Michael Pieper hält die Zügel auch mit 80 in der Hand. Doch der Tod seines Sohnes Alexander Pieper zwingt den schwerreichen Unternehmer zu einer ZäsurIm Besitz von Michael Pieper befinden sich neben dem Küchenausstatter Franke Beteiligungen an diversen Schweizer Industriefirmen. Manches davon ist altmodisch. Schafft es Pieper, auf Wunsch seiner Nachkommen loszulassen?12.06.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenDer Industriekonzern Franke hat den Sitz in Aarburg bei Olten.Martin Ruetschi / KeystonePatrons wie Michael Pieper gibt es in der Schweiz nicht mehr viele. Der 80-jährige Unternehmer hat ein Industrieimperium aufgebaut, dessen Grösse ihresgleichen sucht. Kernstück seines milliardenschweren Vermögens ist Franke, der bekannte Ausstatter von Küchen für private Haushalte und professionelle Kunden wie McDonald’s.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Pieper hat sich nie viel aus Beratern und Investmentbankern gemacht. Entscheidungen trifft er am liebsten aufgrund eigener Überlegungen. Einer, der mit ihm jahrelang zusammenarbeitete, sagt: Pieper höre zwar auf bessere Argumente, aber fast immer glaube er, diese selbst zu besitzen. Er habe ein grosses Ego. Wie der Vater Willi Pieper, der ebenfalls ein erfolgreicher Unternehmer war und von dem Michael Pieper Franke erbte.Franke an die Weltspitze geführtMichael Pieper führte den Aarburger Konzern fast ein Vierteljahrhundert lang, von 1989 bis 2012. Dabei gelang es ihm, die Firma mit heute 7600 Beschäftigten und einem Umsatz von 2,1 Milliarden Franken an die Weltspitze zu führen. Sein Sohn Alexander Pieper sollte, als Vertreter der dritten Generation, sicherstellen, dass Franke die führende Marktposition beibehält.Michael Pieper, der Besitzer von Franke.KeystoneDoch ein Herzinfarkt hat den erst 43-Jährigen am vergangenen Samstag jäh aus dem Leben gerissen. Alexander Pieper präsidierte seit 2023 den Verwaltungsrat von Franke. Zuvor hatte er dem Gremium bereits als einfaches Mitglied seit 2018 angehört. In all den Jahren sass sein Vater mit im Verwaltungsrat. Michael Pieper wechselte direkt nach seinem Ausscheiden als CEO 2013 in das Aufsichtsgremium von Franke.Alexander Pieper habe zwar den Vorsitz gehabt, doch er sei nicht die dominante Figur im Verwaltungsrat von Franke gewesen, sagt ein Insider. Das grosse Ego erbte er offenbar nicht von seinem Vater und seinem Grossvater. So trat er im Gegensatz zu Michael Pieper auch so gut wie nicht in der Öffentlichkeit auf. Dasselbe gilt für seine Schwester Nina, die vom Vater auserkoren wurde, die Immobilien aus dem Familienbesitz zu erben. Ihr Bruder Alexander sollte der alleinige Erbe von Franke werden.Beteiligungen an Autoneum, Feintool und ForboBeide Geschwister traten vor rund zehn Jahren in den Verwaltungsrat der Beteiligungsgesellschaft Artemis ein. Michael Pieper baute sich mit diesem Vehikel ein Portfolio auf, das weit über Franke hinausreicht. Im Besitz der Investmentfirma befinden sich neben dem 100-Prozent-Anteil am Küchenausstatter auch gewichtige Beteiligungen an einer Reihe weiterer Schweizer Industriefirmen wie den Autozulieferern Autoneum und Feintool sowie dem Bodenbelaghersteller Forbo.Allerdings fragten sich Beobachter in den letzten Jahren auch bei Artemis, wie viel Platz Michael Pieper anderen Familienmitgliedern lässt. Der Industrielle hat bei der Beteiligungsfirma zwar keinen Verwaltungsratssitz, doch führt er die Geschäftsleitung an. Diese Funktion übernahm er 2013 direkt nach seinem Rücktritt als Konzernchef von Franke.Wie Pieper im jüngst erschienenen Buch «Franke: Pioniere des Edelstahls» im Rahmen eines Interviews ausführt, sei er ein leidenschaftlicher CEO bei Franke gewesen. «Und jetzt bin ich es bei Artemis.» Das Gespräch mit dem Buchautor, dem früheren NZZ-Journalisten Helmut Stalder, hat er vor einem Jahr geführt.Michael Pieper gab eher selten Interviews. Er lud zudem mit weiteren Führungsmitgliedern von Artemis und dem Management von Franke jährlich zur Bilanzmedienkonferenz ein. Bei seinen Auftritten im Zürcher Hotel Marriott war er sich nicht zu schade, auch auf politische Fragen oder solche zur Rolle von Finanzinstituten zu antworten.Pieper machte kein Geheimnis aus seiner Abneigung gegenüber der EU und kreditgebenden Banken. Bei Franke, so ist zu hören, pocht er, ganz Patron alter Schule, bis heute auf eine strikte Eigenfinanzierung. Das Unternehmen soll nach wie vor schuldenfrei sein.Nachkommen scheuen ScheinwerferlichtAb 2019 brachen Artemis und Franke aber mit der Tradition der Bilanzmedienkonferenzen. Danach stellten sie auch die Publikation erst von Halbjahres- und anschliessend von Jahresberichten ein. Die letzten ausführlichen Geschäftszahlen der beiden Unternehmen wurden vor drei Jahren veröffentlicht. Franke erwirtschaftete damals einen Umsatz von 2,4 Milliarden Franken und – auf Stufe Ebit – eine operative Marge von 8 Prozent.Aus dem Umkreis von Artemis ist zu vernehmen, dass der Verzicht auf Medienauftritte und die Veröffentlichung von Geschäftszahlen auf ausdrücklichen Wunsch von Alexander und Nina Pieper geschah. Die beiden hatten im Gegensatz zum Vater keine Lust, ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit zu treten.Alexander Pieper, der jüngst verstorbene Sohn von Michael Pieper.PDDer Wunsch der Geschwister nach Diskretion lässt sich aber wohl auch damit begründen, dass offen ist, was aus dem umfangreichen Portfolio von Industriebeteiligungen werden wird. Michael Pieper erwarb Anteile an traditionellen Industrieunternehmen, deren Geschäfte er als Industrieller gut zu verstehen glaubte. Dabei engagierte er sich teilweise in denselben Firmen wie ein anderer Doyen der Schweizer Industrie, Peter Spuhler.Die beiden, die als eng befreundet gelten und zusammen im Engadin auch ein Feinschmeckerlokal besitzen, sind bis heute gewichtige Aktionäre von Autoneum. Jahrelang waren sie dies auch beim Textilmaschinenhersteller Rieter gewesen, bis Pieper 2021 seine Anteile an einen belgischen Investor veräusserte.Hohe KursverlusteDie Investments in kotierte Schweizer Industrieunternehmen brachten Pieper in den vergangenen Jahren kein Glück. Der Aktienkurs von Autoneum verlor in den letzten fünf Jahren 29 Prozent. Für Forbo ging es um 59 Prozent und für Feintool sogar um 75 Prozent nach unten.Angesichts der anhaltenden Krise in der Automobilindustrie ist eine baldige Besserung bei Autoneum und Feintool nicht absehbar. Auch Forbo blickt weiterhin schwierigen Zeiten entgegen. Die Geschäfte der Firma hängen von der Bauindustrie ab, die seit Jahren vor allem in Europa, aber auch in China in einer Flaute steckt.Alexander und Nina Pieper dürften die Werteinbussen mindestens so konsterniert wie ihr Vater verfolgt haben. Den beiden wurde nachgesagt, dass sie sich von manchen der Industriebeteiligungen lieber heute als morgen getrennt hätten. Das sei nicht ihre Welt, und sie investierten lieber in jüngere Unternehmen als in traditionelle Schweizer Industriefirmen.Nina Pieper fühlt sich als Designerin eng mit der Modewelt verbunden. Sie besitzt ein eigenes Modelabel. Alexander Pieper, der eine Lehre als Metallbauer absolvierte, leitete bis 2023 den Zürcher Werkzeughersteller Kraftwerk, den er 2016 erworben hatte.Franke soll im Familienbesitz bleibenVorbereitungen zur Neuausrichtung des Portfolios von Artemis liefen, heisst es. Eine führende Rolle kommt dabei Jonas Theiler zu, dem Ehemann von Nina Pieper. Das Paar hat Zwillinge im schulpflichtigen Alter, welche die beiden einzigen Enkel Michael Piepers sind. Theiler, der wie Pieper an der Universität St. Gallen studierte, gehört seit 2023 der Geschäftsleitung von Artemis an. Er verantwortet das Portfoliomanagement.Vorläufig nicht angetastet werden dürfte Franke. Der Tod des designierten Alleinerben hat augenblicklich Spekulationen ausgelöst, wonach die Firma an Private-Equity-Investoren veräussert werden könnte. Dass sich Finanzinvestoren seit Jahren für Franke interessieren, ist in der Branche bekannt. Das Unternehmen wäre prädestiniert, um erst mit Fremdkapital beladen und einige Jahre später an die Börse gebracht zu werden. Doch Michael Pieper hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass er ähnlich wie Banken auch Private-Equity-Häuser verabscheut.Franke bleibe selbstverständlich im Familienbesitz, lässt das Unternehmen auf Anfrage verlauten. Wer die Nachfolge im Präsidium übernimmt, ist offen. Allerdings würde es Branchenbeobachter nicht überraschen, wenn Michael Pieper das Amt zumindest interimistisch ausübte. Im Verwaltungsrat ist er ohnehin schon vertreten, und an der nötigen Energie scheint es ihm auch nicht zu fehlen.Der frischgebackene Achtziger fährt nach wie vor fast jeden Tag von seinem Wohnort in Hergiswil nach Aarburg. Und wie schon immer ist er frühmorgens einer der Ersten im Büro.Passend zum Artikel