Seit Anfang des Jahres hat die städtische Nahverkehrsgesellschaft Traffiq mehr als 400 Falschparker angezeigt, weil sie Busspuren blockiert haben. Der Nachweis wurde durch die neuen Frontkameras möglich, mit denen zehn Linienbusse ausgestattet worden sind. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen soll der Pilotbetrieb ausgeweitet werden. Zehn weitere Busse, aber auch fünf Straßenbahnen werden nun mit Kameras hinter der Windschutzscheibe ausgerüstet.Die Busfahrer können per Knopfdruck die Kamera einschalten, wenn sie wegen eines falsch geparkten Autos aufgehalten werden oder eine Haltestelle nicht richtig anfahren können. Die Geräte würden nur eingesetzt, wenn der Betriebsablauf gestört werde, erläutert Traffiq-Geschäftsführer Tom Reinhold. Eine Serie von Fotos wird an einen externen Dienstleister übermittelt, der verwertbare Vorgänge nach Anonymisierung der Bilder auf einem Anzeigenportal des Ordnungsamts hochlädt.Nach den Worten Reinholds haben sich die Kameras als äußerst wirkungsvoll erwiesen. Die Zahl der Anzeigen sei von 36 im Februar auf 170 im Mai kontinuierlich gestiegen. Durchschnittlich seien es acht je Werktag. Besonders viele Verstöße gebe es im Ausgehviertel Alt-Sachsenhausen und an der Farbenstraße in Sindlingen. Das Ordnungsamt hat 325 Bußgeldbescheide und 75 Verwarnungsbescheide versandt. Wer auf einer Busspur parkt und den Nahverkehr behindert, muss mit einem Bußgeld von 70 Euro rechnen.Das Ordnungsamt habe seine Erfahrung aus dem Privatanzeigenportal genutzt, sagt dessen Leiter Holger Habich. Alle von Traffiq gemeldeten Fälle seien bearbeitet worden. Das öffentliche Interesse an einer konsequenten Ahndung halte das Ordnungsamt für außerordentlich hoch. Busspuren müssten frei bleiben, so Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (Die Grünen). Auch wer nur kurz beim Bäcker halte, behindere viele Fahrgäste, die ihren Anschluss verpassten oder zu spät zur Schule, zum Arzt oder nach Hause kämen.Bei den Busfahrern kämen die Kameras sehr gut an, berichtet Traffiq-Geschäftsführer Reinhold. Sie schätzten das Gefühl, selbst ein effektives Instrument in der Hand zu haben, wenn Falschparker ihre Arbeit völlig unnötig erschwerten. Die Rückmeldung der Verkehrsunternehmen zeige: „Das Fahrpersonal ist begeistert.“