer Verfassungsänderung von 1974 zufolge kann auch eine Tochter den Thron besteigen. Von den sieben Kindern des Königs bekamen bei seiner Krönung nur drei den Titel Chao Fa („himmlischer Prinz“ beziehungsweise „himmlische Prinzessin“) verliehen, Bajrakitiyabha war eine von ihnen. Ihr in Oberbayern aufgewachsener 21 Jahre alter Halbbruder Prinz Dipangkorn Rasmijoti, einziger männlicher Chao Fa und damit ebenfalls Thronanwärter, gilt als entwicklungsverzögert.Die Prinzessin hatte als Jugendliche die prestigeträchtige Heathfield-Mädchenschule im englischen Ascot besucht, die sich rühmt, unter anderem eine Cousine von Queen Elizabeth II. ausgebildet zu haben. Anschließend studierte Bajrakitiyabha an der Cornell Law School in den USA und schlug eine Diplomatenlaufbahn ein. Sie war für die UN im Einsatz und von 2012 bis 2014 thailändische Botschafterin in Österreich. Danach arbeitete sie als Staatsanwältin in ihrem Heimatland und in den beiden Jahren vor dem medizinischen Notfall in führender Position bei der königlichen Leibwache.Ihr Privatleben blieb tatsächlich privatAußer diesen biografischen Details ist über die Prinzessin kaum etwas bekannt, vor allem nichts Privates. Seit ihrem Zusammenbruch weiß man, dass sie offenbar Hunde mochte. Laut thailändischen Medienberichten bereitete sie sich an jenem 14. Dezember mit ihren Tieren – eine genaue Zahl ist nicht bekannt – in der nordöstlichen Provinz Nakhon Ratchasima auf einen Hundewettbewerb der Armee vor, als sie das Bewusstsein verlor. Nach der Erstversorgung in einem örtlichen Krankenhaus wurde sie per Hubschrauber in das „King Chulalongkorn Memorial“-Krankenhaus in der Hauptstadt Bangkok verlegt, wo ihr Vater sie mehrmals besuchte.Die Informationen, die das Königshaus seither über die Prinzessin verbreitete, waren immer im Vagen gehalten. Von Herzproblemen aufgrund einer Mykoplasmeninfektion war die Rede und davon, dass die Funktionen von Herz, Nieren und Lunge durch medizinische Geräte unterstützt würden. Ansonsten hieß es immer nur, ihr Zustand sei „stabil“, eine Formulierung, die im Guten wie im Schlechten interpretiert werden kann. Im Sinne von: Es gibt keine Verschlechterung – oder es gibt keine Verbesserung. Nach dreieinhalb Jahren „Stabilität“ kam dann jüngst die Nachricht über die Infektion, am Donnerstag hieß es, ihr Zustand sei immer kritischer geworden.Die „himmlische Prinzessin“ hat ihr Bewusstsein nicht wiedererlangt.