Der britische Rechtsextremist Stephen Yaxley-Lennon, der sich nach anderen Pseudonymen nun Tommy Robinson nennt, scheint bester Dinge. „Ich genieße meinen Tag mit …“, beginnt er den Satz und schwenkt die Kamera auf den Mann, der neben ihm sitzt. Das ist Errol Musk. Der 80 Jahre alte Vater des Unternehmers Elon Musk sagt erst mal nichts, sondern fährt sich durch das Haar. Die beiden Männer lachen, grüßen Robinsons Abonnenten auf der Plattform X, dem Hauptverbreitungskanal des Rechtsextremisten. „Wir werden ein bisschen Schwierigkeiten machen“, sagt Robinson. „Keine Schwierigkeiten“, entgegnet Musk, man werde „die Dinge richtig machen.“ Das werde man versuchen, sagt Robinson.Aufgezeichnet wurde das Video in Moskau, eine im Hintergrund zu sehende Scheibe lässt die Schaljapin-Bar des Luxushotels „Metropol“ vermuten. Bevor und nachdem Robinson den Kurzclip mit Musk am Dienstag auf X postet, hetzt er gegen die britische Regierung und die Polizei seines Heimatlandes, stets mit der Botschaft, dass nichts gegen kriminelle Migranten getan werde, respektive gegen Menschen, die Robinson zu Migranten erklärt.Errol Musk, der Vater von Elon Musk, Mitte April 2026 in Moskau.ReutersRobinson ruft auf der Plattform X zu Protesten aufWenn in Großbritannien Gewaltverbrechen geschehen, die in Robinsons Raster passen, ruft der 43 Jahre alte, unter anderem wegen Betrugs und Körperverletzung vorbestrafte Mann aus Luton seine Anhänger zu Protesten auf. Mit Erfolg, auch jetzt wieder in Nordirland. Auf der Plattform X schreibt Robinson mit Blick auf die Unruhen dort zwar, er plädiere nicht für Gewalt oder „dafür, eine Stadt anzuzünden“, hebt aber hervor, er könne „den Zorn verstehen, der das antreibt“. Die Botschaften seiner regelmäßig rassistischen Posts sind klar: Die vermummten jungen Männer in den Straßen erscheinen als Freiheitskämpfer, schuld an allem seien „Britanniens Politiker“, es brauche Massenabschiebungen von „Drittweltwilden“.Seit Jahren wird über Verbindungen des Rechtsextremisten nach Russland spekuliert. Sicher ist, dass die Staatsmedien des Herrschers Wladimir Putin ihn in der Vergangenheit unterstützt und während einer Reise nach Moskau und Sankt Petersburg im Februar 2020 als Rebellen gegen eine europäische Zensur inszeniert haben. Seinerseits hat der Rechtsextremist immer wieder russische Propaganda verbreitet, auch zum Angriffskrieg gegen die Ukraine.Der britischen Zeitung „The Guardian“ sagte Robinson nun, er sei nach Moskau gereist, „um zu sehen, wie es diesem Land gelungen ist, so auf den richtigen Weg zu kommen, und um die Schönheit einer zivilisierten Gesellschaft hier zu erleben“. Russland sei „kein Feind“ Großbritanniens, das verbreiteten Leute, die davon profitierten, über die aber „jetzt jeder lacht“.Westliche Reisende, die Russland kaum kennenRobinson steht in einer langen Reihe von westlichen Reisenden, die Russland verklären und die ganz unterschiedliche Hoffnungen auf ihr Gastland projizieren, das sie meist nur oberflächlich kennenlernen. In der Vergangenheit waren viele solcher Leute auch just im „Metropol“ zu Gast, nicht immer zu ihrem Vorteil. Ein Beispiel aus der jüngeren Geschichte ist der frühere amerikanische Soldat Paul Whelan, der Ende 2018 zu einer Hochzeit in das Hotel kam, dort einen Bekannten des Geheimdiensts FSB traf, alsbald von dessen Kollegen festgenommen wurde, die einen Datenträger mit angeblich geheimen Informationen bei ihm fanden, und dann mehr als fünfeinhalb Jahre in russischer Haft verbrachte.Trotz allem finden sich immer wieder entsprechende Fans. Diese Tage sind besonders ergiebig für Putins Regime. Gerade sind die BSW-Europaabgeordneten Ruth Firmenich und Michael von der Schulenburg in Moskau, für einen „Friedensdialog“. Zuvor kamen AfD-Politiker zu Putins Sankt Petersburger Wirtschaftsforum.Dort war auch die amerikanische Verschwörungstheoretikerin Candace Owens. Sie erzählte darüber ihrem Millionenpublikum auf Youtube, es werde belogen, da man ihm nicht erzähle, wie „sauber und sicher“ Russland sei, und riet ihm, Putins Rede auf dem Forum zu hören. „Es ist unsere Gesellschaft, die verfällt, nicht ihre“, dozierte Owens. Sie ließ sich vom kremltreuen Regisseur Nikita Michalkow für dessen Propagandasendung befragen, wobei sie der Aussage zustimmte, dass Russland nicht gegen die Ukraine kämpfe, sondern „gegen Satan“.Auch die britisch-amerikanischen Brüder Andrew und Tristan Tate, Social-Media-Idole einer frauenfeindlichen „Manosphere“, waren während des Forums in Russland, fuhren Boot und Panzer und sprachen im Staatssender RT von europäischem Verfall und „Lügen“ der US-Regierung über Russland.Zum wiederholten Mal im Land war der Putin-Verehrer Errol Musk, auch er als Gast von Putins Forum. Sankt Petersburg wurde zu Beginn und gegen Ende der Konferenz von ukrainischen Drohnen angegriffen, die über Starlink gesteuert werden sollen, Elon Musks satellitengestützten Internetanbieter. Zwar heißt es, das Verhältnis zwischen Elon Musk und seinem Vater sei schwierig, in einem Interview hat der Unternehmer Errol Musk als „schrecklichen Menschen“ bezeichnet, der „alle Verbrechen begangen hat, die man sich vorstellen kann“. Doch im Feldzug gegen Europa steht Elon Musk ebenso wie sein Vater an Tommy Robinsons Seite, teilt und unterstützt dessen Protestaufrufe auf X.