Für die Aktie des Energietechnikkonzerns Siemens Energy geht es nicht nur steil bergauf. In den vergangenen Wochen gab es einen Kursrücksetzer. Seit dem Ende April erreichten Rekordhoch von mehr als 190 Euro ging es wieder deutlich runter auf nun 143 Euro. Die Aktionäre, die im Herbst 2023 bei einem Kurs von zeitweise weniger als sieben Euro eingestiegen sind, können noch immer zufrieden sein. Jedoch gilt das nicht für die Investoren, die erst kürzlich die Aktie gekauft haben. Die jüngsten Kursrückschläge werden mit möglichen Überkapazitäten bei Gaskraftwerken begründet.Überzeugend ist das nicht. Der Kursrückgang dürfte eher mit Gewinnmitnahmen und dem insgesamt skeptischeren Marktsentiment zusammenhängen. Denn der wachsende Strombedarf in der Welt sorgt für eine auch in den kommenden Jahren hohe Nachfrage nach Gasturbinen und Netztechnik. Hier ist Siemens Energy ein führender Anbieter. Nicht nur der Energiehunger der Rechenzentren für die Künstliche Intelligenz (KI) sorgt für regelmäßige Rekorde im Auftragsbestand.Mehr Resilienz durch erneuerbare EnergienEs ist noch nicht allzu lange her, da musste sich der Vorstand von Siemens Energy dafür rechtfertigen, warum er am Gasgeschäft festhält. Nun gilt das für die Windkraft der Tochtergesellschaft Siemens Gamesa, deren Verluste vor Jahren den Konzern in eine Schieflage brachten. Davon hat sich Siemens Energy erstaunlich schnell befreien und die staatlichen Garantien vorzeitig ablösen können. Nun gibt Vorstandschef Christian Bruch Gamesa ehrgeizige Ziele vor. Mittelfristig soll die Rendite auf dem Niveau der anderen Sparten liegen, also im niedrigen zweistelligen Prozentbereich.Dafür will er vor dem Jahr 2030 Klarheit haben. In diesem Jahr gilt das Erreichen der Gewinnschwelle fast schon als sicher. Dass Bruch nun den Druck auf Gamesa erhöht, liegt am Kapitalmarkt, der nicht bereit ist, schwächere Sparten auf Dauer zu subventionieren. Doch der Energiemarkt ist in Zeiten der Energiewende nur schwer prognostizierbar. Das Windgeschäft kann in Zukunft die Bedeutung haben, die Gas wieder hat.Für Windkraft als Energiequelle spricht, dass sie nicht importiert werden muss. Deshalb macht sie die Energieversorgung resilienter. Das gilt umso mehr, je besser die Speicher- und Übertragungsmöglichkeiten werden. Die erneuerbaren Energien haben schon heute Perspektiven, die über den Klimaschutz hinausgehen.